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Lübeck Die vier Phasen des Stromausfalls
Lokales Lübeck Die vier Phasen des Stromausfalls
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21:18 16.05.2018
Von Hanno Kabel

Erste Phase: Hektik. Im ersten Augenblick denkst du: Verdammter Mist! Nach einer Minute denkst du: Mal gucken, ob das Licht nebenan auch nicht geht. Nach fünf Minuten: Ich ruf schnell zu Hause an.

Nach fünfeinhalb Minuten: Dann eben nicht. Zehn Minuten: Ob der Strom heute noch wieder fließt? Viertelstunde: Mir ist langweilig. 20 Minuten: Mal gucken, ob’s in der Kantine noch was Warmes gibt.

Halbe Stunde: O Gott, der Tiefkühlfisch! Ich ruf schnell zu Hause. . . ach, Mist!

Zweite Phase: Reflexion. Du fragst dich: Wann haben die Menschen hier zuletzt ohne elektrischen Strom gelebt? Vor 150 Jahren so etwa? Wer sagt denn, dass wir besser leben? Nur weil wir Computer und elektrische Zitronenpressen haben? Du machst im Kopf (oder mit Bleistift auf Papier) eine Liste der Dinge, die man ohne elektrischen Strom tun kann: essen, schlafen, lesen, schreiben, Fußball spielen, Klavier spielen, Theater spielen, Fahrrad fahren, ganz zu schweigen von. . . Was würde mir denn fehlen ohne Strom?

Dritte Phase: Akzeptanz. Nach dreieinhalb Stunden beginnst du, dich auf ein neues Zeitalter einzustellen. Eine Weile, sinnierst du, können wir von den Produkten des Elektrischen Zeitalters zehren.

Aber irgendwann, wenn die mit elektronisch gesteuerten Präzisionsmaschinen gefertigten Töpfe, Stühle, Gläser, Hosen kaputt sind, müssen wir wieder lernen, Eisen zu schmieden, Holz zu leimen, Glas zu blasen, Tuch zu weben. Wir werden geläutert, unserer eigenen Hände Arbeit macht uns zu ganzen Menschen, . . .

Vierte Phase: Neustart. Das Licht geht an. Der Server brummt. Auf dem Handy ploppen 27 Whatsapp-Nachrichten auf. Gott sei Dank!

LN

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