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Lokales Lübeck Die Lübecker Stadtmütter zeigen sich
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08:57 08.03.2018
Die ehrenamtlichen Stadtmütter zeigen sich auf Plakaten. Susan Al-Salihi (39, vorn 3. v. l.) koordiniert das Projekt. Quelle: Foto: Lutz Roessler
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Innenstadt

Eine Frau ist auf der Flucht nach Europa vergewaltigt worden und erwartet ein Kind von ihrem Peiniger. Ihr Ehemann will das Kind nicht als seins annehmen. Die Frau will es zur Adoption freigeben. Sie lebt jetzt in Lübeck. Alles ist für sie fremd: das Land, seine Sprache, sein Familienbild, seine Bürokratie. Mit wem kann sie über ihre Lage sprechen?

Mit diesem Beispiel macht die Projektkoordinatorin Susan Al-Salihi (39) deutlich, wofür es die Stadtmütter gibt: Sie können helfen und vermitteln, wo andere überfordert sind. 42 ehrenamtliche Helferinnen gibt es, die viele verschiedene Sprachen sprechen und sich in vielen verschiedenen Kulturen auskennen. Ihre Arbeit findet normalerweise im Verborgenen statt. Auf den Plakaten zeigen sich 14 von ihnen der Öffentlichkeit.

„Die Stadtmütter wollen ihre unsichtbare Hilfe dieses Jahr mehr sichtbar machen“, sagt Susan Al-Salihi. Die Fotografin Anja Döhring hat die Frauen porträtiert und die Fotos mit Zitaten kombiniert:

„Mein Leben ist wertvoll, wenn ich anderen helfen kann.“ – „Durch Dornen zu den Sternen.“ – „Frauenrecht ist Menschenrecht.“ Unter dem Foto steht das Zitat in der Muttersprache der abgebildeten Frau.

Die Musikerin Arevik Khachatryan (29) aus Armenien sagt: „Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich, außer, dass ich was von mir gebe, auch so viel mitnehmen kann.“ Sie ist nach ihrem Studium in Deutschland geblieben und gründete eine Familie. „Spätestens, wenn man ein Kind hat, wird einem klar, dass man nichts weiß von dem alltäglichen Leben. Wo soll man das Kind zur Kita anmelden? Zu welcher Behörde muss man wofür gehen?“

Das sagt eine Hochschulabsolventin in fließendem, fast akzentfreien Deutsch. Man kann sich ausrechnen, wie sehr die Stadtmütter den Frauen helfen, die kein Deutsch sprechen und sich kaum trauen, das Haus zu verlassen. Die Stadtmütter haben auch selbst von dem Projekt profitiert. 144 Frauen haben seit der Gründung vor fünf Jahren die Fortbildung durchlaufen. Von den Frauen, die 2016 teilgenommen hätten, sei jetzt jede dritte erwerbstätig, sagte Susan Al-Salihi gestern bei der Präsentation der Plakate in den Räumen des Vereins Frauen helfen Frauen in der Marlesgrube. Beim Jahrgang 2017 sei es schon jede zweite.

Der Verein ist Träger des Projekts. Gefördert wird es von der Possehl-Stiftung und der Friedrich Bluhme und Else Jebsen-Stiftung. Max Schön, Vorsitzender der Possehl-Stiftung, würdigte die Arbeit der Frauen. Sie stünden, abgesehen von der Stadtsanierung, für alles, was seine Stiftung fördere – Kultur, Bildung, Soziales. Und noch etwas besonders Wichtiges, auch wenn die deutsche Abgabenordnung es nicht als gemeinnützig einstufe: Selbstbewusstsein.

Veranstaltungen und Fakten zum Frauentag

Ein Fest von und für Frauen und Mädchen findet am Freitag, 9. März, im Haus der Kulturen, Parade 12, statt. Zum Frauentag bietet das Frauenbüro ein kulturelles Programm sowie Essen und Tanz. Das Frauenfest geht von 18 bis 23 Uhr. Der Eintritt ist frei, eine Spende erbeten.

Kinder können gern mitgebracht werden.

Einen Informationsstand bietet heute der Frauenverband Courage. Er steht von 16 bis 17 Uhr in der Fußgängerzone vor dem Rathaus. Frauen sollen ihre Forderungen mitbringen.

Der DGB Lübeck feiert anlässlich des Frauentags auch das 100-jährige Jubiläum des Frauenwahlrechts. „In hundert Jahren wurde viel erreicht. Aber ob nun in Parlamenten oder in Chefetagen: Immer noch bestimmen die Männer das Bild. Frauen müssen sich noch mehr einmischen und Konflikte gemeinsam austragen“, sagt Lübecks DGB-Chef Sven Quirder.

Die Teilzeit und der Niedriglohn – in Lübeck ist beides weiblich: Noch immer sind hier 69 Prozent aller Teilzeit- und Minijobs in Frauenhand. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zum Frauentag hingewiesen. Bei den rund 30400 Teilzeitstellen in der Stadt liegt der Frauenanteil nach Angaben der Arbeitsagentur sogar bei 76 Prozent.

Hanno Kabel

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