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Lübeck Die Geschichte hinter dem Foto
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20:19 26.03.2016
Drei Generationen vereint: Ruth Osbahr-Wunderwaldt mit dem Familienfoto ihrer Großeltern Ida (3. v. l.) und Hermann Beitel (2. v. r.). Auf seinem Schoß sitzt Thea, die Mutter der Enkelin. Quelle: Fotos: Peer Hellerling (2), Karl Braune

Sie hat ihren Augen kaum trauen können: Ruth Osbahr-Wunderwaldt erkannte ihre Großmutter Ida Beitel sofort, als sie die LN vom Sonntag, 13. März, aufschlug. Ihr Mann Christian Osbahr war erst skeptisch, aber die 59-Jährige war sich sicher: „Die Ähnlichkeit!“ Außerdem sind da diese Körbe mit den Initialen HB — Hermann Beitel. Das historische Foto zeigt eine Marktszene von 1934 an der Obertrave, Ida Beitel ist darauf mit ihrer Freundin Berta zu sehen. „Sie war eine liebe Oma“, erinnert sich Ruth Osbahr-Wunderwaldt. Und obwohl sie zehn dick gefüllte Familien-Fotoalben besitzt: Diese Aufnahme kannte sie noch nicht.

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Auf diesem historischen Bild aus den LN erkannte die Enkelin ihre Großmutter Ida Beitel (l.) wieder.

„Sie hat sich jedes Mal gefreut, mich zu sehen. Vermutlich, weil ich die Kleinste und Jüngste war.“Enkelin Ruth Osbahr-Wunderwaldt

Ida und Hermann Beitel besaßen einen Bauernhof in der Schönböckener Straße, kurz vor der heutigen Autobahnunterführung. Die Schnellstraße entstand von 1934 bis 1937, die Beitels verloren dadurch einen großen Teil ihres Landbesitzes. „Davor reichte er bis zur Dornbreite“, sagt die Enkelin. Als Ausgleich gab es Flächen in Badendorf und Groß Steinrade. Doch

Osbahr-Wunderwaldt erinnert sich vor allem an den Hof in Schönböcken. „Als Kind habe ich immer hinter dem Hühnerstall gespielt.“ Oft sei sie dort die Böschung hochgelaufen „und habe den Wagen hinterhergeschaut“.

Osbahr-Wunderwaldts Mutter Thea Beitel machte auf dem Hof den Haushalt, daher war die kleine Ruth — geboren 1957 — immer mit dabei. Es gab zum Beispiel Hühner, Schweine, Rüben, Kohl, Milch „und exzellenten Spargel“. Nebenbei erkundete die kleine Ruth Haus und Hof. „Ich musste mich beschäftigen.“ In ihrem heutigen Haus hat sie vieles aus der Zeit ihrer Großeltern gesichert: unter anderem altes Porzellan, Hocker der alten Sitzgarnitur, „traumhaft geschliffene“ Sherrygläser und einen Gründerzeit-Stuhl samt Schemel.

Oma Ida habe immer „großen Wert auf Sauberkeit gelegt“, erinnert sich Ruth Osbahr-Wunderwaldt. „Sie sprach viel über die alte Zeit.“ Ihre sechs Kinder seien stets „wie aus dem Ei gepellt“ gewesen — das beweist auch das alte Familienfoto, das die 59-Jährige zu Hause hängen hat: Darauf sind alle tadellos gekleidet, die Mädchen sogar in strahlend weißen Kleidern.

„Sie hat sich jedes Mal gefreut, mich zu sehen“, sagt die Enkelin, „vermutlich, weil ich die Kleinste und Jüngste war.“ Doch Ida Beitel konnte auch resolut sein. Einmal ging Ruth zum Laden einkaufen, „danach habe ich ihr das Wechselgeld zurückgegeben — auf Mark und Pfennig genau“. Als es als Dankeschön einen Groschen gab, war das schon spendabel. „Sie hat auf alles aufgepasst, mein Großvater war da spendabler.“ Im hohen Alter genoss es Ida Beitel, von ihrer Tochter Thea und Enkelin Ruth bewirtet zu werden. „Sie kam immer mit dem Bus zu uns — stets mit Hut.“ Außerdem mischten die Großeltern bis zum Schluss fleißig auf dem Hof mit. Ida Beitel starb 1973 im Alter von 88 Jahren, ihr Mann Hermann ein Jahr später mit 92.

Von Peer Hellerling

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