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Lübeck Die Sicherheitsbranche boomt
Lokales Lübeck Die Sicherheitsbranche boomt
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09:51 18.07.2017
Sicherheitsmitarbeiter Holger Hinz bewacht während Veranstaltungen in der Kulturwerft Gollan Eingang und Parkplatz. Das schrecke Unruhestifter ab, sagt er. Quelle: Foto: Saskia Bücker

Kann man ohne Sorge ein Konzert besuchen, tanzen gehen, einen Kongress besuchen oder entspannt durch ein Kaufhaus schlendern? „Auch für Schleswig-Holstein dauert die abstrakt hohe Gefährdungslage terroristischer Anschläge an“, heißt es seitens der Polizeidirektion Lübeck. Darauf reagieren Veranstalter und Firmen an ihren Austragungsorten und setzen verstärkt auf Wach- und Sicherheitspersonal von privaten Dienstleistern. „Die Sicherheitsbranche boomt“, sagt Silke Wollmann, Sprecherin des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft. Bei Sicherheitsdienstleistern gebe es ein Umsatzwachstum von rund 40 Prozent. 5585 Unternehmen waren 2016 registriert, etwa 270 000 Mitarbeiter sind derzeit in Deutschland bei Sicherheitsfirmen beschäftigt. Zum Vergleich: Zur Jahrtausendwende gab es nur 2237 Firmen, heißt es in einer Statistik des Verbandes.

Die Landesregierung reagiert ebenfalls auf die Entwicklungen der vergangenen Monate und erklärt, die Polizei personell aufzustocken. „Dieser Prozess wird sich aber über mehrere Jahre hinziehen“, heißt es in einer polizeilichen Mitteilung, „aktuell stehen diese zusätzlichen Kräfte noch nicht zur Verfügung.“ Es ist Aufgabe des Staates, die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten. „Das Gewaltmonopol hat ganz klar die Polizei“, erklärt Wollmann, „solange aber keine konkrete Gefährdung auf privatem Gelände vorliegt, finden Veranstaltungen ohne Polizeischutz statt.“ Bei jedem Event gelten andere Regeln. Das jeweilige Sicherheitskonzept genehmigt das Ordnungsamt. „Während der Travemünder Woche beispielsweise ist die Polizei sehr präsent und stimmt ihre Maßnahmen eng mit den Behörden und dem Veranstalter ab“, sagt die Polizeidirektion. Polizei und private Sicherheitsdienste dienen nicht nur der Abwehr terroristischer Gefahren. Unglücksfälle, Witterungseinflüsse, Massenpanik, Eigentumsdelikte – die Liste potenzieller Gefahrenquellen ist lang.

Holger Hinz von der Sicherheitsfirma Magnum Security ist einer von denen, der an Lübecker Veranstaltungsorten für Ordnung sorgt: in der Musik- und Kongresshalle oder der Kulturwerft Gollan. Ü-30- Fete, Sinfoniekonzert, Wahlkampfveranstaltungen, Public Viewings oder Abiparty – Hinz achtet darauf, dass nichts Gefährliches passiert, steht Wache am Parkplatz, damit die Feuerwehreinfahrt frei bleibt. Er schaut, dass niemand Unbefugtes den Saal betritt, keine entzündlichen Flüssigkeiten oder gar Waffen mit hinein nimmt. „Das schreckt Unruhestifter natürlich ab, wenn sie mich vor der Tür sehen“, sagt Hinz.

„Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nirgendwo“, sagt Ralf Krakow, Geschäftsführer von Magnum Security, „nehmen wir G 20 als Beispiel. Da waren 20 000 Polizisten vor Ort, und es ist trotzdem eskaliert.“ Mit seinem 50-köpfigen Team wappnet er sich für künftige Bedrohungsszenarien: „Wir müssen aktuellen Entwicklungen Rechnung tragen.“ Ins Detail will Krakow nicht gehen, Berufsgeheimnis, wie er sagt.

„Unsere Kunden wollen, dass drei Dinge unversehrt bleiben: Die Gäste, das Personal und das Eigentum“, sagt Krakow. Die allgemeine Akzeptanz von Sicherheitspersonal im öffentlichen Raum sei in den vergangenen Jahren deutlich größer geworden. „Früher wären wir beispielsweise im Hansa-Park nicht gut angekommen, heute kommen Gäste des Freizeitparks zu uns und bedanken sich für unsere Arbeit.“

Auch dass sein Team jährlich auf etwa 20 Abibällen steht, sei nicht immer Standard gewesen.

Kann der Besucher selbst etwas für die eigene Sicherheit tun? „Generell gilt: Aufmerksamkeit, aber keine Ängstlichkeit“, empfiehlt die Polizeidirektion. Tipps sind etwa genaues Hinsehen, auf eigene Wertgegenstände aufpassen, in brenzligen Situationen sofort Hilfe holen, möglichen Opfern helfen – sprich, die grundsätzlichen Regeln der Zivilcourage beachten.

 Saskia Bücker

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