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Lübeck Die mutigen Helden von Hamburg
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22:28 06.09.2016
Spezielles Team für spezielle Einsätze: Frank Henze (v. l.), Jörn Steinke, Stefan Reinecke, Gruppenführer Dennis Langhoff, Sven Bandholz und Einsatzleiter Andreas Wulf wissen, was zu tun ist, wenn es auf hoher See oder im Hafen brennt. Quelle: Fotos: Elisabeth Riedel, Dpa (2)
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Die Anspannung ist bei den Männern der Berufsfeuerwehr Lübeck wie weggeblasen. Dabei haben sie die Szenen von entgegenschlagenden Flammen noch deutlich vor Augen. Gleich zweimal musste die Spezial-Truppe der Schiffsbrandbekämpfer nämlich in der vergangenen Woche nach Hamburg ausrücken. Dort unterstützten die Lübecker die Löscharbeiten auf dem Containerschiff „CCNI Arauco“.

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Zwei Mal rückte eine Spezialeinheit der Lübecker Feuerwehr zu einem Großbrand am Waltershofer Hafen aus.

Am Donnerstagmittag kam die Meldung: Auf dem etwa 300 Meter langen Containerschiff im Hamburger Hafen brannte es im hinteren, unteren Teil lichterloh. Die Hamburger Feuerwehr löste einen Alarm der Stufe 5, die zweithöchste Einsatzstufe, aus. Das Havariekommando in Cuxhaven übernahm die Einsatzleitung. Das greift auf besonders geschulte Brandbekämpfungseinheiten wie die aus Lübeck zurück.

Kurz nach 15 Uhr machen sich Einsatzleiter Andreas Wulf und sein neunköpfiges Team auf den Weg zum Waltershofer Hafen. Die Lage: Etwa 36 Container brennen im unteren Bereich, unterhalb des Wasserlinie. Ein schwer zugänglicher Bereich, aufgeheizter Stahl und schlechte Sicht machen das Ganze zu einer komplexen Aufgabe, erklärt Wulf. „Hauptsächlich waren wir mit Kühlungsarbeiten der betroffenen Ladeluke beschäftigt.“ Doch ein weiterer Punkt macht den Männern zu diesem Zeitpunkt Sorgen: „Das Feuer drohte sich Richtung Maschinenraum auszubreiten“, erklärt Wulf. Eine Katastrophe:

„Das würde für das Schiff quasi den Tod bedeuten, da sich dort die ganze Elektronik befindet. Das Licht fällt aus, wir können die Wärme nicht abführen, es wird zu dunkel – und damit noch schwerer zu arbeiten.“ Zum Glück können sie ein Ausbreiten des Feuers aber verhindern. Allein vier Stunden dauern die Kühlungsmaßnahmen.

Für solche Einsätze ist die Truppe gut gerüstet: Eine ganze Wagenladung mit Langzeit-Atemschutzmasken, Wärmebildkameras, Schaummitteln und medizinischer Ausrüstung wurde dem Team vom Havariekommando zugestellt. Mit an Bord auch das sogenannte Cold-Cut-Cobra-System, ein Schneidlöschgerät, das Löschwasser unter hohem Druck durch die verschiedensten Baumaterialien schneiden lässt. Auf die „Cobra“

wird die Truppe im Laufe der Arbeiten noch zurückgreifen. „Für uns ist es sehr wichtig, für solche Einsätze optimal ausgerüstet zu sein“, erklärt Gruppenführer Dennis Langhoff. Natürlich ginge es dabei auch um die Sicherheit der Einsatzkräfte. „Die Bedingungen sind schon enorm da drin, es ist unglaublich heiß, das Feuer riesig und schwer zu kontrollieren.“

Der Plan: Die Ladeluke, in der die betroffenen 36 Container standen, luftdicht zu schließen und somit der Luke den Sauerstoff nehmen, um den Raum mit CO2 zu fluten. Die Idee geht jedoch nicht auf, zu sehr war der Stahl der aufgeheizten Luke schon verzogen Also kommt Plan B und damit die „Cobra“ ins Spiel: Mit 5000 Kubikmetern Wasser fluten die Feuerwehrmänner die betroffene Luke. Damit können immerhin zweieinhalb Container mit Wasser überschwemmt werden. Dreieinhalb weitere stehen noch in Flammen. Also sprühen sie eine etwa zehn Meter hohe Schaumdecke auf die Container. „Der Pluspunkt dabei war, dass sich die Umgebung deutlich abkühlte, was ja das Hauptziel war.“ Erst gegen 23 Uhr wird die Truppe abgelöst. „Uns war aber fast klar, dass wir nochmal kommen müssen“, erinnert sich Einsatzleiter Wulf. So ein Großbrand dauere eben einige Tage.

Am Sonnabend ging es also nochmal nach Hamburg. Die Lübecker Feuerwehrleute kontrollierten die Glutnester und hoben die Container aus dem Laderaum heraus. „Das war sehr anstrengend, unter diesen Bedingungen zu arbeiten“, gibt Gruppenführer Langhoff schmunzelnd zu. „Das sei eben der Job, das Mutigsein“, erklärt Wulf. „Wenn andere vor der Gefahr weglaufen, rennen wir hin.“

Die Einsatztruppe

55 Feuerwehrmänner in Lübeck sind in der Schiffsbrandbekämpfung geschult.

Schiffsbrandbekämpfer benötigen eine zusätzliche Ausbildung, in der sie mit den Bedingungen auf hoher See und in Hafengebieten vertraut gemacht werden.

Schneidlöschgeräte wie die „Cold- Cut-Cobra“ kommen bei Einsätzen häufig zum Einsatz. Das erhöht die Sicherheit von Einsatzkräften und Arbeitsumfeld, da der Brand von der Außenseite des Gebäudes bekämpft werden kann.

Elisabeth Riedel

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