Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Die Einheit lebt
Lokales Lübeck Die Einheit lebt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:55 04.10.2017
Boris und Sandra Blöß sind mit ihren Töchtern Johanna, Helena und Charlotte (v. l.) zum Einheitsfest nach Schlutup gekommen. Natürlich war der Trabbi, der vor der Grenzdokumentationsstätte steht, für alle Fünf ein echter Blickfang. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
Schlutup

Es hatte etwas von Rummelplatz, mit zahlreichen Buden, Ständen, lauter, durchdringender Musik unterschiedlicher Genres und vollem, mit Fähnchen geschmücktem Festzelt. Dazu gesellten sich noch Wetterkapriolen, die dem April alle Ehre gemacht hätten, sowie ein stetig an- und abschwellender Verkehrsstau in der Mecklenburger Straße.

An der Grenzdokumentationsstätte in Schlutup wurde der Tag der Deutschen Einheit wieder groß gefeiert. Hunderte Besucher kamen zum Festgelände und informierten sich im Museum. Aus der Politik erhielt die Einrichtung, die es nun seit 14 Jahren gibt, zahlreiche Hilfszusagen.

Es wurde also am Einheitstag in Schlutup an der früheren innerdeutschen „Nahtkante“ vital gefeiert – was zum Beispiel Egon Ruland vom Lübecker Shantychor Möwenschiet mit dem Satz zusammenfasste: „Es ist hier eine Bombenstimmung.“ So wurde die Grenzdokumentationsstätte am 3. Oktober wieder zum zentralen Treffpunkt hunderter Menschen, darunter Politikvertreter aller Couleur, in der Hansestadt.

Es gab aber auch ernste, nachdenkliche Töne sowie genügend Denkanstöße und Erinnerungen, die im Inneren des mit viel Detailliebe ausgestatteten Grenzmuseums geweckt wurden.

Beim Polit-Talk am Mittag ließ Kultur- und Bildungssenatorin Kathrin Weiher nochmal die Zeit des „Eisernen Vorhangs“ aufleben. „Das wünscht sich niemand mehr zurück, aber ich bedaure auch, dass nach der Wiedervereinigung in manchen Herzen das wunderbare Gefühl von Einigkeit und Recht und Freiheit von dem, vor allem ökonomisch geprägten Gefühl abgelöst worden ist, Verlierer zu sein“, so Weiher.

Daher sei es angeraten, in der Nachschau der vergangenen 27 Jahre auch die Menschen in den Blickpunkt zu nehmen, die sich nach der Wende zum Beispiel einen neuen Beruf suchen mussten – „und das waren immerhin 70 Prozent. Wir sollten also in den nächsten Jahren die Folgen der Wende besser aufarbeiten und dabei auch im Westen mal die Ex-DDR-Bürger in den Vordergrund stellen“, plädierte die parteilose Kultursenatorin.

Bei Familie Blöß aus Herrnburg überwogen eindeutig die positiven Emotionen. „Denn ohne den Mauerfall hätten wir uns hier in Lübeck gar nicht kennengelernt, und unsere drei wunderbaren Töchter würde es nicht geben“, begründete Sandra Blöß, die in Plate bei Schwerin groß geworden ist und im Jahr 2002 als Krankenschwester an die Uniklinik kam.

„Ich bin in Eichholz aufgewachsen, und ich erinnere mich sehr gut an die Grenzöffnung“, sagte ihr Mann Boris Blöß, „wie wir mit der Familie zum Grenzübergang gekommen sind, um die Trabis zu begrüßen.

Das war emotional.“

In der einstigen Zoll- und Grenzbaracke ließen sich Ohndria und Arne Söns aus Eichholz von Jürgen Gieseler, der zum Team der Einrichtung gehört, den früheren Grenzverlauf erklären. „Das ist sehr beeindruckend dokumentiert und informativ“, sagte das Paar.

Museumsleiterin Ingrid Schatz freute sich jedenfalls an diesem Tag über die vielfachen Unterstützungsbotschaften aus der lübschen Politik. „Das war mal anders“, erinnerte sie sich. Ohne Unterstützung ginge es nicht, wie der Schilderstreit der vergangenen Tage gezeigt habe.

Ein Video zu dem Thema finden Sie auf LN-online.de/Videos.

Das Grenzmuseum

Die Dokumentationsstätte befindet sich in einem früheren Zollgebäude, das zum Grenzübergang Schlutup gehörte. 1999 kaufte der Bund das Gebäude. Offiziell wurde das Museum am 9.

November 2004 eröffnet.

Geöffnet ist es freitags und sonnabends von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt kosten drei Euro für Erwachsene und zwei Euro für Kinder.

Michael Hollinde

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der neue Sieben-Türme- Kalender ist da. Zwölf Ansichten der Innenstadtkirchen begleiten das Jahr 2018. Es ist die vierte Auflage des Projekts, bei dem die Beteiligten auf ihre Honorare verzichten. 1000 gedruckte Exemplare werden jetzt an insgesamt 17 Stellen in Lübeck verkauft.

04.10.2017

Ein Baum in der Oberleitung der Bahnstrecke Hamburg – Lübeck in Höhe Reinfeld sorgte gestern für einen Einsatz der Feuerwehr. Der Bahnverkehr wurde auf dieser Strecke zwischen Bad Oldesloe und Lübeck von 9.40 bis 10.50 Uhr komplett eingestellt.

04.10.2017

In einem Imbiss in der Artlenburger Straße wurde am Dienstagabend ein 56-Jähriger schwer verletzt. Der Mann arbeitete als Aushilfskraft in dem Imbiss. Er wurde von einem anderen Mann mit einem Messer angegriffen.

04.10.2017