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Lübeck Die Geschichte des Viertels
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18:16 03.09.2016

Rüdiger Mahnke (74) und Volker Kaske (75) sitzen auf einer Holzbank an der Brandenbaumer Landstraße. Gegenüber führt die Schäferstraße ins Wohngebiet zur Wakenitzseite. Hinter ihnen ragen Kiefern in die Höhe, und vorne rauscht der Verkehr. Beide Männer gehören zum „Gemeinnützigen Verein Eichholz, Krögerland, Wesloe und Brandenbaum“ und kennen ihr Viertel bis ins Detail.

Kaske gilt als „der Historiker“ im Verein und erzählt, dass das Gebiet Marli/Brandenbaum/Eichholz im Mittelalter landwirtschaftlich genutzt wurde und gleichzeitig dazu diente, die Stadt vor Angriffen zu schützen. Durch das Gebiet führten damals zwei Wege nach Osten: die Landstraße über Schlutup nach Schwerin ins Land Mecklenburg und die Brandenbaumer Landstraße für den Verkehr in Richtung Mark Brandenburg. Aufgrund seines Wissens hat Kaske schon Führungen durch den Stadtteil geleitet und Chroniken angelegt, auch über die Entwicklung des Vereins, deren Vorsitzende Rolf Schulze und Roswitha Kaske sind.

„Wenn ich das Urgestein im Verein bin, wie man so sagt, dann ist er der Motor“, meint der 75-Jährige und schaut zu Mahnke hinüber. Der schmunzelt und ergänzt, dass ihm die Menschen im Stadtteil und vor allem die Badestelle „Kleiner See“ am Herzen liegen. Seine Liebe zum Verein und zum Viertel sind auch in seiner Biografie begründet. „Ich kam 1945 als Flüchtlingskind nach Eichholz, bin hier aufgewachsen und geblieben.“ Wenn er zurückschaut auf seine Kinderzeit, hat sich die Gegend sehr gewandelt. „Als ich klein war, gab es die Häuser nicht“, sagt er mit Blick die Brandenbaumer Landstraße entlang, „und die Straßen waren Feldwege.“

Mahnke erinnert sich an Holzbaracken hinter den Bahnschienen, fehlende Straßenbeleuchtung und an das Gut Brandenbaum. „Wir Kinder durften dort bei der Ernte helfen und auf den Pferden ,Lotte‘ und ,Hans‘ reiten.“ Heute ist das Gut ein Wohnprojekt, das unter anderem aus Gutshaus, Ostscheune und Westscheune sowie dem Gärtnerhaus besteht. Die Gebäude umgeben ein Rondell und einen Lindenhain. Inmitten von Wohnblocks liegt der Hof idyllisch, fast wie eine Insel. Und mit etwas Fantasie ist vorstellbar, dass die Brandenbaumer Landstraße einst um das Anwesen herum führte. Erst 1857 wurde der Weg begradigt und erhielt den heutigen Verlauf.

Während die beiden Vereinsmitglieder noch einen Moment auf der Holzbank verweilen, beginnt an der Badestelle „Kleiner See“ein Spätsommertag wie aus dem Bilderbuch. Désirée Jahrens (55) ist mit Tochter Daria und deren Freundin Yuvilee (beide 8) aus St. Lorenz Süd in das Naturbad gekommen, es ist einer ihrer Lieblingsorte. „Wir mögen die Lage, und ich finde, die Schwimmmeister sind besonders nett“, sagt die Mutter mit Blick zum neuen Badehaus hinüber. Dort sitzt Rettungsschwimmer Bert Staeves. An diesem sonnigen Tag wird es voll werden rund um den Sandstrand. Aber in ruhigen Stunden kann er manchmal seltene Tiere sehen. „Es gibt sogar Eisvögel und Seeadler.“

Die nahe und üppige Natur ist für viele Menschen im Viertel ein Grund für die Wahl des Wohnortes. „Ich bin hier aufgewachsen und liebe das viele Grün“, sagt Meike Schubert (53) an der Seite von Mann Tino (50) und Hund „Balu“. Außerdem genießt sie die Nachbarschaft in der Straße Im Eichholz, wo alle paar Jahre ein Fest gefeiert wird. Dem Ehepaar gefällt auch, dass es zunehmend ruhiger in der Siedlung wird. „Die Mehrfamilienhäuser werden zu Reihenhäusern umgebaut.“

Auch Volker Kaske und Rüdiger Mahnke können erzählen, wie sich der Stadtteil in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. In den 60er-Jahren habe es noch eine Gaststätte „Am Ende der Welt“ gegeben.

Die passte zum Lebensgefühl, sagen sie schmunzelnd. Doch inzwischen sei das Leben im Viertel vielfältig, lebendig und beliebt.

Rechts und links der Brandenbaumer Landstraße gibt es nicht nur Geschäfte, eine Ladenzeile und einen Supermarkt, sondern auch Schulen, Kirchen, Siedlergemeinschaften, Hotels, Handwerksbetriebe, Restaurants, Cafés und diverse Infrastruktur mehr. Vor allem Richtung Wakenitz sind freie Einfamilienhäuser daher rar.

„Ich würde auch gerne hier wohnen“, sagt Bettina Gottwald, „weil die Leute nett sind und es so familiär ist.“ Derzeit arbeitet die 48-Jährige als Praktikantin in dem Hof-Café von Angela Ullmann und sucht nebenbei eine Wohnung. Sie würde sich freuen, wenn sie auch bald eine Eichholzerin ist.

Cosima Künzel

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