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22:15 07.08.2018
Chaoqun Jiang ist die „gute Seele“ des GRK – wie der Graduiertenkolleg abgekürzt wird. Die 34-Jährige aus Shanghai mit einem Master in Anglistik fungiert als Koordinatorin und ist seit Beginn Ansprechpartnerin für die Nachwuchsforscher. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Als im Mai die Deutsche Forschungsgemeinschaft die Förderung für das Lübecker Graduiertenkolleg zur „Wechselwirkung von Fettgewebe und Gehirn“ nochmal um viereinhalb Jahre verlängert hat, war die Freude auf dem Lübecker Uni-Campus groß. Ihr gemeinsamer Forschungsgegenstand sind Regulationsmechanismen von Nahrungsaufnahme und Energieverbrauch im zentralen Nervensystem. Und während die elf Doktorandinnen und Doktoranden aus der ersten Runde ihr Ziel so gut wie erreicht haben, sind nun die nächsten elf internationalen Nachwuchsforscher am Start.

Sie arbeiten alle in einem Forschungsgebäude unter dem Dach des CBBM, dem „Zentrum für Gehirn, Hormone und Verhalten“ an der Marie-Curie-Straße. Und das Besondere an dem interdisziplinären Vorhaben ist: Neben ihrer wissenschaftlichen Spurensuche nehmen sie noch an einem besonderen Trainingsprogramm teil. Dazu gehören zum Beispiel regelmäßige Workshops, Summerschools, Kurse zur Karriereplanung und wissenschaftlichem Schreiben.

Prof. Henrik Oster

Prof. Henrik Oster ist der Sprecher des Graduiertenkollegs. „Ich bin vor allem dafür verantwortlich, dass die Forschungsgelder auf die unterschiedlichen Arbeitsgruppen verteilt werden“, sagt der Direktor des Instituts für Neurobiologie. Zudem sei er ebenfalls „ein bisschen Kummerkasten“. „Insgesamt empfinde ich es als Privileg, dass man unter dem Dach des CBBM so viele Doktoranden zu einem Thema zusammenbringen kann“, betont der 45-Jährige.

Doktorand Sherif Idriss

Doktorand Sherif Idriss hat schon einen erlebnisreichen akademischen Weg hinter sich. Dem Studium der Pharmazie und Biotechnologie an der German University Cairo folgte der Master in Pharmakologie in Oxford. Danach sammelte er Forschungserfahrung durch Praktika in München, Zürich, Aarhus und Helsinki. „Eine vergleichbare kreative und angenehme Arbeitsatmosphäre mit all diesen Labor-Einheiten in einem kompakten Format wie hier im CBBM habe ich allerdings bisher noch nicht vorgefunden“, behauptet der 28-Jährige, „die Mischung stimmt einfach.“ Er ist auf der Spur der sogenannten Astrozyten; das sind spezialisierte Nervenzellen, die einen wichtigen Einfluss auf Gehirnregionen haben, die für die Nahrungsaufnahme verantwortlich sind.

Doktorandin Julia Steinhardt

Doktorandin Julia Steinhardt (29) ist von der Uni Magdeburg auf den Lübecker Campus gekommen. Sie bewegt die Frage, warum Parkinson-Patienten, die mittels tiefer Hirnstimulation behandelt werden, sehr häufig an Gewicht zunehmen. „Sie haben zirka ein Jahr nach der OP durchschnittlich fünf Kilogramm mehr auf den Rippen“, sagt die studierte Psychologin mit dem Schwerpunkt Neurowissenschaften. Als Ursache werde diskutiert, ob durch den Eingriff Hirnregionen zerstört werden, die ansonsten das Essverhalten regulieren. „Entsprechend könnte man nach der OP individuelle Ernährungs- und Sportpläne anbieten, um das Gewicht stabil zu halten“, so die Nachwuchsforscherin.

Doktorandin Beatrice Bertozzi

Doktorandin Beatrice Bertozzi (28) hat in Rom Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften studiert. Danach arbeitete sie drei Jahre lang als „Forschungsassistentin“ an der Washington University School of Medicine. „Für meine Dissertation wollte ich aber zurück nach Europa, und Deutschland gehört zu den wenigen EU-Ländern mit guten Bedingungen in der Wissenschaft“, sagt die Italienerin. Nun interessiert sie sich für das „gute braune Körperfett“, das als körpereigene Heizung durch Kälte aktiviert werden kann. „Nur möchte man übergewichtige Patienten natürlich nicht aus therapeutischen Gründen zwangsfrieren lassen“, betont sie. Deshalb erforsche sie alternative Aktivierungswege wie die Gabe von Insulin-Nasenspray.

Chaoqun Jiang

Chaoqun Jiang ist die „gute Seele“ des GRK – wie der Graduiertenkolleg abgekürzt wird. Die 34-Jährige aus Shanghai mit einem Master in Anglistik fungiert als Koordinatorin und ist seit Beginn Ansprechpartnerin für die Nachwuchsforscher. Sie organisiert auch das zusätzliche strukturierte Ausbildungsprogramm. Erfahrung hat sie inzwischen reichlich gesammelt, da die Chinesin zuvor eine vergleichbare Funktion bei der „Graduate School for Computing in Medicine and Life Sciences“, ebenfalls auf dem Uni-Campus, inne hatte. „Wir wollen insgesamt die Horizonte der jungen Leute erweitern“, betont sie.

Michael Hollinde

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