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Lübeck „Die Kunden werden ausbleiben“
Lokales Lübeck „Die Kunden werden ausbleiben“
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21:24 25.04.2018
Die Aktion „Ihre Idee für den Brink“ brachten Anwohner und Marktbeschicker vergangenen Sonntag zum Diskutieren zusammen. Der designierte Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) war auch vor Ort. Quelle: Olaf Malzahn
St. Jürgen

Der graue Himmel hängt tief über der Hansestadt. Die Stimmung auf dem Wochenmarkt Am Brink ist ähnlich trübe wie das temperamentvolle Aprilwetter; zumindest bei einigen Marktstandbetreibern.

„Die Kunden bleiben uns aus, wenn wir weiterhin ein solch massives Parkplatzproblem haben. Und obendrauf wurden auf der ohnehin schon begrenzten Parkplatzfläche nun auch noch Baucontainer deponiert“, ärgert sich Ingo Massa, der seit mehr als 17 Jahren zweimal die Woche frischen Fisch Am Brink verkauft.

Letztes Wochenende habe er eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen. „600 Leute haben schon unterschrieben, darunter auch der designierte Bürgermeister Jan Lindenau“, berichtet Massa und klingt zufrieden; überzeugt davon, dass der neue Bürgermeister sich für den Wochenmarkt einsetzen wird: „Dieser Markt gehört zu den letzten, die wirklich gut frequentiert sind. Die Leute kommen von überall her, es muss auch im Interesse der Stadt sein, dass der Markt auch weiterhin funktioniert“.

Und das scheint es zu sein: Sowohl die CDU als auch die SPD haben den Markthändlern bereits öffentlich ihre Unterstützung zugesagt. „Schon seit langer Zeit ist der Wochenmarkt Am Brink aufgrund seiner Attraktivität ein Ziel vieler Lübecker, auch wenn diese nicht in St. Jürgen wohnen. Insbesondere an den Sonnabenden reicht der vorhandene Parkraum rund um den Markt daher oftmals nicht aus, was zu verstärktem Verkehr rund um den Wochenmarkt führt“, erklären Hauke Wegner, Bürgerschaftskandidat im Viertel „Vor dem Mühlentor“ sowie Bernhard Simon, Ortsvorsitzender des CDU- Ortsverbandes Lübeck Süd.

Insgesamt 13 Parkplätze gehen als Abstellfläche für die Baucontainer verloren, und das für einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren. Grund der Bauarbeiten ist ein Tiefbau in der Ratzeburger Allee.

Dirk Freitag, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, hat die Entsorgungsbetriebe aufgefordert, ihre Flaschen- und Papiercontainer vorübergehend an einem anderen Standort unterzubringen. „Damit werden zumindest ein paar Plätze frei, die von Kurzparkern genutzt werden können“, so Freitag.

Und auch die SPD setzte sich vergangene Woche mit der Aktion „Ihre Idee für den Brink“ für eine Aufwertung des Marktes zum sozialen Treffpunkt ein. Ferner weist die Partei auf die „dringend benötigte Frischzellenkur“ hin. „Der gesamte Platz strahlt keine Attraktivität aus. Große Schlaglöcher und Risse erschweren das Gehen“, bemängelt der SPD–Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidat, Peter Petereit. Und das stünde nicht im Verhältnis mit den für die Standbetreiber steigenden Gebühren: „Der Markt ist ohnehin dünn besiedelt, da muss man gegenwirken, sonst verliert er weiter an Attraktivität. Die erhöhten Gebühren stehen nicht im Verhältnis dazu“, sagt auch Ingo Massa.

Eike-Loki Hardt vom Obst- und Gemüsestand begrüßt eine Stammkundin namentlich, ein breites Lächeln im Gesicht. „Ich bin besorgt. Beim ersten Mal ärgern sich die Kunden, wenn sie keinen Parkplatz finden. Beim zweiten Mal dann noch mehr, mit Pech bleiben sie dann ganz weg“, sagt er, als seine Kundin mit Papiertüten beladen in Richtung Parkplatz verschwindet. Eine furchtbare Vorstellung. Und für Obst- und Gemüsehändler Hardt Grund genug, die Initiative von Massa zu unterstützen.

„Parkplätze und Lübeck, das ist ja sowieso ein Thema für sich“, sagt Sibylle Brüser und lädt ihre vollbepackten Einkaufstüten auf den Beifahrersitz ihres Autos. „Aus genau diesem Grund bin ich ansonsten lieber Radfahrerin“.

 Von Josephine Andreoli

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