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Lübeck Diesel-Fahrverbote? Kein Thema für Lübeck
Lokales Lübeck Diesel-Fahrverbote? Kein Thema für Lübeck
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11:39 07.03.2018
Aisha Hamid (32 aus Lübeck) kann durchatmen. Die Schadstoffbelastung in der Innenstadt liegt unter den Grenzwerten. Quelle: Fotos: Lutz Roessler
Lübeck

Die Umweltbehörde hat im Februar die Daten aus den Messcontainern für das ganze Jahr 2016 ausgewertet. Der Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft wird an allen drei Messcontainern in der Fackenburger Allee, in der Moislinger Allee und in St. Jürgen deutlich unterschritten. Die Auswertung der bisher für dieses Jahr vorliegenden Daten „weist darauf hin, dass die Jahreswerte auch 2017 eingehalten werden“, erklärt Barbara Schäfers von der Umweltbehörde. In den Wintermonaten seien die höchsten Werte gemessen worden, in den Sommermonaten die geringsten. An einigen Stellen in Lübeck schnellen an manchen Tagen die Stickstoffdioxidwerte nach oben. Die schlechteste Luft ist in der Wallstraße 61 und in der Fackenburger Allee 53b. Bei Feinstaub erzielt Lübeck die höchsten Werte zu Silvester, wenn Tausende ihre Feuerwerke zünden.

Davon können Stuttgart oder Kiel nur träumen. Lübeck kann auf Diesel-Fahrverbote verzichten. Sowohl bei Stickoxiden als auch Feinstaub liegt die Stadt deutlich unter den EU-Grenzwerten. Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU): „Das hat etwas mit der guten Lage zu tun.“

„Die langjährigen Bemühungen vieler Akteure im Klimaschutz wirken sich aus." Ludger Hinsen (CDU),Umweltsenator

Die gelegentlichen Ausreißer reichen jedoch nicht, um Maßnahmen wie Fahrverbote durchzusetzen. „Aller Voraussicht wird in naher Zukunft kein Luftreinhalteplan aufgestellt werden müssen“, erklärt Barbara Schäfers. Aber woran liegt das? Ein Blick in die amtliche Kfz-Statistik der Hansestadt zeigt, dass unter den rund 95000 Kraftfahrzeugen etwas mehr als 28000 Dieselautos sind (Stand 2016). Von den 95000 Fahrzeugen fahren 33715 mit der Emissionsgruppe Euro 4 und nur 5624 mit Euro 6. Gut 26000 Fahrzeuge rollten mit Euro 1 bis 3.

Schädliche Abgase gibt es genug. Aber Lübeck soll besser durchlüftet sein als andere Städte, sagen die Experten. „Die vergleichsweise guten bis sehr guten Werte haben sicher auch etwas mit der günstigen geografischen Lage zu tun“, erklärt Umweltsenator Hinsen. „In weiten Bereichen der Stadt weisen unsere Quartiere bessere Luftschneisen aus als in anderen Städten.“ Zugleich würden sich „die langjährigen Bemühungen vieler Akteure im Klimaschutz um umwelt- und gesundheitsgerechte Mobilitätskonzepte auswirken“, ist Hinsen überzeugt.

Für die Durchlüftungstheorie spricht, dass der Messcontainer am stark befahrenen Lindenplatz schon 2005 abgebaut wurde, weil die Abgase verwehten. Bis 2013 war die Große Burgstraße der Hotspot für Stickoxide – wegen der engen Bebauung. Die Umstellung der Busse auf klimafreundliche Antriebe und die Verlagerung von Schwerlastverkehr senkten die Belastungen deutlich. Auch in der Fackenburger Allee geht die Belastung zurück. 2014 wurde ein Messcontainer wegen der steigenden Werte aufgestellt. Auch dort sind die Werte rückläufig. 2007 fuhren 29300 Kfz, darunter 2100 Lastwagen, täglich durch die Fackenburger Allee, 2017 waren es 27 800, darunter 950 Lkw.

Die Stadt könnte sich zufrieden zurücklehnen. Doch Hans-Jürgen Schubert (GAL), Vorsitzender des Umweltausschusses, regt einen freiwilligen Luftreinhalteplan der Hansestadt an. „Auch unterhalb der Grenzwerte können Menschen erkranken“, sagt Schubert. Denn die Werte würden nicht zwischen Erwachsenen und Kindern unterscheiden. Es sei bekannt, dass Kinder bis zehn Jahre viel häufiger unter chronischen Bronchialerkrankungen leiden würden. Auch den Grünen reicht die Lübecker Luft noch nicht. Silke Mählenhoff, umweltpolitische Sprecherin: „Für Fahrverbote fehlt die gesetzliche Grundlage.

Aber wir könnten über eine Verkehrslenkung für Lkw und Kleintransporter an bestimmten Straßen diskutieren.“

 Kai Dordowsky

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