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Lübeck Die Kapitäne von der Heilsarmee
Lokales Lübeck Die Kapitäne von der Heilsarmee
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22:14 14.09.2016
Im Saal werden die Reden gehalten. Zum Tag der offenen Tür gibt es viel Lob und Dankbarkeit.

Zum weißen Hemd trägt er Krawatte, Schulterabzeichen und großflächige Tätowierungen auf den kräftigen Unterarmen: die Namen seiner verstorbenen Hunde und einen Jesus mit Dornenkrone. Eduard Hilligsberg (57) und Frau Ruth (45) sind Kapitäne der Heilsarmee Lübeck und leiten in der Engelsgrube das Männerwohnheim. Jetzt haben sie Gäste und Politiker zum Beisammensein eingeladen, um ihre Arbeit vorzustellen.

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In der Engelsgrube ist die christliche Freikirche nicht mehr wegzudenken. Ehepaar Hilligsberg leitet auch das Männerwohnheim und hat jetzt zum Feiern eingeladen.

„Wir sind überaus dankbar, dass es die Heilsarmee in der

Hansestadt Lübeck gibt.“Senator Sven Schindler (SPD)

Ähnlich kontrastreich wie sein Erscheinungsbild ist die Lebensgeschichte von „Eddie“ Hilligsberg. Während sich die Besucher im Saal versammeln und die Grillkohle im Hof durchglüht, erzählt er von seinem Leben. Von der Zeit vor der Heilsarmee, die ihn zu dem Menschen gemacht hat, der er heute ist. Für die ganze Biografie ist an so einem Tag kaum Zeit. Aber der Kapitän versucht, sie in Worte zu fassen, um den Motor für seine tägliche Arbeit zu erklären. „Ich habe selbst eine krasse Vergangenheit“, beginnt er also und erzählt von Drogen, Alkohol und einem Arzt, der ihm sagte, er habe nur noch zwei Monate zu leben: Leberzirrhose. Das war vor 18 Jahren.

Weiter kann Hilligsberg nicht berichten. Das Mikrofon muss angeschlossen werden, die Redner sind da. So wie Sven Schindler. „Wir sind überaus dankbar, dass es die Heilsarmee gibt“, betont der Senator, „denn gerade jetzt – in Zeiten des Wohnungsmangels – sind wir darauf angewiesen, einen stabilen und verlässlichen Partner zu haben.“ Der Dank für diesen „unaufgeregten, selbstverständlichen und täglichen Einsatz“ komme leider manchmal zu kurz. „In den vergangenen über 100 Jahren hat sich die Heilsarmee in Lübeck fantastisch entwickelt und ist aus der Landschaft der sozialen Träger nicht mehr wegzudenken.“

Besucher Jens Garber (73) erinnert sich noch an seine Kindergartenzeit bei der Heilsarmee und hat sogar ein Foto von damals mitgebracht. „Hier, das bin ich, und dort standen wir“, sagt der Lübecker und zeigt die Hofecke, in der das Bild aufgenommen wurde. In der Nähe treffen sich Bewohner und Gäste zum Grillen, und Hilligsberg erzählt von der Besonderheit des heutigen Standorts in der Engelsgrube. „Hier befinden sich Gemeinde und Wohnheim, wir sind also Pastoren und gleichzeitig Heimleiter.“ Insgesamt gibt es Platz für 37 Bewohner, derzeit sind alle Betten belegt. „Hier sind die Leute nicht mehr obdachlos, nur noch wohnungslos.“ Sie teilen sich Mehrbettzimmer, Küche, Bad und ähnlich schwere Schicksale von Krankheit, Arbeitslosigkeit, Sucht und Trennung. Sie sind 18 bis 75 Jahre alt und müssen sich an klare Regeln halten. Wer zum Beispiel Alkohol hereinbringt, der fliegt schnell raus. Besetzt ist das Heim in Schichten rund um die Uhr, zwischen 24 und 6 Uhr haben die Eheleute Rufbereitschaft. Die Kosten für die Unterbringung übernimmt die Stadt nach Tagessatz, das Korps finanziert sich ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden.

Ehepaar Hilligsberg leitet das Wohnheim seit zehn Jahren und könnte viel erzählen über „Spielkutsche“, Begegnungsstätte „Salut“ oder die Kleiderkammer, aber sie sprechen lieber über ihren Glauben.

Und da sind wir wieder bei dem Mann, der nur noch zwei Monate zu leben haben sollte. Todkrank schlich er sich in die Krankenhauskapelle und „machte einen Deal mit Gott“. Wenn dieser ihn am Leben lasse, würde er sein Leben umkrempeln und nie wieder einen Tropfen Alkohol trinken. „Und so ist es bis heute.“

Cosima Künzel

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