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Lübeck Die zierliche Frau mit den starken Muckis
Lokales Lübeck Die zierliche Frau mit den starken Muckis
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09:45 17.05.2016
Training im Mc City Gym: Christine Voß stemmt knapp eine Woche nach der Deutschen Meisterschaft Acht-Kilo-Hanteln. Quelle: Wolfgang Maxwitat

St. Lorenz Nord. Wer Christine Voß im Winter sieht, eingemummelt in einen locker sitzenden Pulli, könnte sie für eine ganz normale, sehr zierliche Frau halten. Doch wenn sie ein T-Shirt trägt, wird sehr schnell klar: Die Frau macht Bodybuilding. Und zwar nicht ein bisschen, sondern ganz gewaltig und sehr diszipliniert. Kein Gramm Fett auf den Rippen, dafür aber sehr klar definierte Muskeln dort, wo andere Frauen weichere Rundungen haben. Bei den Deutschen Meisterschaften in Wiesloch (Baden-Württemberg) hat sie gerade erst am vergangenen Wochenende in der höchsten Damen-Klasse „Physique“ den fünften Platz gemacht. „Ich hätte niemals gedacht, dass ich in meiner ersten Wettkampfsaison gleich zur Deutschen Meisterschaft fahren darf“, sagt die 40-jährige Fitnesstrainerin und strahlt, während sie ihren Pokal zeigt.

 

Kein Fett, nur Muskeln: Chrissy vor einer Woche bei der Deutschen Meisterschaft. Quelle: Body-Xtreme

Eine tolle Leistung. Doch nicht jeder findet das gut – viele denken spontan an mega-muskelbepackte Frauen, die eher wie Männer aussehen. In den 1980er-Jahren, als Bodybuilding seinen Boom erlebte, gab es etliche davon. „Man hat’s inzwischen runtergefahren“, sagt Christine, genannt Chrissy, „damit man noch fraulich aussieht.“ Aber auch Andreas Kröplin (56), der seit 1982 das Studio Mc City Gym an der Fackenburger Allee führt und Landesvorsitzender des Deutschen Bodybuilding- und Fitnessverbandes ist, räumt ein: „Frauen-Bodybuilding mag man oder mag man gar nicht.“ Klar, sie werde schon öfter von Männern angesprochen, „und manchmal bekomme ich auch komische Sprüche zu hören. Aber ich stehe dazu, und ich liebe es“, sagt sie selbstbewusst.

Viel Sport habe sie schon immer gemacht, früher auch Kampfsport, seit ihrem 16. Lebensjahr Kraftsport. „Es ist toll zu merken, wie man den Körper in Form bringen kann“, nennt sie einen Grund für „ihren“ Sport. Außerdem: „Ich mag Muskeln.“ Doch gerade bei Frauen geht das nicht so leicht mit den Muskeln, das sei „Arbeit, Arbeit, Arbeit“, erklärt Andreas Kröplin. Fünfmal die Woche trainiert Chrissy je zwei Stunden Hanteln, zweimal pro Woche kommt Ausdauertraining hinzu. Vor den Wettkämpfen, räumt sie ein, trainiere sie auch zweimal täglich.

Doch das Üben allein reicht nicht aus – eine detailliert abgestimmte Ernährung ist unabdingbar. Viel Protein müssen Kraftsportler zu sich nehmen – ohne Eiweißdrinks gehe das nicht, „denn so viel kann man gar nicht essen, um das über Nahrung in den Körper zu bekommen“, erklärt sie. Besonders abwechslungsreich ist der Speiseplan nicht: Meist beschränkt sich die warme Mahlzeit auf Broccoli, Reis und Hühnchen. Oder Fisch. Auch der Wasserhaushalt muss sorgfältig reguliert werden, kurz vor dem Wettkampf wird auch schon mal aufs Trinken verzichtet, damit der Körper nicht so aufgeschwemmt ist und die Muskeln klar hervortreten.

Schinderei? Christine Voß „mag Training, ich mag Disziplin. Für mich ist das mehr als Sport, es ist eine Philosophie.“ Vor einigen Jahren habe sie eine schwere Zeit durchzustehen gehabt, „da hat mir das Training Halt gegeben und dazu beigetragen, wieder Freude am Leben zu haben.“

Und sie hat Erfolg, denn bei der „Newcomer“ in Fulda und bei den Berliner Meisterschaften wurde sie gleich in ihrer ersten Saison jeweils Zweite – und qualifizierte sich dadurch für die Deutschen Meisterschaften in Wiesloch. Aus ihren ersten Wettkämpfen hat sie Kontakte, teils sogar Freundschaften mit anderen Bodybuilderinnen mitgebracht. „Das ist manchmal viel mehr wert als irgendein Pokal.“

Die Reisen zu den Wettkämpfen, die speziellen Outfits, das gesamte Drumherum – alles zusammen sei doch sehr teuer und funktioniere nicht ohne Unterstützung durch Sponsoren. Genauso wichtig ist jedoch die Unterstützung mentaler Art – durch ihre Mutter, Freunde und Trainer Georg Manzat. „Danke“, sagt Chrissy, „ohne eure Hilfe hätte ich das nicht geschafft.“ Sie selbst möchte übrigens anderen Frauen Mut machen, „dass man auch mit 40 sportlich noch einiges erreichen kann“. Vielleicht kann sie sich für die Europameisterschaft 2017 qualifizieren. „Wenn ich das schaffe“, sagt sie lachend, „dann ziehe ich vor mir den Hut.“

Frauen und Bodybuilding

3 Wettkampfklassen gibt es im Bodybuilding für Frauen: Die Bikini-Klasse ist die erste, laut Andreas Kröplin haben die Teilnehmerinnen eine Figur wie Model Heidi Klum. Die nächste ist die Fitness-Figurklasse, die höchste die Frauen Physique.

Frauen aus allen Bundesländern traten zur Deutschen Meisterschaft an, in einem Vorentscheid qualifizierten sich die besten sechs fürs Finale. Der Wettbewerb besteht aus verschiedenen Posen – „für mich“, sagt Chrissy, „ist das der schwerste Part. Das muss ich noch üben.“ Danach folgt die Kür, bei der die Teilnehmerinnen zu Musik in einer kleinen Choreografie zeigen, was sie zu bieten haben.

400 Wettkampf-Lizenzen fürs Bodybuilding gab es im Bundesverband vor vier oder fünf Jahren, 2015 waren es bereits 1500. Für Andreas Kröplin ein Zeichen, dass es mit Bodybuilding wieder aufwärts geht.

 Sabine Risch

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