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Lübeck Die kleine „Rikke“ stellt sich vor
Lokales Lübeck Die kleine „Rikke“ stellt sich vor
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20:12 09.09.2016
Sind stolz auf ihr kleines Schiff, machen sich aber Sorgen um die Zukunft: Stephan Joachim und Annette Gleixner. Quelle: Lutz Roeßler

Es ist ein kleines, kuscheliges Holzschiff mit einem weißen, leicht angegriffen aussehenden Rumpf, 3,90 Meter breit und 9,80 Meter lang: die „Rikke“, die seit noch nicht allzu langer Zeit im Museumshafen direkt neben der Fußgängerbrücke zur Musik- und Kongresshalle liegt. Auf dem fein überholten und lackierten Kajütdeck sitzen Stephan Joachim (49) und seine Frau Annette Gleixner (43), die neuen Eigner des kleinen Seglers, und genießen die Sonne. Viel Zeit haben sie aber nicht, denn an Bord gibt es noch jede Menge Arbeit, außerdem sind beide Musiker, Sänger und Musiklehrer, die ihr täglich Brot mit Unterrichten verdienen.

Beide sind nicht als passionierte Segler zu bezeichnen. Aber sie haben eine besondere Beziehung zur „Rikke“: Das Schiff hatte der einstige FH-Professor Georg Conradi 2009 erworben und auf Vordermann gebracht, unter anderem alle Decks neu mit Oregon-Pine belegt und den Motor überholen lassen. Bis 2013 wurde die „Rikke“, die in Gothmund lag, als Bestattungsschiff eingesetzt. Die letzte Bestattung war die von Stephan Joachims Mutter. Irgendwie, erzählt der Musiker, sei dann der Entschluss gereift, das Schiff zu übernehmen, das Conradi verkaufen wollte – „als Verbindung zwischen Festland und der Grabstelle“.

Als Joachim und seine Frau aus München zurückzogen in Joachims Heimat, wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Conradi begleitete die neuen Schiffseigner, gab wertvolle Tipps und half, wo er konnte.

Inzwischen haben sich die beiden ein wenig „eingefuchst“. Man könne, sagt Annette Gleixner, „schon einiges selbst machen.“ Wie das Kajütdeck des 1935 gebauten Ostseefischkutters, das die beiden abgeschliffen und mehrfach lackiert haben. Hier, wo sie jetzt sitzen, befand sich ursprünglich die Bünn – ein großer Behälter zur Aufbewahrung lebender Fische.

Das Schleifen, Streichen und Ausbessern des Schiffes geht noch in Eigenarbeit. Doch dann, wenn das Schiff einmal zu Wartungsarbeiten auf die Werft muss, können Kosten auf die Eigner zukommen, die für sie einfach zu hoch sind. Das Problem: Anders als für die großen Museumsschiffe gibt es für die „Rikke“ keinen Trägerverein, zudem können Joachim und Gleixner mit ihrem Schiff keine zahlenden Gäste durch die Gegend schippern. Ihre Hoffnung: „Dass jemand unser Schiff so toll findet, dass er uns unterstützt.“

Interesse an dem kleinen Kutter bekunden viele, zumeist Seh-Leute, die durch den Museumshafen schlendern. „Es macht Spaß, einige bleiben stehen, schauen sich das Schiff an und stellen uns Fragen“, erzählt Annette Gleixner. Und Unterstützung in Form guter Tipps erhalten sie von den anderen Skippern/Eignern im Museumshafen wie Hans Fuhrmann („Ellen“), Lutz Kirsten („Fridthjof“) und Rudolf Martens („Krik Vig“).

Weil das nicht reicht, wollen die beiden Künstler beim morgigen Tag des offenen Denkmals noch weiter für ihren Kutter „trommeln“. Sie laden beim „Open Ship“ von 12 bis 14 und von 17 bis 19 Uhr auf die „Rikke“ ein. Gegen 15.30 Uhr soll es noch ein besonderes Spektakel an Bord geben: Dann wollen die beiden Eigner mit anderen Kollegen die Generalprobe für ihre abendliche Lesung aus Goethes Faust II (Beginn 21 Uhr, An der Untertrave 70, Eintritt 15 Euro) auf der „Rikke“ abhalten.

Sabine Risch

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