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Lübeck „Die Nachricht hat uns umgehauen“
Lokales Lübeck „Die Nachricht hat uns umgehauen“
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21:14 07.07.2017
2011 startete die katholische Grundschule in den Räumen der Luther-Schule. Später zog sie in Container auf dem Schulgelände um. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
St. Lorenz Süd

„Diese Entscheidung wirft uns weit zurück, macht uns alle traurig und ist enttäuschend.“ Bernhard Baumanns, Leiter der katholischen Johannes- Prassek-Schule in der Moislinger Allee, macht in einem Brief an die Eltern aus seinem Herzen keine Mördergrube. Mit dieser Entscheidung des Erzbistums in Hamburg hatten der Schulleiter, die Eltern, die zwölf Lehrkräfte und auch die Bernostiftung in Schwerin, Träger der Schule, nicht gerechnet. Das Erzbistum gibt kein Geld für den lang ersehnten Neubau der Schule auf dem früheren Hubschrauberlandeplatz an der Possehlstraße. Die Schule muss bleiben, wo sie ist – in Containern.

Kein Geld für einen Neubau: Katholische Grundschule sucht nach einem Ausweg.

Mitte der Woche hatten Erzbischof Stefan Heße und Generalvikar Ansgar Thim bekanntgegeben, dass sie kein Geld für die Neubauten in Ludwigslust und Lübeck bereitstellen können. Grund: Die wirtschaftliche Lage sei prekär. Das Erzbistum muss bis 2020 jährlich 20 Millionen Euro einsparen und rechnet bis 2050 mit einem Verlust von 40 Prozent der Kirchenmitglieder. Der Neubau der beiden Schulen hätte 20 Millionen Euro gekostet. Die Investition in Lübeck wurde zunächst auf sieben Millionen Euro geschätzt, ist aber teurer geworden. Das Gebäude sollte so errichtet werden, dass die Schule weiter hätte expandieren können. Schulleiter Baumanns und das Erzbistum gingen zuletzt von rund zehn Millionen Euro aus.

Lehrkräfte und Eltern hätten die Hiobsbotschaft mit Betroffenheit und Enttäuschung aufgenommen, erklärt der Schulleiter. Es habe bisher aber keine Absagen von Familien gegeben, die sich um einen Platz an der Schule beworben hätten. Zugleich seien Lehrer, Eltern und Schulträger froh, „dass die Hängepartie vorüber ist“. Denn seit November vergangenen Jahres war klar, dass der drastische Sparkurs des Erzbistums für die Neubaupläne der Prassek-Schule gefährlich werden könnte. „Wir haben aber eher damit gerechnet, dass unser Vorhaben länger braucht“, erklärt Baumanns. Dass der Geldhahn ganz zugedreht würde, habe man nicht erwartet. Das bestätigt Thomas Weßler, Vorsitzender der Bernostiftung in Schwerin: „Die Nachricht hat uns umgehauen.“

Am Montagabend trifft sich der Stiftungsrat zu einer außerordentlichen Sitzung. „Wir müssen jetzt sondieren, was diese Entscheidung für die beiden Schulneubauten bedeutet“, erklärt Weßler, „wir werden mit der Suche nach neuen Fördermöglichkeiten beginnen.“ Denn irgendwie müsse die Prassek-Schule weiterentwickelt werden. „Container sind keine Dauerlösung“, sagt Schulleiter Baumanns.

Zumindest dann nicht, wenn nicht noch mehr Container aufgestellt werden können – um mehr Platz für Unterricht, Nachmittagsbetreuung, Musikklassen und Bibliothek zu erhalten. Der jetzige Standort sei ausgereizt.

Ein Vater hat dem Schulleiter per E-Mail vorgeschlagen, die Schule auf dem Grundstück an der Possehlstraße mit mehr Containern neu zu errichten. Das wäre deutlich billiger als der bisher geplante Neubau. Zumal das Grundstück dem Erzbistum gehört, wie ein Sprecher bestätigt. Was damit passieren soll, kann der Sprecher derzeit nicht beantworten. Eine andere Überlegung lautet, dass die katholische Grundschule in die Alte Schule Moisling wechselt. In wenigen Tagen will Schulleiter Baumanns die Eltern informieren, in welche Richtung es gehen könnte.

Zum nächsten Schuljahr bleibt alles wie gehabt. 25 Kinder sind für die beiden ersten Klassen angemeldet. Aktuell zählt die katholische Grundschule, die 2011 ihren Betrieb aufnahm, 110 Kinder.

Baumanns: „Wir stecken den Kopf nicht in den Sand.“

 Kai Dordowsky

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