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Lübeck „Die beste Nachricht des Jahres“
Lokales Lübeck „Die beste Nachricht des Jahres“
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11:28 19.01.2017
Ministerpräsident Torsten Albig, Bürgermeister Bernd Saxe und Schulleiter Kay Glasneck (hinten, v. l.) mit den Musiklehrern Aneta Maciag und Hans Niehaus sowie Kindern, die für die Gäste sangen. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Versiffte Toiletten, undichte Fenster, vergammelte Dächer, historisches Mobiliar – damit soll in den Schulen Schluss sein. Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) brachte gestern einen Bescheid über 3,3 Millionen Euro zum Carl-Jacob-Burckhardt-Gymnasium; Geld für die siebenjährige Gesamtsanierung der Gebäude aus den 1950er-Jahren, die insgesamt 14,5 Millionen Euro verschlingen wird. Und der Landesvater gab sich reumütig. Die jahrzehntelange Vernachlässigung von Schulgebäuden im ganzen Land müsse beendet werden.

Ministerpräsident Albig übergibt 3,3 Millionen Euro für Sanierung des Burckhardt-Gymnasiums.

In Zahlen

3,5 Milliarden Euro hat der Bund den Ländern per Kommunalinvestitionsförderungsgesetz zur Verfügung gestellt, knapp 100 Millionen fließen nach Schleswig-Holstein.

14,5 Millionen Euro kostet die Gesamtsanierung des Burckhardt-Gymnasiums, die von 2016 bis 2022 in sieben Bauabschnitten und während des laufenden Schulbetriebs vorgenommen wird.

900 Schülern gehen hier zur Schule.

„Wie kann es sein, dass wir irgendwann aufgehört haben, uns um die Schulen zu kümmern?“, fragte Albig. Es könne nicht angehen, dass Kinder auf denselben Stühlen sitzen müssten, auf denen schon ihre Eltern als Schulkinder gehockt hätten. Albig: „Wir beginnen jetzt endlich, diesen Irrweg zu begreifen.“ Kinder würden heutzutage mehr Zeit mit ihren Lehrern und Mitschülern als mit ihren Eltern verbringen, erklärte Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Deshalb müssten auch die Gebäude ansprechend sein. Seit den 80er-Jahren sei die öffentliche Infrastruktur vernachlässigt worden – Schulen, Brücken, Straßen, Verwaltungsgebäude. Saxe nannte zwei Gründe: Erstens habe Geld gefehlt. Zweitens sei den Politikern vieles wichtiger gewesen, da sei eben bei der Bauunterhaltung gekürzt worden.

Jetzt, wo wieder mehr Geld in den öffentlichen Kassen sei, werde umgesteuert. Der Bürgermeister erinnerte daran, „dass es noch schlimmere Orte in Lübeck gibt“.

Schülern und Eltern des Burckhardt-Gymnasiums aber reicht der jetzige Zustand schon. „Wir hatten mit herausfallenden Fenstern, maroden Toiletten und einer Heizung zu tun, die man schlecht regeln konnte“, berichtete Elternbeiratsvorsitzende Inga Sarau. „Elternschaft, Förderverein und Stiftungen haben bereits viel investiert, aber es fehlt an einer grundlegenden Sanierung.“ Schüler und Eltern hätten in der Aktion „Farbe macht Schule“ Klassenräume gestrichen und Heizungen abgeschliffen. „Die Situation war vor ein paar Jahren noch schlimmer“, bestätigten die Schülersprecher Jara Schütt und Lennart Kötschau. „Wir sitzen im Winter mit Jacken im Unterricht, weil die Heizung so langsam in Gang kommt.“ Die Erneuerung der Toiletten, die Farb-Aktion und der Bau der Mensa hätten die Lage bereits etwas entschärft.

Aktuell sind Bauarbeiter am Gymnasium damit beschäftigt, akute Mängel vor allem beim Brandschutz abzustellen. Im Spätherbst startet der nächste Bauabschnitt, der die Totalsanierung von zwei Gebäudetrakten für fünf Millionen Euro vorsieht – unter anderem werden dafür die Albig-Millionen verwendet. Bis Ende 2018 werden in diesem Abschnitt Dach, Fenster, Fassade und Haustechnik erneuert.

Bis 2019 folgt das gleiche Programm bei weiteren Trakten. 2021 soll die Aula für 2,8 Millionen Euro hergerichtet werden, 2022 schließt die Gesamtmaßnahme mit der Erneuerung der Außenanlagen ab.

Vorausgesetzt, so Dennis Bunk, Chef des städtischen Gebäudemanagements (GMHL), „dass die Bürgerschaft diese Gelder zur Verfügung stellt“.

Die Investitionen seien zwingend notwendig, betonte Schulleiter Kay Glasneck, der genauso alt ist wie die Gebäude an der Ziegelstraße. Die 3,3 Millionen Euro, die der Landesvater gestern brachte, nannte Glasneck „die beste Nachricht des Jahres“.

 Kai Dordowsky

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