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Lübeck Die Stadt zahlt wieder Begrüßungsgeld für Studenten
Lokales Lübeck Die Stadt zahlt wieder Begrüßungsgeld für Studenten
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11:49 16.12.2017
Hundert Euro für jeden Studenten, der nach Lübeck zieht. Das kostet die Hansestadt jährlich 200 000 Euro. Quelle: Fotolia

Mehr Studenten, mehr Einwohner, mehr Geld. Das ist die Idee hinter dem Begrüßungsgeld. Konkret: Wer in Lübeck studiert und seinen ersten Wohnsitz in Lübeck anmeldet, bekommt 100 Euro. Das kostet die Hansestadt jährlich 200.000 Euro, so die Schätzung. Der Clou dabei: Pro Einwohner gibt es 920 Euro vom Land aus dem kommunalen Finanzausgleich. Damit rechnet sich die Investition Willkommensgruß für die Hansestadt. Nach dem Motto: Einmal 100 Euro pro Student zahlen – und jedes Jahr 920 Euro pro Student vom Land kassieren. Noch besser: Dieses Begrüßungsgeld gilt nicht nur für Studenten, sondern auch für Auszubildende und junge Leute, die ein freiwilliges soziales Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst absolvieren.

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Nicht das erste Mal

Einen Hunderter als Begrüßungsgeld – das gab es doch schonmal, und zwar nicht nur in Lübeck. 100 D-Mark zahlte die Bundesrepublik Deutschland jedem einreisenden Bürger der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) ab 1988. Bedeutend wurde das Begrüßungsgeld mit der Öffnung der innerdeutschen Grenze am 9. November 1989.

„Damit kann man mit relativ wenig Aufwand Neubürger bekommen“, sagt CDU-Wirtschaftsexperte Andreas Zander. Er hat das Thema nach vorne gebracht. „Es soll nach dem Kieler Modell umgesetzt werden“, fordert der CDU-Mann. Denn in Kiel können die Studenten direkt auf dem Campus das Begrüßungsgeld beantragen. Die Landeshauptstadt gibt 300.000 Euro Begrüßungsgeld aus und hat es 2006 eingeführt.

Zustimmung kommt von der SPD. „Das rechnet sich schon im ersten Jahr“, stimmt Fraktionschef Jan Lindenau zu. Sollten sich alle 2000 Erstsemester anmelden, dann gibt es im ersten Jahr 1,6 Millionen Euro extra vom Land – und ab dem zweiten Jahr stets 1,84 Millionen Euro. Eine simple Rechnung. Die Studenten profitieren, die Stadt profitiert – und für das Image ist es auch gut

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Das Kuriose: Das Begrüßungsgeld gab es bereits in Lübeck. Es wurde 2004 eingeführt, aber 2011 wieder abgeschafft; von der damaligen Mehrheit aus SPD, Grünen und Linken. „Dinge kann man korrigieren“, sagt Lindenau. Jedes Jahr wurden rund 65 000 Euro Begrüßungsgeld an die Studenten ausgezahlt. 2009 sogar fast 75 000 Euro, 2010 nur noch 16200 Euro. Doch die rot-rot-grüne Mehrheit setzte das Begrüßungsgeld 2011 auf die Sparliste – und weg war es. Denn die Stadt hat sich 2011 vertraglich zum Sparen verpflichtet, um Geld aus dem Schuldenfonds des Landes zu bekommen.

Die Leidtragenden waren die Studenten. „Wir haben 2010 alle brav unsere gelben Zettel ausgefüllt, aber das Begrüßungsgeld wurde nie ausgezahlt“, berichtet Kathrin Emme, Präsidentin des Studierendenparlaments der Fachhochschule (FH). „Es hieß: Die Stadt könne das Geld nicht bezahlen.“ Das war 2011. Denn: Erst ein Jahr nach der Anmeldung fließen die 100 Euro Begrüßungsgeld. Da hatte die Bürgerschaft es aber schon wieder abgeschafft. Deshalb ist Emme skeptisch beim Thema finanzieller Willkommensgruß: „Ich befürchte, dass die Problematik weiter besteht – und Lübeck das Geld nicht zahlen kann.“ Grundsätzlich sei es aber eine gute Sache. Emme: „Klar wäre es cool, wenn es das Begrüßungsgeld geben würde.“

So sieht es auch Swen Gärtner, Asta-Vorsitzender an der Uni Lübeck. „Es wäre eine schöne Geste und ein tolles Signal.“ Er weiß von seinen Freunden aus anderen Uni-Städten, dass sie entweder Begrüßungsgeld oder ein Gutscheinheft bekommen. Da kann Gärtner dann bisher nur sagen: „Hier in Lübeck ist das nicht der Fall.“

Die erneute Initiative in Sachen Begrüßungsgeld kommt auch bei den Chefs der Hochschulen gut an. „Das ist eine freundliche Geste der Stadt“, freut sich Uni-Vizepräsident Enno Hartmann. Die Hochschule unterstütze es, wenn sich die Studenten mit ihrer Universitätsstadt identifizieren. „Studenten wählen ihre Standorte heute nach fachlichen Gesichtspunkten aus, aber ein Begrüßungsgeld schadet nicht“, sagt FH-Präsidentin Muriel Kim Helbig. Allerdings macht sie klar: „Viel wichtiger wären bezahlbare Wohnungen – oder weitere Studentenwohnheime.“

 Josephine von Zastrow

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