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Lübeck Diskussion über Flüchtlingspolitik
Lokales Lübeck Diskussion über Flüchtlingspolitik
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20:29 24.08.2017
Matthias Rasch (v. l.), Gudrun Rössig, Sozialsenator Sven Schindler, Michelle Akyurt und Dörte Eitel diskutierten. Quelle: Foto: Max Von Schwartz

Wie sind Flüchtlinge in der Hansestadt eigentlich untergebracht? Welche Probleme entstehen, wenn man nur sechs Quadratmeter zur Verfügung hat? Was sind die Wünsche und Bedürfnisse der Geflüchteten? Die Bürgerschaftsfraktion der Grünen diskutierte in einer Expertenrunde jetzt über genau diese Fragen. Sozialsenator Sven Schindler, Geschäftsführerin der Gemeindediakonie Dörte Eitel, Gudrun Rössig vom Lübecker Flüchtlingsforum und Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft „Trave“, Matthias Rasch, stellten sich in dieser Expertenrunde den Fragen und Sorgen der Bürger.

Senator Schindler startete das Gespräch mit einer Zusammenfassung der Entwicklung der Flüchtlingssituation in Lübeck. „Heute geht es um die Integration der Flüchtlinge und nicht mehr um ihre Erstunterbringung“, so Schindler. Dörte Eitel schließt sich der Meinung des Senators an: „Anfangs ging es nur darum, ein Dach über dem Kopf zu haben. Jetzt geht es darum, einen Weg in die Gesellschaft zu finden.“ Sehr schnell gerieten Themen wie der Brandschutz (die LN berichteten) und die Zustände in den 46 Gemeinschaftsunterkünften in den Vordergrund. „Ich glaube nicht, dass man sich mit vier Personen in einem kleinen, schlecht ausgestattetem Raum eine Zukunft aufbauen kann“, kritisierte Gudrun Rössig vom Lübecker Flüchtlingsforum. Die Ausstattung der Unterkünfte wurde auch durch das Flüchtlingsforum kritisiert. Aufhänger für diese Diskussion ist das sogenannte „Teppichverbot“. Flüchtlinge seien aufgefordert worden, aus Gründen des Brandschutzes Teppiche, Möbel und Elektrogeräte, die sie selbst erworben hatten, aus ihren Unterkünften zu entfernen. Senator Schindler versucht zu erklären: „In Lübeck haben wir uns für eine ’Standardmöblierung’ entschieden. Wir halten uns an diese, da wir keine Zweiklassengesellschaft unter den Flüchtlingen etablieren möchten.“ Das Flüchtlingsforum findet diese Zustände nicht menschenwürdig. „Ich würde sagen, dass die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Integration so nicht gegeben sind“, so Rössig. Die Flüchtlinge hätten keine Perspektive für die Zukunft. Bei einer Verweildauer von mindestens einem Jahr finden auch viele Bürger diese Ausstattung unzureichend.

Ein anwesender Lübecker, der sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagiert, sagte: „Es kann doch nicht sein, dass man die Matratzen mit einer Hand auf die Dicke eines Handtuches zusammendrücken kann.“

Für die Anschaffung neuer Matratzen fehle der Diakonie jedoch das nötige Geld. „Wir finden und fordern, dass die Geflüchteten, die teilweise bis zu drei Jahren in diesen Unterkünften leben müssen, diese auch gestalten können, wie sie möchten“, so Rössig.

Eigentlich sollen die Flüchtlinge maximal ein Jahr in den Unterkünften verbringen, danach sollen sie eine eigene Wohnung beziehen können. Doch in Lübeck fehlt es an Wohnraum. Matthias Rasch kommentierte lediglich, dass „Baurecht geschaffen werden müsse“. Aufgrund der Bevölkerungswanderung vom Land in die Städte werde der Wohnraum knapp und die Flüchtlinge hätten Schwierigkeiten, ein eigenes Zuhause zu finden. Eine kurzfristige Lösung scheint nicht in Sicht, jedoch soll das Thema in der Bürgerschaft debattiert werden.

mvs

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