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Lübeck Die letzte Bombenlücke
Lokales Lübeck Die letzte Bombenlücke
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20:58 13.10.2017
Kein Haus, kein Parkplatz, kein Bolzplatz: die Brachfläche an der Fischergrube (vom Ellerbrook aus gesehen). Quelle: Foto: Hanno Kabel

Der Stadtführer Axel Schattschneider (57) ist mit zwei Lübeck-Besuchern zu Fuß in der Fischergrube unterwegs. Am Ellerbrook steht das Grüppchen vor einem Platz aus zerborstenem Asphalt, begrenzt von einem windschiefen Geländer aus Stahlrohr. Das Grün sprießt aus den Ritzen und Rändern. „Traurig, dass da nichts gebaut wird“, sagt Schattschneider.

Vor 75 Jahren zerstörten Bomben weite Teile der westlichen Altstadt. Fast alle Lücken wurden seitdem geschlossen. Nur dort, wo Fischergrube und Ellerbrook aufeinandertreffen, liegt noch immer eine Fläche brach. Dort sollte schon 2011 gebaut werden. Jetzt wird es wohl bis 2019 dauern.

In dem Karree zwischen Beckergrube, Fischergrube, Ellerbrook und Kupferschmiedestraße ließ der Bombenangriff vom 28. März 1942 kaum einen Stein auf dem anderen. Fast alle Häuser waren zerstört, darunter das Verwaltungsgebäude der Firma Possehl. Fast 70 Jahre dauerte es, bis das Gelände bebaut wurde: 2011 stellte das Unternehmen Big Bau aus Kronshagen bei Kiel den ersten Bauabschnitt fertig, einen Häuserkomplex mit 71 Wohnungen. In einem zweiten Abschnitt sollte das zur Fischergrube hin gelegene Drittel des etwa 2000 Quadratmeter großen Grundstücks bebaut werden – doch daraus ist nichts geworden.

Nicht einmal als Parkplatz wird das Gelände noch genutzt. Manchmal spielen Kinder dort Fußball, manchmal laufen Hunde darauf herum. „Sie sperren die Parkplätze, das kann ja nur heißen, dass sie bauen wollen“, sagt Manfred Finke von der Bürgerinitiative Rettet Lübeck (Birl). Als er vor zwei Jahren bei Big nachgefragt habe, habe er aber keine Antwort bekommen.

Inzwischen gibt es immerhin einen Zeitplan. Der Lübecker Architekt Norbert Hochgürtel, der die Bebauung im Auftrag von Big Bau plant, hatte seine Entwürfe schon lange in der Schublade. „Vor einem Jahr kam die Big wieder auf uns zu“, sagt er. Er rechnet mit einem Bauantrag noch in diesem Jahr. Als realistisches Datum für den Beginn der Arbeiten sieht er Anfang 2019. Die Bauzeit werde etwa anderthalb Jahre betragen.

Warum das Ganze so lange gedauert hat, dazu will sich das Unternehmen Big Bau nicht äußern. In einer Stellungnahme ist wolkig von „unterschiedlichen Themenbereichen“ die Rede, die unter anderem mit Grundbuchrecht zu tun gehabt hätten. Tatsache ist, dass ursprünglich geplant war, das ganze Projekt als Einheit zu gestalten. Der Lübecker Architekt Thomas Jansen, dessen Büro TSJ den 2011 fertiggestellten, ersten Bauabschnitt geplant hat, hatte fertige Entwürfe auch für den zweiten. Aber der Gestaltungsbeirat, ein Gremium von auswärtigen Sachverständigen, das herausragende Bauprojekte in der Stadt kritisch bewertet, war dagegen, das gesamte Areal von nur einem Architekturbüro gestalten zu lassen, und verlangte einen neuen Wettbewerb. Den gewann das Büro HHL von Norbert Hochgürtel.

8,5 Millionen Euro wird Big Bau nach eigenen Angaben investieren – einschließlich einer zusätzlichen Tiefgarage, die laut dem Architekten Hochgürtel über einen Autoaufzug von der Fischergrube aus erreichbar sein wird.

Fischer und Erlen

Die Fischergrube ist in ihrem nördlichen Teil weitgehend im Vorkriegszustand erhalten geblieben. Zur Untertrave hin gibt es dagegen viele Neubauten – darunter traufseitige Backstein-Wohnhäuser aus den 50er Jahren, aber auch ein Hof mit kleinen Reihenhäusern neueren Datums.

Ellerbrook ist das niederdeutsche Wort für Erlenbruch. Von der Vorkriegsbebauung des Sträßchens sind nur fünf kleine Häuser übrig.

Hanno Kabel

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