Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Die Kirchenmusik bestimmt sein Leben
Lokales Lübeck Die Kirchenmusik bestimmt sein Leben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:13 16.06.2017
Die große Orgel im Hintergrund auf der Westempore der Kirche St. Lorenz in Travemünde spielt Kirchenmusikdirektor Hans-Martin Petersen auf der kleinen Truhenorgel. Für die Anschaffung dieses zusätzlichen Tasteninstrumentes – verwirklicht 2001 – hatte sich Petersen stark gemacht. Quelle: Foto: Michael Hollinde
Travemünde

38 Jahre sind es geworden. „Das ist ein Zeitraum, den man sich bei Antritt einer neuen Stelle eigentlich gar nicht vorstellen kann“, sagt Hans-Martin Petersen. Seit fast vier Jahrzehnten ist er Kirchenmusiker der Travemünder St. Lorenz-Gemeinde, und es seien so viele Jahre geworden, „weil immer etwas Neues an Aufgaben und Projekten hinzugekommen ist und ich dieses Umfeld in Travemünde mit einem sehr großen Herz für Kirchenmusik hatte“, stellt der gebürtige Husumer fest.

Dabei begann diese „Beziehung“ äußerst problematisch. „Als ich im Alter von 26 Jahren nach meinem Studium an der Musikhochschule in Lübeck und einer zweijährigen Episode in Bredstedt in St. Lorenz gestartet bin, stand die große Orgel noch mitten im Kirchenschiff“, erinnert sich der Organist und Kantor. „Das gefiel mir gar nicht, und ich hatte unmittelbar das Gefühl, hier nicht lange bleiben zu können.“ Umso verständlicher ist daher seine Antwort auf die Frage, was wohl für ihn der schönste Moment im Ostseebad war: „Als die Orgel im Zuge der Renovierung der Kirche schließlich im Jahre 1991 auf die Westempore gewandert ist – das war ganz wichtig für mich, wie eine Befreiung.“

Trotzdem galt es, über ein Jahrzehnt zu „überstehen“, bis diese räumliche Veränderung passierte. „Diese Periode habe ich geschafft, weil ich in der Gemeinde insbesondere in der Chorarbeit eine unglaubliche Dynamik anstoßen konnte, was natürlich für mich sehr motivierend war“, resümiert der 64-Jährige. Die Kantorei umfasste anfänglich einen kleinen 15-köpfigen Chor, der sich dann unter Petersens Leitung zu einem der großen Oratorienchöre in Lübeck entwickelte. So waren Aufführungen großer Werke und Messen möglich, die unter anderem auch in Lübecks Kulturkirche St. Petri, in Hamburg, Schwerin und Schleswig präsentiert wurden.

Neben der intensiven Chorarbeit hat Petersen jedes Jahr die „Konzert-Saison“ in St. Lorenz organisiert und dazu renommierte Künstler aus aller Welt nach Travemünde geholt. Ein großes Anliegen war ihm auch die Ausstattung mit guten Instrumenten. Als er 1979 in die Gemeinde kam, gab es dort eine Orgel; jetzt sind es vier. Zu den zwei in St. Lorenz kamen Instrumente der Friedhofskirche und der Versöhnungskirche.

Seit dem Jahr 1992 ist der Kirchenmusikdirektor – dieser Titel wurde ihm vor knapp 20 Jahren von der Nordelbischen Kirche verliehen – auch Orgelbausachverständiger der Landeskirche. „Damit ist damals für mich ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen“, sagt der Kreiskantor, der in Friedrichstadt in einem Pastorenhaushalt groß geworden ist. Denn schon als Junge hat ihn das Instrument fasziniert, und er wollte immer dabei sein, wenn einmal im Jahr der Orgelbauer zum Stimmen vorbeigekommen ist.

„Ich habe auf meinen Vater eingeredet, dass er ja den Termin in die Sommerferien legt“, erinnert sich Petersen, „da war ich dann als kleiner Knirps die ganze Zeit dabei und bin voller Interesse für die Details in die Orgel gekrochen.“ Als Orgelbausachverständiger will er auch noch nach dem Ausscheiden aus seinem aktiven Kirchendienst weiterarbeiten. „Hier warten zum Beispiel der Neubau der großen Orgel in St. Marien und die Rekonstruktion der Schnitger-Orgel im Dom. Auch im Baltikum sowie in Süddeutschland werde ich demnächst bei Orgelprojekten noch meine Expertise einbringen können“, erläutert er.

Insgesamt ziehen sich Orgel und Kirchenmusik wie ein „roter Faden“ durch sein Leben. „Schon bei meinen ersten Hörerfahrungen im Kindergottesdienst mochte ich den Klang, und mit sieben Jahren saß ich an der Orgel und habe versucht, das Gehörte nachzuspielen“, erzählt er. Nachfolger von Petersen in Travemünde wird Friedemann Becker aus Offenbach. Er tritt seinen Dienst am 1.

August an. Und wenn Petersen seinem Nachfolger einen Tipp geben solle – „die beste Kirchenmusik nützt nichts, wenn man nicht auf die Menschen zugeht“, formuliert er.

Konzert am 23. Juni und Abschiedsgottesdienst am 9. Juli

Den musikalischen Abschied in Travemünde gibt Hans-Martin Petersen mit einem Sinfoniekonzert am Freitag, 23. Juni, um 19 Uhr in der Kirche St. Lorenz. Auf dem Programm steht die 2. Sinfonie „Lobgesang“ von Mendelssohn Bartholdy für Soli, Chor und Orchester. Unter seiner Leitung singt die St. Lorenz-Kantorei, und es spielen die Lübecker Philharmoniker. Als Solisten wirken mit: Nathalie de Montmollin, Barbara Rohlfs und Lee Hyunkseok. Nummerierte Eintrittskarten sind in allen bekannten Vorverkaufstellen erhältlich. Für Sonntag, 9. Juli, ist ab 16 Uhr im Rahmen eines Kantatengottesdienstes die offizielle Verabschiedung durch Pröpstin Petra Kallies terminiert.

Michael Hollinde

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein Investor aus Ostholstein möchte auf dem ehemaligen Kühne-Fabrikgelände in Schlutup ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt bauen. Er sei „hochgradig“ an dem Grundstück interessiert, bestätigte Norbert Bauerfeind, Inhaber des Unternehmens Linotec-line Projektentwicklung in Timmendorfer Strand.

16.06.2017
Lübeck Lillehammer/Lübeck - Reißzwecke als Glücksbringer

Zwei Jahre lang reist Luisa Rische mit ihrem Fahrrad "Anton" um die Welt. Für die Lübecker Nachrichten schreibt sie ihre Erlebnisse auf. Dieses Mal berichtet sie aus Norwegen.

16.06.2017

Eine elf Jahre alte Radfahrerin ist bei einem Unfall in der Dornestraße schwer verletzt worden. Das Mädchen war beim Wechseln der Straßenseite von einem Auto erfasst worden. 

16.06.2017
Anzeige