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Lübeck Die Retter der Tierkinder
Lokales Lübeck Die Retter der Tierkinder
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09:33 19.06.2017
Das kleine Rehkitz wird bei Familie Benett aufgepäppelt. Quelle: Cosima Künzel
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Lübeck

Das Rehkitz ist erst fünf Tage alt und steht noch wackelig auf seinen dünnen Beinen. Es hat winzige Hufe, lange Wimpern und Glück gehabt. Anwohner aus Eichholz haben es im Garten gefunden und Stadtjäger Christoph Benett päppelt das Kleine jetzt auf. Auch im Tierheim sind jetzt viele Findelkinder zu Gast.

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„Es sieht wie Bambi aus und hat ganz weiches Fell“, sagt Elisabeth (6) leise und legt zart die Arme um Rehkitz „Lotti“. Es ist Zeit zum Füttern, und das Mädchen will Papa Christoph (43) helfen.

Der Sprecher der Kreisjägerschaft hat sich schon die Nacht um die Ohren geschlagen, denn die ersten Tage sind kritisch für ein Kitz. Ursprünglich hatte „Lotti“ noch ein Geschwisterchen. „Doch als wir die beiden mit der Amtsveterinärin vom Fundort abgeholt haben, war es für eines schon zu spät.“

Warum die Tiere alleine im Garten lagen, weiß der 43-Jährige nicht. Vielleicht haben Hunde die Mutter gehetzt, sie wurde angefahren oder jemand hat die Kleinen angefasst, denn dann kommt das Muttertier nicht wieder, vermutet er und hofft, dass „Lotti“ noch eine Chance hat. Sie ist inzwischen tierärztlich versorgt und wird von Benetts rund um die Uhr betreut. „Nachts bekommt sie alle zwei Stunden etwas zu trinken“, erzählt Benett, der eine harte Nacht hinter sich hat. Auch Paul (11), Hanno (9), Elisabeth und Mama Nikola Benett (45) sind von den klagenden Rufen des kleinen Wesens aufgewacht. „Es hat die Nacht in der Wohnung verbracht, damit wir es auf jeden Fall hören.“ Für die Mahlzeiten bekommt „Lotti“ Aufzuchtmilch (39,5 Grad) per Spritze und Fencheltee. Am Morgen durfte sie zu den Kaninchen in den Auslauf. „Es ist gut, wenn sie sich ein wenig bewegen kann“, erklärt Benett, der das Kitz morgens schon mit Eigelb gefüttert hat. Noch wiegt „Lotti“ knapp 1800 Gramm und muss täglich 100 Gramm zunehmen. „Gefährlich sind Magen-Darm-Erkrankungen und Lungenentzündung“, erklärt der Stadtjäger, „aber wir geben alles, um sie zu retten.“

Auch im Tierheim werden jetzt viele kleine Wildtiere abgegeben. „Wir bekommen fast jeden Tag Singvogelküken“, sagt Tierpflegerin Julia Herklotz (27) und schaut zu Theresa Martini (18) hinüber, die eine kleine Mönchsgrasmücke auf dem Finger hat. Es ist der siebte Minivogel, den die Bundesfreiwilligendienstlerin aufpäppelt und alle zwei Stunden mit einer kleinen Spritze füttert. Dafür steht sie nicht nur vor fünf Uhr auf, sondern nimmt die Piepmätze sogar mit nach Hause. „Damit ich sie bei Sonnenaufgang das erste und bei Sonnenuntergang das letzte Mal füttern kann.“ Die beiden Eichhörnchenbabys, die Herklotz seit einer Woche betreut, brauchen nicht mehr ganz so viel Pflege. „Peter“ und Geschwisterchen sind fünf Wochen alt, wurden von Spaziergängern im Park gefunden und können schon allein fressen. „Sie brauchen jetzt aber noch Schutz und Wärme.“

Graureiher „Herr Hering“ ist schon fast einen Monat im Tierheim und dank diverser Fischmahlzeiten inzwischen so groß und stark, dass er kommende Woche wohl in die Freiheit entlassen wird. „Das ist immer das Schönste“, sagt Herklotz, „uns geht wirklich das Herz auf, wenn wir es schaffen, ein Tier erfolgreich auszuwildern.“

 Cosima Künzel

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