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Lübeck Die Katharinenkirche lebt wieder
Lokales Lübeck Die Katharinenkirche lebt wieder
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20:10 19.01.2017
Innenstadt

Elke Kuhnert ist warm angezogen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt arbeitet sie mit ihrer Kollegin Anne Braun im düsteren Unterchor der Katharinenkirche.

Mit feinen Werkzeugen legen die Restauratorinnen kleine Stücke mittelalterlicher Wandmalereien frei – gerade so viel, dass sie wissen, wo es lohnt, mit Infrarot-Technik weiterzuforschen. Schon jetzt sind sie begeistert von der Ausmalung: „Das ist vergleichbar mit dem, was man in der Marienkirche und im Burgkloster findet“, sagt Kuhnert. „Die Vielfalt ist schon echt beeindruckend.“

Da die Kirche keine Heizung hat, bleibt sie bis Mitte April noch für das Publikum geschlossen. Aber nach dem vergangenen Jahr lässt sich schon sagen: Lübecker und Touristen lieben die Katharinenkirche. Im ersten Jahr ihrer Wiedereröffnung hat sie fast 13000 Besucher gehabt – obwohl sie nur sechs Monate lang an jeweils zwei Tagen pro Woche geöffnet war. Mindestens 3000 kamen allein während der langen Nacht der Museen.

Dass die 700 Jahre alte Kirche heute überhaupt regelmäßig zugänglich ist, ist den etwa 50 Ehrenamtlern zu verdanken, die Eintritt kassieren und Aufsicht führen. Denn nachdem die Stadt das Gebäude für 3,5 Millionen Euro saniert hatte, war kein Geld mehr übrig, um es auch für den Publikumsverkehr zu öffnen. Die Ehrenamtler sind vor allem Rentner. „Viele wollen einfach etwas Sinnvolles tun“, sagt einer von ihnen, Antonius Jeiler (66). „Es gibt aber auch Menschen, die kommen, weil sie fasziniert sind von dieser Kirche.“ Zu ihnen zählt Jeiler sich selbst. Vor seinem Ruhestand war er Welterbe-Beauftragter der Stadtverwaltung und hat nach eigenen Angaben damals dafür gesorgt, dass der Bund Geld für die Sanierung bereitstellte.

Zwei Neuerungen gibt es in diesem Jahr. Die Öffnungszeiten werden anders verteilt: Statt zwei Mal pro Woche je sechs Stunden wird die Kirche ab dem 13. April drei Mal pro Woche je vier Stunden geöffnet sein – donnerstags bis sonnabends von 12 bis 16 Uhr. Und jeden Sonnabend um 12 Uhr wird es für den normalen Eintrittspreis ein ungefähr dreiviertelstündiges Konzert mit Studenten der Musikhochschule geben. „Wir wollen die Kirche weiter beleben“, sagt Dagmar Täube, als Leiterin des St.-Annen-Museums auch für die Katharinenkirche zuständig.

Wo die Besucher der Museumskirche herkommen, wird bisher nicht erfasst. Nach Antonius Jeilers Beobachtung sind es aber nicht nur Auswärtige, sondern „erstaunlich viele Lübecker“. Sie nutzten die Gelegenheit, die 700 Jahre alte Kirche zum ersten Mal in ihrer ganzen Pracht zu sehen. Bis April 2016 war sie wegen der Sanierung gut viereinhalb Jahre gesperrt gewesen. Dass die Kirche schon in früheren Jahrhunderten eine besondere Bedeutung für die Bürger hatte, kann jeder sehen, wenn er den Blick senkt: Große Teile des Bodens sind mit Grabplatten gepflastert. „Bis Ende des 18.

Jahrhunderts war die Kirche eine bevorzugte Grablege der Lübecker Bürger“, erklärt Antonius Jeiler. Während der Sanierung wurden die Grabplatten, die vorher manche Stolperfallen bildeten, begradigt.

Die Katharinenkirche dürfte seit Jahrhunderten nicht in so gutem Zustand gewesen sein wie jetzt. Zu tun gibt es trotzdem immer etwas. Zurzeit wird die Elektrik instandgesetzt. Die Restauratorinnen wollen bis Mitte April mit ihrer Arbeit so weit sein, dass der Unterchor wieder zugänglich ist. Aber das sind erst die Vorarbeiten. Erst nach der Bestandsaufnahme wird die Sanierung der Pfeiler und Gewölbe im Unterchor ausgeschrieben.

Hanno Kabel

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