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Lübeck Die Thomas-Mann-Schule ist „supergeil“
Lokales Lübeck Die Thomas-Mann-Schule ist „supergeil“
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09:53 21.06.2014
Liechtenstein.
St. Gertrud

Normalerweise gibt es böse Blicke und vielleicht auch einen Rüffel, wenn Schüler im Unterricht lieber bei Youtube reinklicken, als dem Lehrer zuzuhören. Doch es gibt auch Momente, da nimmt das Schicksal einen schöneren Verlauf: „Ständig haben sie das ,Supergeil‘-Video von Friedrich Liechtenstein abgespielt“, erinnert sich Informatik-Lehrer Michael Janneck ans Frühjahr. Die Neuntklässler der Thomas-Mann-Schule (TMS) waren begeistert vom Edeka-Werbesong, der im Internet schnell zum Millionenhit wurde.

„Das müssen wir auch machen“, war die Meinung der Klasse. Janneck: „Da ich aber keine Ahnung von Musik habe, habe ich meine Kollegin darauf angesprochen.“ Wiebke Forche war sofort begeistert, penibel bereiteten die beiden Erwachsenen und die Pennäler der 5c, 6b und c, sowie 9b, c und d ihr eigenes Video vor: „TMS Supergeil“. Seit Montag ist der Clip bei Youtube online, in den wenigen Tagen wurde das Lübecker Pendant zum großen Original bereits mehr als 4400 Mal aufgerufen.

Den Anfang bei den Planungen machte die 15-jährige Lena. „Sie hatte gerade einen Tanz gelernt und wollte daraus einen Flashmob machen“, sagt Musiklehrerin Forche. Die Neuntklässlerin ergänzt: „Ich dachte mir, das ist eine wunderbare Gelegenheit, um etwas gemeinsam zu machen.“ Aus der Choreografie entstand schließlich der Refrain-Tanz des Liedes, alle Schüler versammelten sich dafür auf dem Schulhof. „Die Kleinen hatten natürlich mehr Spaß daran als die Großen“, sagt Forche mit einem Augenzwinkern. Um im Takt zu bleiben, mussten alle genau auf den Rhythmus der Musiklehrerin achten. Gedreht wurde nämlich ohne Song im Hintergrund. Dieser wurde erst später dazugeschnitten.

„Das hat riesigen Spaß gemacht“, sagt Karn. Der Zwölfjährige aus der 6b ist gleich am Anfang des Videos zu sehen zur Zeile „Super Thomas, Superman, Super Schule, Supergeil“. Svea, Michelle und Mattis sind im Clip neben der Büste von Thomas Mann zu sehen. Der Zwölfjährige zeigt erst auf die Skulptur, dann auf die Haarzöpfe der Mädchen, schließlich trägt Thomas Mann einen Kochtopf: „Super Kopf, Super Zopf, Super Topf, Supergeil.“

Laut Wiebke Forche entstanden die Zeilen alle im Unterricht: „Ich habe Ideen reingeworfen, dann ging es ans Reimen und Wortspiele-suchen.“ Dabei kamen auch Texte heraus, in denen sich die TMS liebevoll selbst auf die Schippe nimmt: „Super Arbeit, Super Spicker, Super Note, Supergeil“ oder „Erdkunde auf Englisch, Supergeil“. Der Dreh fand spontan statt, je nach Zeit und Wetter.

Die Neuntklässler um Finn Niklas (15) und Tristan (16) bastelten dann aus 45 Minuten Material einen 3,16-Minuten-Clip. Dafür war oft Geduld gefragt. „Die Schulrechner sind etwas lahm“, sagt Tristan.

Vieles wurde deshalb daheim erledigt. „Der Stoff würde bestimmt für zwei weitere Videos reichen“, sagt Informatik-Lehrer Michael Janneck.

Und wenn die supergeile Idee schon im Unterricht entstanden ist, gibt es dafür natürlich auch Zensuren. „Die Mitarbeit wird bei dem einen oder anderen auch in die Note mit eingehen“, verrät Musiklehrerin Forche. „Je nach Engagement.“ Das nennt sich wohl ausgleichende Gerechtigkeit.

• Das „Supergeil“-Video der TMS gibt es auf www.LN-Online.de.

Das Original

11 Millionen Mal ist das Internet-Werbevideo „Supergeil“ von Edeka seit Februar auf Youtube angeklickt worden. Darin preist der Sänger Friedrich Liechtenstein Produkte des Marktes auf selbstironische Art und Weise an.
Virales Marketing nennt sich diese Form der Werbung. Wegen ihrer ungewöhnlichen Machart verbreitet sie sich rasend schnell in sozialen Netzwerken.

Peer Hellerling

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