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21:19 08.09.2016
Neele Rickert schaut im Museum für Natur- und Umwelt in das Terrarium, in dem die Europäischen Sumpfschildkröte lebt. Die 18-Jährige absolviert in dem Haus ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) und beobachtet gern die Tiere. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat, Imago

Eckhard Roch (78) wohnt seit Jahrzehnten am Mühlenteich. Eine Schildkröte hat er dort noch nie erblickt – bis vor kurzem. „Als ich sie zum ersten Mal sah, saß sie auf einer Ententreppe“, sagt der Lübecker und berichtet, wie sich das Tier zwischen Teich und seinem Garten sonnte. Roch war erstaunt, denn ähnliche Reptilien hat er zuletzt im Florida-Urlaub gesehen.

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Dieses Foto von der Schildkröte unbekannter Herkunft gelang Eckhard Roch am Mühlenteich. Das Tier sonnt sich auf der Ententreppe.

Bevor er die Entdeckung am heimischen Wasser fotografieren konnte, verging einige Zeit. Denn Roch musste sich anschleichen. „Wenn man hektisch wird, springt sie in den Teich.“ Zehn Minuten, schätzt er, hat es nun wohl gedauert, bis ihm ein Foto gelang. Jetzt fragt sich der Lübecker nicht nur, wie sie in den Mühlenteich kam, sondern auch, wo sie bleiben soll, wenn es kälter wird? „So eine Schildkröte gehört im Winter doch nicht hierher.“

Laut Biologin Dr. Susanne Füting vom Museum für Natur und Umwelt ist das Tier im Mühlenteich kein Novum. „Ob es das selbe Exemplar ist, kann ich nicht sagen. Aber ich habe in den vergangenen Jahren mehrfach eine Schildkröte im Mühlenteich beobachtet, die bei schönem Wetter in der Sonne sitzt.“ Auch an der Wakenitz sind laut Füting immer wieder Schildkröten zu beobachten. Um welche Arten es sich handele, sei aus der Ferne schwer zu bestimmen. Das gelte auch für den „Badegast“ im Mühlenteich.

„Fest steht aber, dass es sich definitiv nicht um die Europäische Sumpfschildkröte handelt“, betont die Museumsleiterin. Wer diese seltene Art sehen möchte, kann zwei junge Exemplare im Museum anschauen. Es sind Tiere, die aus einer Zucht stammen und in einem Terrarium leben. Bei dem rätselhaften Tier aus dem Mühlenteich handelt es sich laut Biologin vermutlich um einen ausgesetzten Exoten. „Ich vermute eine Rotwangen- Schildkröte.“ Füting betont, dass solche Tiere auf keinen Fall ausgesetzt werden sollen. „Sie können zwar den Winter bei uns überleben, gehören aber nicht hierher und können die Zusammensetzung unserer Fauna durchaus negativ beeinflussen.“

Die Schildkröte ist nicht der einzige Exot, den Füting beobachtet hat. „Beim Keschern von Plankton im Mühlenteich innerhalb eines Umweltbildungskurses für Kinder ist uns eine Chinesische Wollhandkrabbe ins Netz gegangen. Das ist eine ursprünglich in China beheimatete Krabben-Art, die Anfang des 20. Jahrhunderts nach Europa eingeschleppt wurde.“

In diesem Zusammenhang sind laut Füting die sogenannten Neobiota (griechisch etwa: neues Leben) zu erwähnen. Dies sind Tier- und Pflanzenarten, die absichtlich oder unabsichtlich in ein für sie neues Gebiet gebracht wurden, in dem sie zuvor nicht heimisch waren. „Grund dafür ist vor allem der weltweite Güterverkehr, aber auch unsere Reisetätigkeiten, die die unbeabsichtigte Verschleppung von Neobiota ermöglichen“, erklärt Füting. Während zahlreiche Neobiota keine negativen Auswirkungen auf die Lebensgemeinschaften der Organismen hier haben, gibt es andere, die beträchtliche Schäden anrichten. So ist beispielsweise die Wollhandkrabbe bei Anglern und Fischern sehr unbeliebt.

Wie die Schildkröten und Krabben leben

Die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) ist 2015 zum Reptil des Jahres ernannt worden. Die Panzerlänge des Tieres kann über 20 Zentimeter erreichen, meistens ist sie kleiner. Sie ernährt sich vor allem von Schnecken, Krebstieren, Insektenlarven oder anderen wirbellosen Tieren. In Deutschland steht diese Sumpfschildkröte unter strengem Schutz.

Die Chinesische Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis) stammt aus China und trägt ihren Namen, weil vor allem männliche Tiere wollige Haare an den Scheren haben. Die Krabbe ist äußerst nachtaktiv und ernährt sich unter anderem von Wasserpflanzen, Schnecken und Fischen. In der chinesischen Küche gelten Wollhandkrabben als Delikatesse.

 Cosima Künzel

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