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Lübeck Die Kehrmaschine ist ein Elektromobil
Lokales Lübeck Die Kehrmaschine ist ein Elektromobil
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20:42 29.05.2018
Im Vergleich: Links steht die neue, elektrisch betriebene Kehrmaschine. Rechts das Dieselfahrzeug. Vom Aussehen her unterscheiden sie sich nur wenig. Wesentlicher Unterschied ist der Antrieb. Quelle: Fotos: Lutz Roessler
St. Jürgen

Auf den ersten Blick ist das neue Schmuckstück der Entsorgungsbetriebe nicht von den herkömmlichen Maschinen zu unterscheiden. Vorne die drahtigen Kehrwerkzeuge, hinten eine knallig orangene Verschalung über Auffangbehälter und Motor. Aber: Die inneren Werte sind verschieden.

Eine vollelektrische Kehrmaschine ist die neuste Anschaffung der Entsorgungsbetriebe Lübeck (EBL). In Norddeutschland ist sie die erste und einzige Maschine ihrer Art, die im Regelbetrieb eingesetzt wird. Leise und umweltschonend wird sie fortan die Straßen der Hansestadt kehren.

„Der wesentliche Unterschied zu einer herkömmlichen Maschine ist der Antrieb. Vollelektrisch natürlich“, betont der Abteilungsleiter der Straßenreinigung, Tino Martsch. Mit ihrem Hochleistungsakku könne sie eine komplette Arbeitsschicht von acht Stunden bewältigen, ohne neu geladen zu werden. Das entspreche etwa dreißig Kilometern, die das Fahrzeug zurücklegt. Saugkraft und Fegeleistung unterscheiden sich nicht von den baugleichen Dieselmaschinen. „Zu über neunzig Prozent wird die E-Kehrmaschine in der Lübecker Altstadt eingesetzt“, sagt Martsch. Das freut neben Anwohnern auch den Fahrer, denn die Maschine ist sehr leise, erzeugt deutlich weniger Vibrationen und ist CO2-neutral.

„Im Moment hat die Elektromobilität den Nachteil, dass die Batterien noch sehr teuer sind“, erklärt Jan-Dirk Verwey, Direktor der Entsorgungsbetriebe Lübeck. Jedoch konnte das Projekt mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie finanziert werden. Dadurch ist der Einsatz der vollelektrischen Kehrmaschine von Anfang an eine wirtschaftliche Investition. Laut einer internen Wirtschaftlichkeitsrechnung haben die Entsorgungsbetriebe keine Mehrkosten durch die Anschaffung im Vergleich zu einem konventionellen Fahrzeug. Bezüglich der Betriebskosten sei die Elektromobilität deutlich günstiger, so Verwey.

Ende 2016 haben die EBL die Elektrokehrmaschinen der Firma Bucher erstmalig getestet. Zuvor waren es hauptsächlich elektronische Transporter, die bei ihnen im regulären Einsatz waren. Die E-Kehrmaschine ist nun das erste Nutzfahrzeug.

Seit Mitte April ist die neue Maschine offiziell auf den Straßen der Hansestadt im Einsatz. „Da wir den Strom aus Abfall und Abwässern in unseren Anlagen selbst produzieren, sparen wir eine Menge an Kohlenstoffdioxid ein, und unsere Klimabilanz wird erheblich verbessert“, freut sich Martsch.

Eine Investition mit Potenzial sind sich Verwey, Martsch und Manfred Rehberg, Leiter der Sparte Stadtreinigung, einig. „Unser Ziel ist es, die Elektroflotte in Zukunft weiter auszubauen, da wir bisher sehr gute Erfahrungen damit gemacht haben“, so der Direktor. „Wir sind ständig auf der Suche nach weiteren E-Fahrzeugen“, sagt Manfred Rehberg. Mit Strom betriebene Müllfahrzeuge wären eine Option. Diese seien jedoch um das Dreifache teurer und sind derzeit wirtschaftlich nicht tragbar. „Bei der Kehrmaschine spart der Betrieb der Maschine die Mehrkosten, die bei der Anschaffung entstehen“, sagt Rehberg.

Ein großes Lob geht an die Mitarbeiter der EBL, betont Verwey: „Ich stelle fest, dass die Mitarbeiter mit der neuen Technik sehr offen und begeistert umgehen.“

Ein Umweltfreund

Vergleicht man den Verbrauch einer mit Brennstoff betriebenen Maschine mit einer Elektromaschine für die Nutzungsdauer von zehn Jahren, verbraucht ein Diesel etwa 49000 Liter Kraftstoff. Die neue Kehrmaschine läuft mit Strom, den die EBL selbst produzieren. Ähnlich ist es beim CO2- Ausstoß. Dieser beträgt beim Diesel 129 360 Kilogramm, der bei der elektrischen Variante komplett gespart wird. Der Lithium-Ionen-Akku hat laut Hersteller eine Ladezeit von zweieinhalb Stunden, bei einer Kapazität von 56 Kilowatt pro Stunde.

 Fabian Boerger

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