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Lübeck Die letzten Hortkinder?
Lokales Lübeck Die letzten Hortkinder?
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22:59 01.12.2016
Wollen die Hortbetreuung an der Kita St. Marien behalten: Andrea Hutmann (44, l.) und Sophie Kurth (45) mit ihren Kindern Jan (7), Tara (4) und Henning (9). Quelle: Hanno Kabel

Zwei Kinder von Andrea Hutmann (44) gingen als Grundschüler nachmittags regelmäßig in den Hort der Kita St. Marien. Und ihre Tochter Tara (4), jetzt noch ein Kindergartenkind, soll dem Beispiel der Geschwister folgen, wenn sie 2018 in die Schule kommt. So wünscht es sich Andrea Hutmann. Dazu wird es aber nach den Plänen der Stadt nicht kommen. „Im Elternbeirat hat man uns im Oktober vertraulich gesagt, dass der Hort geschlossen wird. Im November kam dann die offizielle Info.“ Jetzt suchen sie und andere Hort-Eltern die Öffentlichkeit, um die Schließung noch aufzuhalten.

Schon seit Jahren baut die Hansestadt Lübeck Hortplätze ab – zugunsten der Nachmittagsbetreuung in den Grundschulen. „Horte werden dort abgebaut, wo die Betreuung an den Schulen sichergestellt ist und die Hortnachfrage zurückgeht“, teilt der Fachbereich Kultur und Bildung auf Anfrage schriftlich mit. 237 Hortplätze gab es nach Angaben der Verwaltung im vergangenen Schuljahr – zehn Jahre zuvor waren es noch 830. In den Schulen dagegen werden zurzeit 3752 Kinder nachmittags betreut, Tendenz steigend.

In der Kita St. Marien gibt es zwei Hortgruppen mit 29 Kindern. Die erste läuft zum 31. Juli 2018 aus, die zweite ein Jahr später. Für die Kinder will die Stadt Plätze in der Nachmittagsbetreuung der Marienschule schaffen, von der fast alle Hortkinder kommen. Die Elternvertreter glauben nicht, dass das geht. „In der Konstellation Marienschule ist das nicht umsetzbar“, sagt Sophie Kurth (45), von Beruf Architektin und Bauleiterin, deren drei Kinder den Hort besuchen oder besucht haben. „Weil der Bau das nicht hergibt. Brandschutz, WCs, . . . – das ist in drei Jahren nicht machbar.“

Joachim Karschny, Geschäftsführer des Jugendhilfe-Trägers Kinderwege, hält drei Jahre für mehr als ausreichend. Kinderwege betreibt die Betreuung an zwölf Grundschulen, darunter der Marienschule. „Wir sind da ganz entspannt. In der Regel haben wir ein halbes Jahr Vorlauf“, sagt Karschny. „In der Domschule haben wir das ganze Souterrain ausgebaut.“ Wenn der Platz in der Marienschule nicht reichen sollte, könnte Karschny sich eine Ausweitung in die Räume des benachbarten Förderzentrums Berend-Schröder- Schule vorstellen – unabhängig davon, ob diese, wie von Bildungssenatorin Kathrin Weiher geplant, eines Tages umzieht.

Sophie Kurth dagegen fürchtet einen „enormen Qualitätsverlust“ – wegen des schönen Außengeländes, der eigenen Küche und des Betreuungsschlüssels an der Kita St. Marien.

Auch Karschny bestreitet nicht: Die Standards für Hortbetreuung liegen über denen für die Ganztagsbetreuung in Schulen. Für Horte gibt es klare Bestimmungen in der Kindertagesstätten- und -tagespflegeverordnung, wonach zum Beispiel auf eine Gruppe von 15 Kindern 1,5 Erzieherinnen kommen müssen.

Für die Ganztagsbetreuung an Schulen gibt es nur eine Richtlinie des Bildungsministeriums, in der über den Betreuungsschlüssel und die Ausstattung nichts Konkretes steht. „Wir haben verzweifelt versucht, irgendwelche Standards reinzuverhandeln“, sagt Karschny. „Eigentlich wünsche ich mir den Hortstandard an Schulen.“

Während die Stadt nur mit der sinkenden Nachfrage nach Hortplätzen argumentiert, spricht Karschny offen aus, dass es auch um Geld geht: Die Stadt müsse die Hortplätze abbauen, um ihr Konzept „Ganztag an Schulen“ zu finanzieren – und dabei die soziale Staffelung der Gebühren beizubehalten. Bisher kommt dafür der hauptsächlich von Stiftungen getragene Lübecker Bildungsfonds auf, aber das wird nach Karschnys Einschätzung nicht so bleiben.

Beim Kitawerk, dem kirchlichen Träger der Kita St. Marien, hat man sich mit dem Verlust der Hortplätze abgefunden. „Dass die Eltern so zufrieden sind, rührt mich sehr“, sagt die Pädagogische Leiterin Nadine Wiederhold. Aber der Auftrag der Stadt sei für sie „bindend und auch nachvollziehbar“. Die Hortplätze in der Kita werden durch Elementarplätze (für Kinder von drei Jahren bis zur Einschulung) ersetzt. „Damit kann ich das Personal weiterbeschäftigen.“

 Hanno Kabel

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