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Lübeck Die Kabäuschen bleiben zu: Weihnachtsmarkt fällt aus
Lokales Lübeck Die Kabäuschen bleiben zu: Weihnachtsmarkt fällt aus
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23:08 11.08.2017

 Die Kunsthandwerker haben gestern ein Schreiben erhalten, das den LN vorliegt. Damit fehlt eine der Hauptattraktionen in der lübschen Weihnachtszeit. Und nicht nur das. Es wäre der 50. Geburtstag des Kunsthandwerkermarktes gewesen. Der Grund für die Absage: Die Dachbalken des Langhauses sind derart marode, dass sie herunterzufallen drohen. Ein Gerüst hält die Konstruktion aufrecht. Es steht mitten zwischen den Kabäuschen, in denen die Kunsthandwerker ihre Waren in der Adventszeit feilbieten. Noch am Donnerstag hieß es, es werde ein Ausweg gesucht. Nach LN-Informationen hat die Stadt auch eine Lösung angeboten, doch der Verein Frau und Kultur lehnte ab.

 

Eng, aber lauschig: Der Weihnachtsmarkt im Heiligen-Geist-Hospital wird vom Verein Frau und Kultur organisiert. 200 Ehrenamtliche machen das möglich. Seit 1968 findet der Markt dort statt. Quelle: Foto: Dpa
„Das trifft die Weihnachts- stadt des Nordens schon sehr empfindlich.“Jan Drescher, Lübeck-Management

„Wir müssen schweren Herzens unseren Jubiläums-Weihnachtsmarkt absagen“, schreiben jetzt die Veranstalterinnen des Vereins Frau und Kultur. Unklar ist, warum dem Verein die Variante der Stadt nicht gefiel. Die Vorsitzende Jutta Sczakiel will sich dazu erst am Mittwoch auf einer Pressekonferenz äußern, erklärte sie auf LN-Anfrage. Dem Vernehmen nach wollte die Stadt die Veranstaltung unbedingt retten. Ihre Idee: Eine technische Konstruktion, die die Balken vor dem Herabstürzen bewahrt hätte. Dadurch wäre das Gerüst verzichtbar gewesen. Allerdings hätte diese Lösung 250000 Euro gekostet. Die Stadt wollte sogar einen Teil des Geldes bezahlen, den Rest über Sponsoren und Stiftungen einwerben. Doch der Verein Frau und Kultur entschied sich dagegen.

Für Lübecks Gäste ist die Absage ein Desaster. Jährlich pilgern gut zwei Millionen Menschen zur Weihnachtszeit in die Stadt. Mehr als 40 000 Touristen und Einheimische besuchen den Weihnachtsmarkt im Heiligen-Geist-Hospital. Jetzt fällt dieses wichtige Zugpferd für den lübschen Weihnachtsmarkt weg. „Es ist wirklich schade, dass dieses Flaggschiff unserer Weihnachtsstadt ausfällt“, bedauert Tourismus-Chef Christian Martin Lukas die Entscheidung. „Das trifft die Weihnachtsstadt des Nordens schon sehr empfindlich“, sagt auch Jan Drescher, Vize-Chef des Lübeck-Managements. „Es ist sehr schade, dass er nicht stattfindet.“ Der Markt startet traditionell am Freitag vor dem ersten Advent und dauert elf Tage.

Für die 150 Kunsthandwerker bedeutet der Ausfall des Marktes einen herben Rückschlag. Für viele sind die Tage im Heiligen-Geist- Hospital die Haupteinnahmequelle des Jahres. Dennoch nehmen die Betroffenen es gelassen. „Ich bedaure den Wegfall in diesem Jahr sehr“, sagt Grafikdesignerin Julia Jankowsky vom Laden Julender. Aber sie verstehe, dass der Markt nicht woanders stattfinden könne.

Sie hofft, dass die Besucher des Marktes „den direkten Weg in die Galerien, Ateliers und Werkstätten finden“. Ihre Nachbarn sehen es ähnlich: „Es ist schade und traurig, dass der Markt ausfällt“, sagen Angela und Detlef Olschina-Nitsch von der Goldstube. Aber mit der Baustelle wäre der Markt eine Kamikaze-Veranstaltung geworden.

Das Problem: Das Heiligen- Geist-Hospital von 1286 ist marode und wird saniert. So wurde 2014 die Westfassade mit den Türmen für 1,4 Millionen Euro erneuert. Die Fassade zum Koberg war hinter einer Plane versteckt. 2015 war alles fertig. Seit 2016 ist das Langhaus dran, in dem die Kabäuschen stehen. Die Kosten: mehr als 3,7 Millionen Euro. Zunächst wurde der Dachstuhl im hinteren Teil saniert. Nun wird im mittleren Abschnitt gearbeitet. Die Balken des Dachstuhls sind von Pilzen und Schwamm befallen; auch haben sich Würmer durchgefressen.

 Josephine von Zastrow

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