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Lübeck Die harte Schule der Stahlbetonbauer
Lokales Lübeck Die harte Schule der Stahlbetonbauer
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20:17 28.06.2016
Merle Robenek (l.) und Emily Plath füllen unter Anleitung von Werkleiter Stefan Faull Schalungen mit Beton. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler

Emily Plath darf den frisch gegossenen Beton durchrütteln. Die 14-jährige Geibel-Schülerin trägt einen orangen Schutzhelm und ein orangenes T-Shirt gegen den Schmutz, steht auf einem der Schalungstische in der riesigen Produktionshalle und rührt mit einem Gerät im Beton. Und – kann sie sich das als Beruf vorstellen? „Nein“, winkt sie lachend ab, „ich würde lieber im medizinischen Bereich arbeiten.“ Ganz anders Merle Robenek, ebenfalls 14. „Ich will nicht im Büro sitzen, ich will anpacken.“ Die Geibel-Schülerin könnte sich den Beruf des Stahlbetonbauers durchaus vorstellen.

Nachwuchssorgen im Bauhandwerk: Die Firma Schütt will Schüler für ein Berufsleben mit Kies, Sand und Schalung begeistern.

Das sind Töne, die Doris Schütt und Kerstin Kersten gern hören. Doris Schütt ist die Frau des Firmeninhabers Jan-Friedrich Schütt und kümmert sich um das Thema Berufsorientierung von Schülern.

Kerstin Kersten ist die Personalentwicklerin des Unternehmens. Beide versuchen, junge Menschen für die harten Berufe von Maurer, Betonbauer oder Betonfertigteilbauer zu begeistern. Acht Azubis im gewerblichen Bereich stellt das Lübecker Bauunternehmen jedes Jahr ein. Vier Plätze bei den Beton- und Stahlbetonbauern sind noch frei, einer bei den Maurern und einer bei den Betonfertigteilbauern. Frauen haben durchaus Chancen. Personalentwicklerin Kersten: „Wir haben zum ersten Mal drei Frauen eingestellt. Die wollen aber anschließend studieren.“

Seit sechs Jahren bietet Schütt Schulklassen die Schnupperbesuche in dem Kies- und Betonwerk an, das seit 1963 in Kücknitz besteht. „Die Gemeinschaftsschule St. Jürgen war schon da, die Albert-Schweitzer-Schule ebenfalls und die Emanuel-Geibel-Schule schickt bereits die dritte Gruppe“, berichtet Doris Schütt. Torsten Siedtmann ist Lehrer an der Geibel-Schule und ist für die Berufsorientierung zuständig. „Wir beobachten in den letzten Jahren ein rückläufiges Interesse der Jugendlichen an Berufen im Bauhandwerk“, weiß Siedtmann. „Viele versuchen, auf der Berufsschule doch noch das Abitur zu machen.“ Mit seinen Schülern besucht Siedtmann auch Euroimmun, die Gewerbeschule für Nahrung und Gastronomie oder die Handwerksmessen der Kammern. „Handwerk ist bei der Jugend nicht mehr so beliebt“, weiß auch Henning Zuber von der Arbeitsagentur. Zuber hat den 18-jährigen Iraner Mahdi Ghiasifar an seiner Seite, der gerade an einer Berufsschule die Ausbildungsvorbereitung absolviert. Der junge Mann möchte sich für ein Praktikum bewerben. Die Arbeit im Kieswerk gefällt ihm. „Draußen zu arbeiten ist gut, immer an der frischen Luft“, sagt der 18-Jährige.

Stefan Faull zeigt den Schülern die Produktionshalle. Faull hat als Maurerlehrling bei der Firma Schütt angefangen, jetzt ist er Werksleiter. „Perspektiven gibt es im Handwerk immer“, sagt er.

Mehrere Hundert Lehrstellen sind im Bezirk der Handwerkskammer Lübeck noch unbesetzt. „Alle Betriebe sagen, sie brauchen Fachpersonal und Azubis“, berichtet Geschäftsführer Christian Maack. Die Azubis auf dem Bau verdienen nach Gewerkschaftsangaben 1400 Euro brutto im Monat im dritten Lehrjahr. „Die haben schon im ersten Lehrjahr mehr als andere Gewerke im dritten Lehrjahr“, sagt Maack.

Im Lübecker Bauhandwerk sind aktuell 111 Lehrstellen unbesetzt, erklärt die Arbeitsagentur.

220 Mitarbeiter

1950 Maurermeister Friedrich Schütt gründet ein Baugeschäft. Mittlerweile ist mit Jan-Friedrich Schütt die dritte Generation am Ruder. 220 Mitarbeiter zählt das Unternehmen, das nach eigenen Angaben nur Festangestellte und keine Leiharbeiter beschäftigt. Schütt hat das Facharztzentrum an der Sana-Klinik gebaut und ist am Wohnprojekt Falkendamm sowie am geplanten Projekt Geniner Straße beteiligt.

Kai Dordowsky

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