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Lübeck Diebstahl innerhalb der Polizei: Beamter steht vor Gericht
Lokales Lübeck Diebstahl innerhalb der Polizei: Beamter steht vor Gericht
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Der Polizist, der seine Kollegen bestohlen haben soll, muss sich jetzt vor Gericht verantworten Quelle: dpa

Der Polizist, der seine Kollegen bestohlen haben soll, muss sich jetzt vor Gericht verantworten. Der Beamte vom 1. Revier in der Altstadt steht im Verdacht, vor mehr als einem Jahr im großen Stil Dienstkleidung entwendet und diese dann im Internet verkauft zu haben (die LN berichteten). In Ermittlerkreisen wurde der Vorfall damals als „beschämend“ und „unhaltbar“ bezeichnet. Doch nicht nur die Kollegen hatten unter den Diebstählen zu leiden, auch die Käufer sehen womöglich ihr Geld nicht wieder.

Laut Oberstaatsanwalt Günter Möller muss sich der 28-jährige Björn K. wegen 61 einzelner Handlungen vor dem Amtsgericht verantworten. Die Anklage lautet auf besonders schweren Diebstahl und Betrug.

„Die Höhe des Gesamtschadens ist noch nicht ganz klar“, sagt Möller. Der Beamte aus dem mittleren Dienst hatte sich nach LN-Recherchen zufolge Mitte Mai 2012 bei Ebay angemeldet und Pullover, Hemden, Jacken sowie neongelbe Wetterschutzjacken der Polizei angeboten. Die Preise reichten von 25 Euro für ein Hemd bis hin zu 129 Euro für eine Signaljacke — teilweise sollen auch 180 Euro erzielt worden sein. Offenbar hatte Björn K. die Umzugswirren innerhalb der Mengwache genutzt, um die Ausrüstung mitgehen zu lassen. Im Sommer wechselten die Ermittler provisorisch in die Alte Seefahrtschule, da das Cityrevier momentan saniert wird.

Vanessa D. war damals eine der Ebay-Kundinnen. Die große Leidenschaft der 25-Jährigen gilt der Polizeiarbeit, als Sammlerin hat sie bereits einige Kleidungsstücke legal in ihrem Besitz. „Er meinte, alles sei in Ordnung“, sagt die angehende Lehrerin. „Ihm würden die Sachen bloß nicht mehr passen.“ D. hatte damals keinen Grund für Zweifel, kaufte eine Signal-, eine Regen- und eine Strickjacke für insgesamt 150 Euro. Auch die Hoheitsabzeichen wie „Polizei“ und das Landeswappen konnten „gegen Aufpreis nach Auktionsende erworben werden“, hieß es im Angebot.

Die Diebstähle flogen im September 2012 auf. Als sich die Kriminalpolizei bei Vanessa D. meldete, erfuhr sie schließlich von dem Schwindel. „Es war nicht ersichtlich, dass das Angebot nicht koscher war.“ Die 25-Jährige machte ihre Aussage, stellte den Mailverkehr zur Verfügung und gab die drei Jacken zurück. „Das Geld habe ich allerdings bis heute nicht wiederbekommen.“ Da D. damals per Überweisung gezahlt hatte, konnte sie es sich auch nicht zurückerstatten lassen. „Ich habe es mittlerweile abgeschrieben.“

Nach Bekanntwerden der Diebstähle wurde der 28-Jährige vom Dienst freigestellt und ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet. Zur derzeitigen Situation schweigt das Landesinnenministerium in Kiel. „Disziplinarverfahren sind Personalangelegenheiten“, sagt Sprecher Thomas Giebeler. „Wir geben weder Auskünfte zum Stand noch zum Ergebnis.“ Fest steht nur: Das Disziplinarverfahren ruht solange, bis ein rechtskräftiges Urteil vorliegt.

Sollte der Polizist vom Amtsgericht verurteilt werden, drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft. Dann würde er auch automatisch aus dem Dienst ausscheiden und seinen Beamtenstatus verlieren — rechtlicher Standard bei Freiheitsstrafen ab einem Jahr. „Das muss letztlich der Prozess ergeben“, sagt Oberstaatsanwalt Möller. Bislang wurde nur die Anklageschrift verlesen, eine Prognose gibt er daher nicht ab. Möller: „Der Angeklagte will aber wohl in der nächsten Sitzung aussagen.“ Das könnte sich strafmildernd auswirken.

„Es war nicht ersichtlich, dass das Angebot nicht koscher war.“
Geschädigte Vanessa D.

Peer Hellerling

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