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Lübeck Die Retter alter Apfelsorten
Lokales Lübeck Die Retter alter Apfelsorten
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20:42 12.01.2018
Der einjährige Trieb und die Wurzel passen perfekt zusammen und werden umwickelt. Quelle: Fotos: Cosima Künzel

Die kleinen Zettel an den Bäumchen tragen Namen wie „Ruhm von Lübeck“, „Roter Pariner“ oder „Lübecker Marzipanapfel“. Sie stehen auf dem Hof von Gärtnermeister Peter Bornholdt. Noch ist es still auf dem Gelände. Doch langsam geht die Arbeit hier richtig los – und damit auch das Vermehren der Obstbäume. In der Regel werden diese „veredelt“. Dabei liegt dem Inhaber der Baumschule auch die Vielfalt und das Erhalten der alten Sorten am Herzen. „Früher gab es für jeden Zweck eine andere Apfelsorte. Einer eignete sich für Mus, der andere für Kuchen, der nächste war gut für die Lagerung – oder er schmeckte am besten direkt vom Baum.“

Das Kühlhaus von Peter Bornholdt ist eine Schatzkammer. Für den Laien sind dort bloß Äste gestapelt. Aber der Gärtnermeister lässt daraus nicht nur neue Bäume entstehen. Er hat schon einige Lieblingsgehölze und alte Apfelsorten gerettet. Auch andere Baumschulen bewahren die Tradition.

Auch heute sind den Kunden Geschmack und Verwertung wichtig. Es gibt es aber auch emotionale Beweggründe, die die Menschen zu ihm bringen. „Vor einiger Zeit kam im Frühjahr eine Dame zu mir. Sie hatte einen Apfelbaum zur Geburt ihres Sohnes in den Garten gepflanzt.“ Leider fraßen Wühlmäuse die Wurzeln so an, dass der Lieblingsbaum fast abgestorben war. „Bitte retten sie ihn“, habe die Kundin gesagt, doch Bornholdt hatte wenig Hoffnung. „Es war fast kein vermehrungsfähiges Material dran, und die Jahreszeit war auch ungünstig.“ Trotzdem versuchte es Bornholdt. Er schnitt bleistiftdicke, einjährige Triebe (Reiser) ab und setzte das sogenannte Reis auf eine intakte Wurzel. „Und was wir nie geglaubt hätten, im Mai kamen kleine Knospen und die Blätter wuchsen.“ Für die Schnitte mit dem ultrascharfen Messer, die zum Veredeln nötig sind, braucht es Fingerspitzengefühl, handwerkliches Geschick und das gärtnerische Fachwissen.

„3000 Schnitte mindestens sollte man vorher gemacht haben, bis man das beherrscht“, erklärt der Fachmann, der die Baumschule von seinem Vater übernommen hat und sie an seinen Sohn weitergeben wird.

Bornholdts Lieblingsapfel ist übrigens auch eine alte Sorte. „Ich mag besonders ,Filippas Apfel’ aus Süddänemark“, sagt der Lübecker. Bei der Ernte Mitte September sei das Obst saftig, würzig und leicht sauer. „Aber wenn man ihn lagert, wird er immer süßer – und der ganze Raum duftet danach.“

Geschätzt wird seine Baumschule auch vom Verein Hanse-Obst. „Wir arbeiten mit Peter Bornholdt und seinem Sohn seit fünf Jahren eng zusammen“, sagt Obstbaumexperte Heinz Egleder vom Vorstand. „Diese letzte Baumschule ist für die Lübecker Obstkultur ein Glücksfall, unser Verein wäre ohne sie aufgeschmissen.“ Laut Pomologe lässt Hanse-Obst etliche Lokalsorten in dem Betrieb vermehren, so auch „Ruhm von Lübeck“. Von diesem Apfelbaum – der in dem Kleingarten des Polizisten Manfred Wnuck stand – gab es nur noch ein einziges Exemplar, das unerwartet durch große Fruchtlast auseinanderbrach.

„Doch direkt davor hatte Bornholdt die Sorte für uns vermehrt, sie wäre sonst unwiederbringlich verlorengegangen.“ Auch Günter Reusch, Inhaber der gleichnamigen Baumschule, schätzt die historischen Sorten. „Wir führen auch hin und wieder Auftragsveredelungen durch“, sagt er, „weil es uns wichtig ist, dass alte Apfelsorten nicht in Vergessenheit geraten.“ Er hebt „Ruhm von Vierlanden“ hervor.

„Diesen haben wir regulär in unserem Sortiment.“

Unbekannte Sorten entdeckt

Das Projekt Hanse-Obst wurde 2013 gegründet, seit 2016 ist die Initiative ein eingetragener Verein. Die Aktiven kennen inzwischen 170 lokale Obst-Standorte, haben auch unbekannte Sorten entdeckt und halten alles in einer Kartierung fest. Laut Verein wurden über 200 neue Hochstämme gepflanzt, meist alte Sorten. Diverse stehen auf Schulhöfen und bei Kitas. Außerdem gibt es ein kinderpädagogisches Angebot.

 Cosima Künzel

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