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Lübeck „Die Investoren wussten genau, auf was sie sich einlassen“
Lokales Lübeck „Die Investoren wussten genau, auf was sie sich einlassen“
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21:17 07.09.2013
Thorsten Fürter ist Fraktionschef der Grünen. Sie sind drittstärkste Kraft und haben acht Sitze. Quelle: Foto: kün

Lübecker Nachrichten: Kailine ist gestoppt — mit den Stimmen der Grünen. Was nun?

Thorsten Fürter: Wir haben Kailine gestoppt, darüber bin ich sehr froh. Jetzt ist die Chance dafür eröffnet, noch einmal neu nachzudenken — und zu schauen, wie die Hafenschuppen erhalten bleiben können.

LN: Was passiert konkret?

Fürter: Die Verwaltung ist schlecht beraten, so zu tun, als wäre nichts passiert. Der Bebauungsplan nimmt im Moment auf die Hafenschuppen keine Rücksicht. Sobald man da mehr gestalten will, muss man an den Bebauungsplan ran. Wir wollen aber nicht zehn Jahre diskutieren. Sondern jetzt sind auch die Freunde alternativer Konzepte aufgefordert, zu liefern. Deren Modelle müssen einem Stresstest unterzogen werden.

LN: Das heißt?

Fürter: Es darf kein Verlustgeschäft für die Stadt werden. Das kann sich Lübeck nicht leisten. Wir können nicht für Millionen ein Schuppen- Museum bauen. Jetzt müssen Konzepte vorgelegt werden, die zeigen, dass sich eine Bebauung mit Schuppen rechnet.

LN: Es wird ein Bürgerentscheid zur Wallhalbinsel diskutiert. Sind sie dafür?

Fürter: Grüne sind nie gegen Bürgerentscheide. Es könnte am Ende eine Abstimmung zwischen verschiedenen Konzepten geben.

LN: Ihnen wird vorgeworfen, mit dem Kailine-Stopp Lübecks Ruf geschadet zu haben.

Fürter: Das ist ein bisschen herbeigeredet. Die Investoren wussten genau, auf was sie sich einlassen. Sie haben sich verpflichtet, keinen Schadensersatz gegen die Stadt geltend zu machen. Sie sind mit vollem Risiko da rein gegangen und wussten, dass die Bürgerschaft sich das letzte Wort vorbehält.

LN: Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) hat Sie eingeladen, mit auf die Immobilienmesse Expo Real zu kommen, um sich die Reaktionen anzuhören. Tun Sie das?

Fürter: Klar, wenn Herr Saxe mich mitnehmen will, dann werde ich eine Einladung annehmen.

LN: Im September ist der Verkauf der Grundstücke noch einmal Thema. Wie stimmen die Grünen ab?

Fürter: Wir lehnen den Verkauf ab.

LN: Der Grüne Carl Howe ist anderer Meinung und hat auch gegen die eigenen Leute gestimmt. Haben Sie die Fraktion nicht im Griff?

Fürter: Carl Howe ist in einer besonderen Situation, weil er die Bebauung mit auf den Weg gebracht hatte. Und ich habe Respekt vor Bürgerschaftsabgeordneten, die ihrer eigenen Überzeugung treu bleiben. Ich hätte mir aber gewünscht, dass er sich bei der Abstimmung zumindest enthält. So hat er gegen das Parteiprogramm gestimmt.

LN: Die Grünen haben Kailine in der letzten Wahlperiode mit auf dem Weg gebracht. Haben sie einen Fehler gemacht?

Fürter: Wir haben den Bebauungsplan mitbeschlossen. Aber bei der Anhandgabe der Grundstücke an die Investoren war schon klar, dass die Grünen nicht mehr geschlossen hinter dem Projekt standen. Drei Grüne hatten dafür gestimmt, vier hatten sich enthalten.

LN: Die SPD hat bei der Abstimmung vor zehn Tagen versucht, die Grünen unter Druck zu setzen: Kailine oder Kooperation. Ist die SPD immer noch ihr Lieblingspartner?

Fürter: Druck ist in der Politik normal. Wir haben mehr Schnittmengen mit der SPD als mit der CDU. Aber wenn es keine Kooperation gibt, reden wir natürlich mit allen.

LN: Dennoch haben die Grünen mit Kailine gemeinsam mit der CDU gekippt. Der Beginn einer neuen Freundschaft?

Fürter: Nein. Früher gab es sicherlich gegenüber der CDU ideologische Vorbehalte, die es schwer gemacht haben, auch in Sachfragen zusammenzuarbeiten. Das ist schon deutlich weniger geworden.

Es gibt immer noch sehr viel, was uns von der CDU trennt. Aber es gibt auch bei der CDU viele jüngere Mitglieder, die mit den Grünen nicht mehr solche Berührungsängste haben.

LN: Können Sie sich ein schwarz- grünes Bündnis vorstellen?

Fürter: Ich sehe in dieser Wahlperiode keine schwarz-grüne Konstellation in Lübeck. Aber wenn es wechselnde Mehrheiten gibt, wird es immer mal wieder vorkommen, dass wir zusammen abstimmen.

Richter und Fraktionschef
Thorsten Fürter, gebürtiger Hamburger, lebt in der Altstadt. Der 43-Jährige hat Rechtswissenschaften und Journalistik in Hamburg studiert und arbeitete als Richter in Berlin und Lübeck. Im Mai 2008 wechselte er als Pressesprecher zur Hamburger Justizbehörde. Von 2009 bis 2012 saß er im Landtag in Kiel. Im Herbst 2011 trat er als Bürgermeisterkandidat in der Hansestadt an.

Jetzt ist er wieder als Richter am Landgericht Lübeck tätig. Seit der Kommunalwahl führt er die Fraktion der Grünen. Er ist Vater zweier Kinder.

Interview: Josephine v. Zastrow

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