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Lübeck Die Lübecker entscheiden über das Schicksal der Winterlinden
Lokales Lübeck Die Lübecker entscheiden über das Schicksal der Winterlinden
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16:23 18.11.2016
Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD) überraschte mit einer neuen Altersangabe für die Linden. Die wurden bisher auf um die 50 Jahre taxiert. Nach Schindlers Angaben sind 35 der 48 Winterlinden dagegen schon über 70 Jahre alt.  Quelle: Roessler
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Die Sitzung begann mit dem berühmten Zitat der nordamerikanischen Indianer („Erst wenn der letzte Baum gerodet ist...“). Ingrid Boitin, eine der Sprecher des Aktionsbündnisses „Lübecks Linden leben lassen“, erinnerte in ihrer Rede daran, dass die Linde Baum des Jahres 2016 ist und dass „Bäume Lebewesen“ sind. Boitin: „Wer gibt uns das Recht, Bäume umzubringen?“

Bürgerschaft legt einstimmig den 18. Dezember für den Bürgerentscheid fest – Überraschung: Bäume sollen älter sein – Gegner werfen sich aggressives Vorgehen vor.

Der Zeitplan

18. bis 26. November: Die Bürger erhalten die Wahlunterlagen

1. Dezember: Öffentliche Infoveranstaltung in der MuK

21. November bis 16. Dezember: Briefwähler können abstimmen

18. Dezember: Wahl von 8 bis 18 Uhr

Diese Frage müssen in Kürze die Lübecker beantworten. Die Stadtvertretung legte sich einstimmig auf einen Bürgerentscheid am 18. Dezember fest. In der zweistündigen Debatte zuvor wurden viele bekannte Argumente ausgetauscht. Immerhin: Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD) überraschte mit einer neuen Altersangabe für die Linden. Die wurden bisher auf um die 50 Jahre taxiert. Nach Schindlers Angaben sind 35 der 48 Winterlinden dagegen schon über 70 Jahre alt. „Die Bäume wurden zwischen 1953 und 1980 gepflanzt“, führte der Senator aus, „und sie wurden als bereits zehn Jahre alte Bäume gepflanzt.“

Für die Vertreter des Aktionsbündnisses kein Grund, in der Frage des Erhalts zu wackeln. „Die Linden können an diesem Standort auch 200 Jahre alt werden“, erklärte Bündnismitglied und GAL-Politikerin Katja Mentz. Ein Umbau der Untertrave inklusive Linden sei möglich, beharrten die Bündnissprecher auf ihrer bekannten Position, Fördergelder würden nicht gefährdet, und die Flaniermeile könne auch mit den Linden behindertengerecht hergestellt werden. Ingrid Boitin bekräftigte die fachlichen Zweifel am Baumgutachter Andreas Scheel, der von der Stadt beauftragt worden war und den Bäumen kein langes Überleben mehr attestierte. Arnim Gabriel, ebenfalls Bündnissprecher, warf Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) ein „unsensibles Verhalten“ vor. Gabriel: „Menschen reagieren empfindlich, wenn 48 Bäume geopfert werden.“

Saxe hielt dem Bündnis vor, bei einer Infoveranstaltung aggressiv gegen Behinderte vorgegangen zu sein. Emotional und leidenschaftlich seien die Bürger, verteidigte Arnim Gabriel die Baumfreunde. Und Carl Howe (GAL) berichtete, dass „Planer der Umgestaltung in der Museumsnacht Lutz Fähser an die Wäsche wollten“. Fähser ist Bündnismitglied und war früher Leiter der Stadtforsten.

Saxe nahm auch den Baumgutachter in Schutz. „Dass Sie einen vereidigten Sachverständigen als unseriös hinstellen, das geht gar nicht.“ Zugleich berichtete der Rathaus-Chef, dass ein Hamburger Institut für Baumpflege mit einem Zweitgutachten beauftragt wurde. Ergebnisse sollen gegen Monatsende vorliegen. Die Fördergelder seien jedenfalls definitiv verloren, wenn die Linden erhalten bleiben, sagte Saxe und verwies auf eine ganz frische Einschätzung des Kieler Innenministeriums.

Silke Mählenhoff (Grüne) warf der Stadt eine „ziemlich unsensible Planung“ vor und stellte angesichts der Geldsorgen der Stadt die ganze Maßnahme in Frage. BfL-Fraktionschef Marcel Niewöhner rief die Bürger auf, beim Urnengang mit „Nein“ zu stimmen. „Der Verfall von Fördermitteln wäre fahrlässig“, sagte SPD-Fraktionschef Jan Lindenau. Die Verwaltung habe das emotionale Thema unterschätzt, stellte Thorsten Fürter (Grüne) fest: „Viele Menschen haben die Linden lieb gewonnen.“ Als ob Lübeck keine anderen Probleme hätte, schüttelte Ragnar Lüttke (Freie Wähler & Die Linke) den Kopf. Für die 180 000 Euro, die der Bürgerentscheid koste, könnte man 500 Bäume pflanzen. Lüttke: „Das wäre ein kleiner Wald.“

 Kai Dordowsky

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