Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Die Geschichte des Viertels
Lokales Lübeck Die Geschichte des Viertels
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:12 11.06.2016
Gerd Hamann (72) steht auf der Terrasse hinter dem Hotel „Altes Zollhaus am Klinikum“ und zeigt ein historisches Foto des Gebäudes. Am Grönauer Baum befand sich, etwa auf Höhe des Landgrabens, einst ein Schlagbaum mit Grenzposten. Quelle: Fotos: Cosima Künzel

Es ist kein Viertel, das prahlt. Die Schönheit des Strecknitz-Quartiers erschließt sich auf den zweiten Blick. In großen Gärten hinter kleinen Backsteinhäusern. In Wanderwegen, die paradiesisch anmuten und in Geschichten, die das Leben mit leisen Tönen schreibt.

Zur Galerie
Es ist kein Viertel, das prahlt. Die Schönheit des Strecknitz-Quartiers erschließt sich auf den zweiten Blick. In großen Gärten hinter kleinen Backsteinhäusern.

Henning Berner (70) kann so eine Geschichte erzählen. Sie beginnt in frühester Kindheit. Der Junge wächst in der Siedlung in einem Reihenhaus auf, Wand an Wand mit seinem Freund „Otti“. Die Kinder sind unzertrennlich, abends im Bett schicken sie sich noch Klopfzeichen nach nebenan. Neun Jahre Schulzeit teilen sie, die Jugend und ein paar erste Diskobesuche. Dann – wie das im Leben oft ist – verlieren sich ihre Spuren.

Bis Ostern vor anderthalb Jahren. Berner, inzwischen Opi, geht es gesundheitlich schlecht. Nach schwerer Krankheit muss er regelmäßig in die Uniklinik. Für vieles braucht er Hilfe, auch sein seit über 40 Jahren geliebter Kleingarten verwildert. Eines Tages trifft er durch Zufall „Otti“ an der Wakenitz wieder. Otto Schreger ist inzwischen fast 70 und sieht auch nicht glücklich aus. Er habe seinen schönen Kleingarten aufgeben müssen, erzählt er. Und irgendwie passt da alles wieder zusammen.

„Jetzt macht Otto hier meinen Garten rund“, strahlt Berner, „das ist für mich wie ein Sechser im Lotto.“ So sitzen sie nun nach Jahrzehnten zusammen im Gartenfeld Strecknitz, sehen glücklich aus, trinken Alkoholfreies und Brause. Fast täglich treffen sie sich bei der Laube und führen Weißt-du- noch- Gespräche. Auch übers Gartenland, das wohl Ende der 40er-Jahre entstanden ist, schätzen sie. Heute gehört zum Kleingartenverein (KGV) Mühlentor eine Fläche von 53,19 Hektar, verpachtet sind mehr als 1200 Parzellen. Insgesamt gibt es vier Anlagen – und der KGV ist der größte in der Stadt.

Rolf Grallert (69) hat nicht nur seinen Kleingarten am Strecknitzer Feld, er wohnt auch dort. „Aber den Garten hatte ich zuerst“, sagt er, „so wie meine Eltern und Großeltern.“ Benannt ist das Gelände nach einer Fläche, die zum Gut Strecknitz gehörte. Erstmals erwähnt wurde das Gut als städtischer Besitz 1248, heute ist es im Besitz des Landes und wird von der Universität zu Lübeck genutzt. Die Strecknitz findet ebenfalls 1248 als „Strekenyze“ Erwähnung und heißt seit 1300 Landgraben.

Auch der Müggenbusch ist ein Ort mit Geschichte. Schon im 19. Jahrhundert war dort ein Ausflugsziel, und 1924 entstand eine Gastwirtschaft. Heute heißt es Café/Restaurant „Der Müggenbusch“ und ist ein Lieblingsplatz von Anja Köbke (44). Die Frisörmeisterin hat im Falkenhusener Weg ihren Salon, in ihrem Elternhaus. „Die meisten Leute kennt man hier“, sagt sie beim Haareschneiden, während draußen Autos vorbeifahren. Viel Verkehr gibt es nicht, dafür Busanbindung. Außerdem ein griechisches Restaurant und eine Ladenzeile. Die so genannte Nibelungensiedlung ist wie die Planetensiedlung in den 1950er- und 60er-Jahren entstanden.

Lange zuvor gab es bereits die Schankwirtschaft Grönauer Baum. Bereits 1867 wurde Wilhelm Diekelmann aus Dunkelsdorf die „Ausübung der Kruggerechtigkeit“ am Grönauer Baum gestattet. Heute befindet sich an der Stelle das Hotel Garni „Altes Zollhaus am Klinikum“. Als Gerd Hamann (72) das Gebäude vor rund 30 Jahren kaufte, war es noch baufällig, erzählt er im neuen Hotel und zeigt eine historische Fotografie. Inzwischen arbeitet er nur noch „in beratender Funktion“ dort mit – unter anderem bei der Gestaltung des Gartens. „Es ist wirklich schön hier“, schwärmt er und blickt ins Grüne.

Auch Michael Slotta (56) schätzt das Naturschutzgebiet. „Das ist nur einen Steinwurf entfernt“, sagt er vor seinem Haus. „Gestern erst war ich in der Wakenitz schwimmen“, erzählt er beim Fegen in der Straße Beim Stadthof. „Herrlich, man darf nur keine Scheu vor Wasserpflanzen haben.“ Aber ein zaghafter Typ ist er von Berufs wegen ohnehin nicht. Slotta ist Feuerwehrmann bei der Berufswehr Lübeck und besitzt daher auch die passende Montur für die Schaufensterpuppe auf seinem Balkon.

Allerdings wird die Figur je nach Jahreszeit oder Anlass auch mal umgekleidet. „Jetzt ist bald mal wieder Zeit für das Hawaii- Hemd“, sagt Slotta lachend und schaut in den Himmel. Neben seinem Elternhaus und der Nähe zur Natur schätzt der Mann auch die Einkaufmöglichkeiten im Umfeld sowie die Stadtnähe. „Das hier“, meint er und macht eine weite Handbewegung über das Viertel, „das ist mit das Beste von Lübeck.“

Cosima Künzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Ausflugsmöglichkeiten sind enorm. Die malerisch gelegenen Lokale an der Wakenitz sind nicht nur für Spaziergänger und Radfahrer ein Hit, sie sind sogar per Boot anzufahren.

11.06.2016

Landesweiter „Tag der Architektur“: 20 Objekte zwischen Ahrensburg und Flensburg können besichtigt werden – Vom Eigenheim zum Forschungsgebäude.

11.06.2016

Gemeinnütziger Verein eröffnet neues Badehaus mit Duschräumen und Umkleiden.

11.06.2016
Anzeige