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Lübeck Die Jagd nach den Gelben Säcken
Lokales Lübeck Die Jagd nach den Gelben Säcken
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20:10 28.07.2018
Beate Brandt und Thomas Herbst geben in ihrem Tabakladen seit rund drei Jahren Gelbe Säcke aus. Doch die Diskussionen mit Kunden häufen sich, weil jeder nur eine Rolle bekommt.
Lübeck

Beate Brandt und Thomas Herbst kennen das. Seit rund drei Jahren sind sie mit ihrem Laden „Tabak und Mehr“ Ausgabestelle für die Gelben Säcke. „Wir wurden damals angesprochen, haben es zunächst auch gerne gemacht“, erzählt Brandt. Doch mittlerweile überlegt sie, die Verteilung aufzugeben. „Wir haben nur geringe Lagerkapazitäten. Wir bestellen jedes Mal fünf Kartons – und pro Tag geht mindestens einer weg.“ Das sind 50 Rollen. Pro Tag. Abgeben dürfen sie nur eine Rolle pro Person. „Und genau das verstehen viele Kunden nicht. Wir müssen diskutieren und haben den Ärger. Und das, obwohl wir keinen Cent daran verdienen“, sagt Thomas Herbst.

An nur 14 Orten können Lübecker sich in der Stadt Gelbe Säcke holen. Für viele bedeutet das weite Wege, ausgegeben wird zudem nur eine Rolle pro Person. Laut Veolia, weil die Säcke oft zweckentfremdet werden. Ausgabestellen müssen mit genervten Kunden diskutieren.

Ähnlich geht es Martin Lohff von der gleichnamigen Fleischerei in Travemünde. Er hat die Verteilung vor rund fünf Jahren von einem Apotheker aus dem Seebad übernommen. „Wir machen es gerne. Aber manche Kunden werden schon unfreundlich, wenn sie nur eine Rolle bekommen“, erzählt er. „Das gibt unnötige Diskussionen.“ Alle drei Wochen bestellt er eine Palette mit 40 Kartons. „Ich fände es sinnvoll, wenn die Kunden sich die Gelben Säcke auch kartonweise auf den Wertstoffhöfen oder so holen könnten“, schlägt Lohff vor.

Doch genau das will Veolia auf keinen Fall. Das Stichwort: Zweckentfremdung. „Ob zum Abdecken der Blumenbeete oder als Schutz für Kleidung – man kann sich gar nicht vorstellen, wofür die Säcke alles benutzt werden“, sagt Veolia- Sprecher Andreas Jensvold. „Zum Teil werden die Rollen für einen Euro auf Ebay angeboten.“ Und tatsächlich: Schaut man auf der Seite des Online-Auktionshauses, finden sich dort sogar Großposten mit bis zu 100 Rollen. Wo die herkommen, lässt sich nur vermuten.

Um Missbrauch zu vermeiden, habe Veolia die Abgabe der Rollen limitiert und alle Ausgabestellen angewiesen, sich an die Regelung zu halten. Im Verwaltungszentrum Mühlentor hat man sich aber genau daran nicht gehalten. „Darum haben wir die Zusammenarbeit vor etwa sechs Wochen beendet“, sagt Jensvold, „dort standen die Kartons offen und für jedermann zugänglich“, moniert der Sprecher. Die Stadt wollte sich auf LN-Anfrage am Freitag nicht zu dem Vorfall äußern. Und auch ein weiteres Gerücht ließ sie unkommentiert. Nach LN-Informationen sollen die Bürgerbüros, die in vier Stadtteilen wiedereröffnet werden sollen, wieder Ausgabestellen werden. Das würde den Lübeckern zumindest etwas Entlastung bringen. Denn wer derzeit Gelbe Säcke braucht, muss auf einen der Wertstoffhöfe, bei den Stadtwerken oder zu den Entsorgungsbetrieben fahren. Das sind im Zweifel weite Wege für nur eine Rolle Gelber Säcke. Auch das Nachbarschaftsbüro Wisbystraße beteiligt sich beispielsweise an der Ausgabe. Allerdings nur dienstags von 14 bis 16 Uhr. Ähnlich sieht es im Nachbarschaftsbüro Vorwerk/Falkenfeld aus. Hier werden die Gelben Säcke ebenfalls nur zwei Stunden in der Woche herausgegeben.

Wer in dieser Zeit selbst arbeitet, hat Pech – und muss einen weiteren Weg in Kauf nehmen.

Um den Service in Lübeck zu erhöhen, ist der Entsorger Veolia offen für weitere Angebote. „Wir suchen derzeit eine Ausgabestelle in St. Jürgen“, berichtet Andreas Jensvold. Grundsätzlich verweist er aber auf die jährliche Verteilung der Gelben Säcke an alle Haushalte. „Das machen wir meist im Herbst. Wer keine bekommen hat, kann sich telefonisch bei uns melden.“ Und er gibt noch einen Tipp: „Die Fahrer der Abholfahrzeuge haben meist auch einen kleinen Vorrat dabei. Wer sie anspricht, bekommt gerne eine Rolle.“

7000 Tonnen Leichtverpackungen werden in Lübeck pro Jahr in Gelben Säcken gesammelt. Das neue Verpackungsgesetz erlaubt Kommunen wie Lübeck, das Sammelsystem künftig vorzuschreiben. Laut Entsorgungsbetriebe Lübeck entscheiden sich die meisten Kommunen für die Gelbe Tonne. Diese kann in Lübeck aber frühestens 2022 aufgestellt werden.

Das System

Alle Ausgabestellen sind auch unter www.entsorgung.luebeck.de im Internet zu finden. Den Abfuhrplan gibt es unter

www.veolia-umweltservice.de.

Die Bundesregierung schreibt vor, dass Verkaufsverpackungen durch spezielle Sammelsysteme erfasst, anschließend sortiert und verwertet werden. Das System ist über die „Duales System Deutschland GmbH“ (DSD) organisiert und hat nichts mit der kommunalen Müllabfuhr zu tun.

In den Gelben Sack gehören Joghurt- und Margarinebecher, Verpackungsstyropor, Kunststofftuben, Einweg-Kunststoffflaschen, Plastiktüten, Konservendosen, Tuben, Milch- und Safttüten sowie Vakuumverpackungen.

Im Jahr 2022 könnte in Lübeck frühestens die Gelbe Tonne kommen. Die Ausschreibung für die Abholung der Gelben Säcke läuft bereits.

Der Auftrag gilt dann bis Ende 2021.

Maike Wegner

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