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Lübeck Die Party ist vorbei: Das Parkhaus schließt
Lokales Lübeck Die Party ist vorbei: Das Parkhaus schließt
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11:26 04.01.2018
August 2015: Der DJ-Weltstar Felix Jaehn feiert seinen 21. Geburtstag mit einem Auftritt im Parkhaus. Quelle: Felix König
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Jasmin Weichel (42) hat noch die Bewerbung, mit der ein Teenager aus dem Klützer Winkel sich dem Parkhaus als DJ vorstellte. Er lege am liebsten Mainstream auf, schrieb er, und fühle sich auf dem großen Floor am wohlsten. Sein Name war Felix Jähn. „Er hat hier mit 17 für 50 Euro bei Schülerpartys aufgelegt“, erinnert sich Weichel. Sie ist die Inhaberin des Clubs „Parkhaus“ und betreibt ihn mit ihrem Mann Oliver Böhme (50) als Geschäftsführer.

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Das "Hüx" ist eine Institution in Lübeck seit 1975. Vorher hieß die Disko "Spielplatz".

Felix Jaehn, wie er sich inzwischen schrieb, kam 2015 als Weltstar wieder – und er war nicht der einzige. Zwölf Jahre lang haben sich hier die großen DJs „die Klinke in die Hand gegeben“, wie Weichel es ausdrückt. Darunter waren Das Bo, Evil Jared, das Duo Dada Life – Namen, die in der Szene einen großen Klang haben. „Wir haben hier zwölf Jahre lang gute Jugendkultur produziert“, sagt Böhme.

Das Ehepaar Jasmin Weichel (42) und Oliver Böhme (50) am DJ-Pult vor der bekannten Wohnzimmerwand im Retro-Stil. Nach zwölf Jahren haben sie beschlossen, ihren Club aufzugeben.

Der Eigentümer Carsten Löntz bedauert den Verlust eines guten Mieters. „Obwohl das natürlich für das Umfeld nicht immer optimal war“, sagt er mit Bezug auf die vielen Partygäste, „aber eigentlich hielt sich das in Grenzen.“ Irgendeine Art von Gastronomie könne er sich als Nachmieter gut vorstellen, aber eine Discothek werde es wohl nicht.

Die Betreiber ziehen, wie Oliver Böhme es ausdrückt, „die Reißleine“: „Man dreht sich immer mit – und irgendwann rennst du den Trends hinterher, statt sie selbst zu setzen.“ Der Trend gehe „komplett weg von jeglicher Form von Gitarrenmusik“, sagt Böhme. „Es gibt entweder elektronische Musik oder Hip-Hop – beides Musikrichtungen, die uns nicht so wahnsinnig liegen.“ Auch Social Media sind ihm keine Herzenssache. „Ich mache es – man muss es machen – , aber es fällt mir wirklich schwer.“ Einem Betreiber um die 30 würde er zutrauen, Schwung in den Club zu bringen, aber ein solcher Betreiber ist nicht in Sicht.

Wer neuer Mieter im Parkhaus am Hüxterdamm wird, ist offen.

Das Geschäft ist nicht leichter geworden. „Discotheken sind seit Längerem dabei, sich aufzulösen“, sagt Jens Baschant, Inhaber des Veranstaltungs-Schiffs „Cargo“ im Klughafen. „Das ist genauso ein Strukturwandel wie in der Kinobranche.“ Er hat lange Jahre an wechselnden Orten die Disco Body & Soul betrieben. „Die jungen Leute sind heute anders drauf als die 30-, 35-Jährigen.“ Die Communitys, sagt er, bildeten sich nicht mehr an bestimmten Orten, sondern in den sozialen Medien.

Dazu kommt die Konkurrenz der Event-Kultur. Er habe noch immer eine Disco-Konzession, sagt Baschant. „Die braucht man aber gar nicht mehr, um Veranstaltungen zu machen.“ Damit spielt er auf Motto-Partys an besonderen Orten an. Ein Vorreiter dieser Entwicklung ist in Lübeck der Veranstalter Mike Hasemann, der mit seinen Ü-30-Partys und anderen Veranstaltungen in der MuK und auf der Kulturwerft Gollan erfolgreich ist. Die einzigen Discotheken, denen er auf Dauer noch eine Chance gibt, sind große Clubs wie das A 1 mit Investoren, die viel Geld in ihre Innenausstattung stecken können. Hasemann: „Die Menschen wollen immer wieder was Neues.“

Die letzten Partys: Am kommenden Sonnabend gibt es im Parkhaus die letzte 90er-Party. Zwei Wochen später, am 20. Januar ab 23 Uhr, verabschiedet sich der Club unter dem Motto „The End – Die Parkhaus Closing Party“. Die DJs werden im Zwei-Stunden-Takt wechseln, und es wird in sonst nicht zugänglichen Bereichen zusätzliche Tanzflächen geben.

Von Hanno Kabel

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Schnüff... 😥 Was ist eure schönste Erinnerung ans Parkhaus? Parkhaus Lübeck

Gepostet von Lübecker Nachrichten Online am Mittwoch, 3. Januar 2018
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Haben Spaß an der Vergangenheit: Carsten Albrecht (v. l.), Olli Schmidt, Herbert Sachers und Werner Warnken.
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