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Lübeck Die neue Müllabfuhr: Mehr Service, mehr Tonnen
Lokales Lübeck Die neue Müllabfuhr: Mehr Service, mehr Tonnen
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22:18 21.07.2016
Patrick Storch (l.) und Benjamin Schröder rollen graue Tonnen zum Mülllaster. In Teilen der Stadt bieten die EBL einen Vollservice. Gefäße werden aus Häusern geholt und zurückgestellt. Künftig holen die Männer Sperrmüll aus der Wohnung – gegen eine Extragebühr. Quelle: Fotos: Wulff, Maxwitat

Der Umzug steht vor der Tür und der Sperrmüll muss raus: Wer seinen sperrigen Abfall nicht ins Auto packen und zum Wertstoffhof fahren kann, ist bisher auf die Terminvergabe der Entsorgungsbetriebe (EBL) angewiesen. Zwei Mal im Jahr wird das alte Zeug kostenlos abgeholt. Wer es künftig schneller braucht, kann Expresstermine vereinbaren – gegen eine Extragebühr. Die Müllmänner kommen auf Wunsch sogar in die Wohnung und nehmen auch Elektrogroßgeräte mit, die nicht auf den Sperrmüll gegeben werden dürfen. „In größeren Städten ist das ein übliches Angebot“, sagt EBL- Chef Jan-Dirk Verwey.

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Entsorgungsbetriebe planen flexiblere Angebote und wollen zusätzliche Gefäße einführen – Mitarbeiter holen Sperrmüll aus der Wohnung ab – Kofferraumgebühr wird abgeschafft.

Das soll es auch in Lübeck werden. Die Entsorgungsbetriebe wollen mit neuen Maßnahmen ihren Service für die Bürger deutlich verbessern. Die zuständigen Politiker sind informiert, im November soll die Bürgerschaft grünes Licht für die Neuerungen geben, die dann zum 1. Januar 2017 in Kraft treten. Bis dahin wissen die EBL auch, wie viel der neue und zusätzliche Service kosten soll. Derzeit sei der Preis für zwei Müllmänner, die die ausgediente Waschmaschine aus der Wohnung abholen, noch nicht klar, sagt Manfred Rehberg, Spartenleiter Stadtreinigung.

Immer wieder fragen Bürger nach zusätzlichen Biotonnen. „Das ist ein großes Thema“, weiß EBL- Chef Verwey, „in den letzten Jahren hatten wir viele Anträge auf zusätzliche Gefäße.“ Auch die Fachpolitiker im Werkausschuss der Entsorgungsbetriebe hätten auf eine Lösung gedrängt. Bisher gilt das Eins-zu-eins-Prinzip: Für eine graue Tonne gibt es ein braunes Gefäß in gleicher Größe. Gegen eine Gebühr sollen Bürger weitere braune Gefäße unterschiedlicher Größe ordern können.

Selbstkompostierer können sogar einen Abschlag auf ihre Restabfallgebühr erhalten, wenn sie nachweislich sämtliche Bioabfälle inklusive Speisereste auf ihrem Grundstück kompostieren und das Endprodukt auf ihrem Grundstück verwerten. Den EBL geht es dabei nicht nur um besseren Service, sie haben auch eigene Interessen im Blick. Im Restabfall der Lübecker sind immer noch jährlich 16

000 Tonnen Biomüll enthalten. Der soll abgeschöpft werden, um daraus noch mehr Biogas und Kompost zu gewinnen. Mit beidem verdienen die EBL Geld.

Verbesserungen soll es bei den Saisonbehältern geben, die vor allem Gaststätten in der Tourismussaison nutzen. „Heute haben wir ein kompliziertes Verfahren und einen hohen, bürokratischen Aufwand“, sagt EBL-Direktor Verwey, „die Kunden müssen die Behälter bestellen und am Saisonende wieder abbestellen, wir fahren die Behälter hin und holen sie wieder ab.“ Künftig soll es für alle Müllarten einen Saisonbehälter geben, der eben nur während der Saison auch geleert wird – gegen eine reduzierte Gebühr. Gewerbebetrieben auf der Altstadtinsel soll die Entsorgung von Altpapier und Kartonagen erleichtert werden. Zwei bis drei Mal pro Woche sollen abends die Bündel abgeholt werden. Das erledigen derzeit zum Teil private Firmen, „aber das ist nicht durchgängig organisiert“, sagt Verwey.

Papier bleibt über Nacht liegen, weht durch die Straßen und verschmutzt die Stadt. Geplant sei zunächst ein Versuch der Bündelsammlung.

Die Mengen des über die blauen Tonnen eingesammelten Altpapiers sollen gesteigert werden. Derzeit fallen 13000 Tonnen jährlich an, Spartenleiter Rehberg schweben 15 000 Tonnen vor. Im ersten Schritt wollen die EBL bei großen Wohnanlagen mit vierrädrigen Papier-Containern einen Vollservice einführen. Müllmänner rollen die 1,1 Kubikmeter fassenden Behälter an die Straße und wieder zurück.

Was bei Bio- und Restmüll in Teilen der Stadt selbstverständlich ist, ist nach aktueller Abfallsatzung bei den Papiertonnen nicht möglich. Sollte sich der Vollservice bei Papier bewähren, könnte er auf die blauen Zweiradbehälter ausgeweitet werden.

Zu den geplanten Änderungen gehört die Schadstoffsammlung. Das Schadstoffmobil soll künftig in allen zehn Stadtteilen (bisher fünf Standorte) mindestens zwei Mal im Jahr vorfahren. Außerdem wollen die EBL ein neues Servicemobil einsetzen, an dem Bürger Sperrmüll beantragen, Abfallsäcke kaufen und gelbe Säcke holen können.

Auf den Wertstoffhöfen werden einheitliche Öffnungszeiten eingeführt – an sechs Tagen in der Woche. Außerdem schaffen die EBL die Kofferraumgebühr ab. Bisher zahlen Anlieferer fünf Euro je Kubikmeter. Spartenleiter Rehberg: „Man kann niemandem mehr erklären, warum er dafür zahlen soll, dass er seinen Müll abliefert.“

EBL fragt Kunden

120000 Tonnen stehen bei den Bürgern und Betrieben der Hansestadt. In 48000 Gefäßen wird Restmüll eingesammelt, in 35 000 Behältern Bioabfall und in 33 000 Tonnen Papiermüll.

Die Entsorgungsbetriebe (EBL) bereiten eine Online-Umfrage vor, mit der sie Wünsche, Sorgen und Anregungen der Lübecker zu den geplanten Änderungen der Abfallsatzung erfragen wollen. Ende Juli wird die Umfrage auf der Internetseite der Entsorgungsbetriebe (www.entsorgung.luebeck.de) freigeschaltet und läuft gut vier Wochen.

 Kai Dordowsky

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