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Lübeck Die sieben Türme im Blick
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20:10 18.10.2017
Seit 1975 steht eine Sonnenuhr oberhalb der Liegewiese. Christopher Bluhm hofft, dass sie dort auch in 30 Jahren noch stehen wird. Der Blick auf die Altstadt wird sich sicherlich nicht verändern – zumindest nicht, wenn man Ärger mit der Unesco vermeiden möchte. Quelle: Foto: Lutz Roessler
St. Gertrud

Nur ein Blick, und Christopher Bluhm weiß, dass er zu Hause ist. Der 30-Jährige steht neben der Sonnenuhr am Tor der Hoffnung und blickt über die Wakenitz Richtung Altstadt. Bluhm ist Lübecks elfter Welterbe-Botschafter und der Erste, dessen Lieblingsort außerhalb der Altstadt liegt.

Der Lieblingsort von Christopher Bluhm liegt nicht im Welterbe, die Unesco schützt ihn trotzdem.

Steckbrief

soll mein Lieblingsort exakt so aussehen wie jetzt

Eine Serie, zwölf Botschafter

Einmal im Monat zeigt ein Welterbe-Botschafter in den LN seinen Lieblingsort in der Altstadt. Hintergrund kann eine persönliche Geschichte oder ein ausgeprägtes Interesse für einen Ort sein.

Jeder Welterbe-Botschafter feiert in diesem Jahr den 30. Geburtstag, genauso wie der Unesco-Welterbetitel.

Unter www.plötzlich30.de gibt es Informationen zu Jubiläumsveranstaltungen.

Das ist ein wenig gegen die Regeln – aber wirklich nur ein wenig: Zum Unesco-Welterbe zählen bekanntermaßen etwa zwei Drittel der Lübecker Altstadt, und eigentlich werden in dieser Serie auch nur Orte innerhalb der Unesco- Welterbe-Zone vorgestellt. Doch außerhalb der Altstadt gibt es auch Bereiche, die indirekt unter dem Schutz der Unesco stehen. Die sogenannte Pufferzone besteht aus mehreren ausgesuchten Gebieten, die eine direkte Sicht auf die Altstadt gewähren. Sie unterliegen baulichen Bestimmungen, um das Welterbe zu bewahren. Der Drägerpark und die Wiese unter dem Tor der Hoffnung gehören dazu. Christopher Bluhm sieht von hier aus die Türme der Marienkirche, die Jakobikirche – und hätte der Herbst den Bäumen schon mehr Blätter geraubt, sähe er wahrscheinlich noch viel mehr von der Stadtsilhouette.

„In der Pufferzone müssen die Sichtachsen und Blickbeziehungen zur Altstadt mit den sieben Türmen geschützt oder wiederhergestellt werden“, erklärt Achim Selck, stellvertretender Abteilungsleiter des Bereichs Stadtplanung. Konkret bedeutet das vor allem: Es darf nicht zu hoch gebaut werden.

Angelegt wurde die Wiese unter dem Tor der Hoffnung übrigens in den 30er Jahren. Der Lübecker Kaufmann Rodolfo Groth erwarb damals das Gelände bis zur Wakenitz hinab und ließ die Wohnanlage Tor der Hoffnung bauen. Den Hang wandelte er in einen öffentlichen Park um.

Für Christopher Bluhm ist der Blick von dort auf die Skyline ein wichtiger, aber nicht der einzige Grund für die Wahl seines Lieblingsortes: „Ich habe hier früher oft mit Freunden gechillt, einmal bin ich in Frischhaltefolie gewickelt den Hügel heruntergerollt“, erzählt er. Eine von vielen etwas „spätpubertären Aktionen“ nach dem Vorbild der amerikanischen Fernsehserie „Jackass“ sei das gewesen. Viele heute 30-Jährige werden sich daran erinnern – mit einem Grinsen, Kopfschütteln oder Schaudern. Dem Spaß an den Stunts von Johnny Knoxville ist Bluhm heute längst entwachsen. Die Freude am Blick auf die Altstadt ist geblieben.

Der Schutz der Stadtsilhouette gilt nicht nur innerhalb der Pufferzone. Auch im Lübecker Umland müssen spezielle Sichtachsen gewahrt bleiben – weshalb beispielsweise 2013 über den Aufbau eines Mega-Windparks in Stockelsdorf, also direkt vor den Toren der Hansestadt, gestritten wurde. Einer dieser sogenannten Spots ist auch dem Welterbe-Botschafter besonders wichtig. Mehrmals im Jahr fährt der 30-Jährige zu einem „Orkgelage“ nahe Bad Segeberg. „Ich mache leidenschaftlich gern Rollenspiele“, erklärt er. „Und auf dem Rückweg gibt es an der A 20 bei Mönkhagen einen tollen Panorama-Blick. „Nach drei Tagen Rollenspiel macht mir dieser Anblick deutlich, dass ich jetzt wieder in die Realität zurückkehre.“ Zurück zur Familie und in die Heimatstadt.

Geht es nach Christopher Bluhm, soll der Welterbe-Titel weiterhin die Sicht auf die Altstadt schützen. Sein Lieblingsort soll sich in den nächsten 30 Jahren nicht verändern. Die Sonnenuhr am Rande der Parkanlage steht dort seit 1975. Gestiftet wurde sie von der Stiftung der Lübecker Handwerkskammer. „Mein Vater hat mir diese Uhr erklärt“, sagt Bluhm. „Es wäre schön, wenn der Park noch immer so aussieht, wenn ich sie meinen Kindern erkläre.“

Luisa Jacobsen

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