Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Die Gastronomen mit System kommen
Lokales Lübeck Die Gastronomen mit System kommen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:25 09.11.2013
Jenni Högner (35, r.) ist zum ersten Mal bei „Hans im Glück“ und angetan vom Essen, das Zazie Driemeyer (21) serviert. Quelle: Fotos: Maxwitat (2), Risch (2)
Lübeck

Gleich drei neue Systemer hat Lübeck allein in diesem Jahr hinzugewonnen, ein vierter kommt mit der „L‘Osteria“ von Block-House-Junior Dirk Block in Kürze hinzu. Schon auffällig, was sich in diesem Jahr tut. „Da hat offensichtlich etwas gefehlt“, kommentiert Jens Musche, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Lübeck. Eine Erweiterung des Angebots sei gut, „allerdings nur in der Hoffnung, dass es auch etwas Langfristiges ist“.

Lübecks jüngster Systemer, „Hans im Glück“ , ist im Norden bislang unbekannt. Bundesweit gibt es elf Niederlassungen, davon allein vier in München. Den „Better-Burger-Grill“ mit den Birkenstämmen und der Märchenwald- Atmosphäre hat Patrick Junge hierher geholt. Der 36-Jährige, der bis vor einem Jahr mit seinem Cousin Axel Junge die Stadtbäckereien leitete (auch eine Systemgastronomie), stieg aus der Firma aus und machte sich mit der Paniceus- GmbH im Junge-Stammhaus, Breite Straße 1, selbstständig. Er habe nach einem guten Gastronomie- Konzept Ausschau gehalten und in München bei „Hans im Glück“ gegessen. „Ich war spontan begeistert“, sagt Patrick Junge, der in Binz auf Rügen und dann in der Breiten Straße erste Niederlassungen eröffnete. „Nächstes Jahr kommen wohl Berlin, Flensburg und Lüneburg hinzu.“

Das Ambiente, in lockerer Atmosphäre mit einem motivierten Team die Gäste zu betreuen, sei „eine schöne Möglichkeit, sich als Gastronom zu verwirklichen“, sagt „Hans im Glück“-Betriebsleiter Kai Kruska (42). Dieses Gefühl und das Angebot an frischen und vielfältigen Burger-Varianten kommt bei den Lübeckern offenbar gut an. „Wir hatten einen fulminanten Start“, sagt Kruska. „An den Wochenenden muss man jetzt schon reservieren.“ Und das, obwohl die Eröffnung erst Ende September gewesen war.

An einem alles andere als idyllischen Ort, zwischen Autobahn und Krempelsdorfer Allee und zu erreichen nur über den Parkplatz eines Discounters, erhebt sich eine Villa im Kolonialstil: Das „Café del Sol“ hat dort Ende August eröffnet. Drinnen, im gemütlichen Wintergarten, sitzen auch an trüben Novembertagen viele, vor allem ältere Menschen, die in Urlaubsatmosphäre frühstücken. 27 solcher Cafés gibt es bundesweit, alle an ähnlichen Standorten, alle in derselben Bauweise. Ein Systemer par excellence.

Für „Café del Sol“-Betriebsleiter Helge Rüter (30), gelernter Restaurantfachmann und gebürtiger Hamburger, ist Lübeck ein besonderer Standort. „Das Frühstück läuft bombastisch gut, was wir sonst nicht so kennen, und von Anfang an haben wir viele Gäste zwischen 30 und 60 Jahren gehabt.“ Auch das sei eher ungewöhnlich. Rüter ist ähnlich zufrieden wie sein Kollege Egon Krautmann (29), der im Juli das „Café & Bar Celona“ im Gesamthafenbetrieb eröffnete. Dass er und sein Team die ersten Wochen bei super Wetter an Lübecks Traum-Standort an der Trave fast überrannt wurden, hat sich herumgesprochen. Aber auch jetzt herrscht reger Betrieb in der Lübecker Niederlassung der Systemgastronomie, die bundesweit 26 Filialen hat. Kleines Schmankerl am Rande:

Die Erfinder von „Café del Sol“ und von „Café & Bar Celona“ waren einst gemeinsam bei einem anderen Systemer, bei „Alex“, tätig.

Lübecks älteste Systemgastronomie ist übrigens das Block House, das vor genau 30 Jahren an der Untertrave eröffnete. Es war zudem die erste Niederlassung außerhalb Hamburgs und „besaß eine besondere Vorreiterrolle für die weitere Expansion unserer Markengastronomie in Deutschland“, wie Bereichsleiter Stefan Grobbecker sagt.

In Zahlen
3 oder mehr Restaurants, die sich durch ein einheitliches, klar definiertes Unternehmenskonzept auf zentrale Steuerung, Standardisierung und Multiplikation ausrichten, bezeichnet man als Systemgastronomie. Die Konzepte sind auf die beste Ausnutzung von Synergien ausgerichtet.

11,57 Milliarden Euro netto haben Deutschlands 100 größte Unternehmen beziehungsweise Systeme der Gastronomie im Jahr 2012 umgesetzt — macht ein Plus von 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Laut Jahrbuch Systemgastronomie der Dehoga für 2013 lagen vom Umsatz her im Jahr 2012 McDonald‘s und Burger King bundesweit auf Platz eins und zwei, auf Platz 13 folgt die Block-Gruppe. Stadtbäcker Junge ist auf Platz 49, die Celona Gastro GmbH auf Platz 58.

Systemgastronomie wurde lange unterschätzt. Als sie sich mehr und mehr als Wachstumsmotor für das Gastgewerbe erwies, wurde 1991 aus dem lockeren Dehoga-Arbeitskreis eine Fachabteilung. Vorsitzender ist Thomas Hirschberger („Hans im Glück“).

Sabine Risch

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In der Posener Straße haben die Vögel gegorenes Getreide gefressen und darauf die Orientierung verloren.

09.11.2013

Mörder, Verbrecher, Sexualstraftäter — das ist Pastor Beyers Gemeinde. Angst hatte er nie. Aber ein Ereignis kurz vor seinem Ruhestand hat ihn tief bewegt.

09.11.2013

Auf der einzigen psychosomatischen Station, die es in Schleswig-Holstein an einer Kinderklinik gibt, kümmert sich auch ein Vierbeiner um die Patienten.

09.11.2013