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19:51 21.04.2017
Als Gast zur Eröffnung der Ringvorlesung zur Weltanschauung berichtete Literat Raoul Schrott über sein Werk „Erste Erde Epos“. Quelle: Fotos: Lutz Roessler

Ein Resümee, das niemanden verwunderte; schließlich ging es um nichts Geringeres als die Entstehung der Welt und des irdischen Lebens.

Doch trotz dieser Mammutaufgabe gelang es beim Auftakt der siebenteiligen, interakademischen Ringvorlesungsreihe in der sehr gut gefüllten Kulturkirche, die Oberfläche von Theorie und Mutmaßung, von These und Antithese zu verlassen und bis zum Weltanschauungskern – wie von den Veranstaltern, den Lübecker Hochschulen und dem Petrikuratorium, erhofft – vorzudringen. „Ich bin neugierig gekommen und werde beflügelt und voller neuer Erkenntnisse und Informationen gehen“, resümierte am Ende beispielsweise Uni-Studentin Charlotte Grohs.

Der gebürtige Tiroler Raoul Schrott, der für sein jüngstes Werk „Erste Erde Epos“ – rund 850 Seiten stark – sieben Jahre lang recherchierte, um die Welt reiste und unzählige Forscher aus den verschiedensten Fachdisziplinen interviewte, erläuterte recht kurzweilig und verständlich seine Sicht der Dinge. So ließ sich das Geschehen aus vielen Milliarden Jahren auf eine gut 60 Minuten dauernde, anschauliche und muntere Erzählung verdichten. Dass die Menschen letztlich vom Kragengeißeltierchen abstammen und sich unser genetisches Programm von den Schwämmen ableitet, dürfte den einen oder anderen der rund 250 Zuhörer vielleicht überrascht haben.

Und dass hinter allem möglicherweise eine göttliche Instanz stecken könnte – immerhin sprach er in einem Gotteshaus –, ist für den 53-Jährigen eher abseitig. „Das menschliche Bedürfnis nach einer erlösenden Figur, die alles erklärt, ist zwar verständlich, für mich aber zutiefst kindlich“, stellte er klar. Jedoch entfuhr ihm bei der Schilderung eines Wildnis-Abenteuers in Kanada und dem damit verbundenen hautnahen und lebensbedrohlichen Rendezvous mit einem Schwarzbären der Satz: „Er hat sich glücklicherweise getrollt, dank dem Herrgott.“ Einziger Wermutstropfen an diesem Abend war, dass das vorgesehene interakademische Konzept durch die starke Präsenz des Gastredners nicht richtig zur Geltung kommen konnte.

Zwar stellten die drei Hochschulspitzen im amüsanten Rollentausch gegenseitig kurz ihre Institutionen vor. Und die Musikhochschule konnte durch exzellente Beiträge ihres MHL-Chores und Saxofon-Soli ihre klingende Visitenkarte abgeben. Die Diskussionsrunde zu Schrotts Ausführungen allerdings – mit Uni-Physiker Prof. Christian Hübner, Neurologe Prof. Thomas Münte sowie FH-Städtebau-Professor Frank Schwartze – blieb angesichts der fortgeschrittenen Zeit leider in ihren Ansätzen stecken Ein Umstand, den auch Devin Heinrich, Student der Medizinischen Ingenieurwissenschaft, bedauerte: „So konnte im Endeffekt nur die Weltanschauung des Autors dargestellt werden, die sich durch sein angeeignetes Verständnis der Natur verändert hat. Trotzdem war es aber für einen interessanten Abend völlig ausreichend.“

Beim nächsten Mal, am Donnerstag, 4. Mai, wird es um 19 Uhr um „Weltanschauung – Hören und Verstehen“ gehen.

 Michael Hollinde

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