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Lübeck Donnerstag gilt's: Koberg mit Asphalt oder Kopfsteinpflaster?
Lokales Lübeck Donnerstag gilt's: Koberg mit Asphalt oder Kopfsteinpflaster?
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09:54 28.04.2016
Bleibt das Kopfsteinpflaster für die Straße am Koberg? Am Donnerstag fällt die Entscheidung. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Am Donnerstag fällt die Entscheidung: Asphalt oder Kopfsteinpflaster für die Straße am Koberg. Der Ausgang ist völlig offen. Denn jetzt hängt alles an CDU und SPD. Sie wollen noch mehr Geld von der Possehl-Stiftung. Diese hatte erst vor zwei Tagen angekündigt, dass sie die Mehrkosten für Pflaster auf dem Koberg übernehmen würde, wenn die Stadt es denn will. Dabei geht es um 200000 bis 240000 Euro extra. Denn der Asphalt kostet 510000 Euro, geschnittenes Kopfsteinpflaster 700 000 Euro. Die Stiftung hat sogar bis zu 750000 Euro in Aussicht gestellt. Doch das reicht CDU und SPD nicht — und sie haben mit 32 Stimmen die Mehrheit. Jetzt soll Possehl auch noch für die höheren Instandhaltungskosten gerade stehen. Doch das sieht ihre Satzung nicht vor. Die Stiftung kann keine Reparaturkosten übernehmen. Beim Asphalt liegen diese Kosten bei 1,30 Euro pro Quadratmeter, für Pflaster sind das 1,63 Euro pro Quadratmeter.

„Wenn die Instandhaltungskosten übernommen werden, stimmen wir zu“, sagt CDU-Fraktionschef Andreas Zander, denn alle seien sich einig, dass der Koberg mit Kopfsteinpflaster schöner sei, aber die Stadt das Geld dafür nicht habe. So ähnlich sieht es auch SPD-Fraktionschef Jan Lindenau: „Sonst wird asphaltiert.“ Doch ob Asphalt oder Kopfsteinpflaster: „Wir wollen die Debatte über den Verkehr in der Altstadt führen“, sagt Lindenau. Von der autofreien Innenstadt über die Verkehrsberuhigung bis hin zu Elektroautos. Seiner Erfahrung nach werde diese Diskussion in Lübeck sowieso so lange dauern, wie der neue Belag auf der Straße am Koberg hält. Lindenau: „Und dann müssen wir uns grundsätzlich über alle Straßen der Altstadt unterhalten wie Große Burgstraße und Königstraße.“

Klar für Pflaster sprechen sich indes aus: Grüne, GAL, BfL, Partei-Piraten und die Liechtensteiner. Allerdings haben sie zusammen nur 15 Stimmen und keine Mehrheit. Doch sind sie nicht mehr die Einzigen, die für Pflaster plädieren. Das Architekturforum und die Bürgerinitiative Rettet Lübeck drängen seit Wochen darauf.

Doch jetzt haben sich selbst Senatoren für Kopfsteinpflaster ausgesprochen. Auch wenn ihre Fachleute sich dagegen und für Asphalt aussprechen. „Eine Pflasterung passt besser zum Platz und den angrenzenden Häusern“, sagt Kultursenatorin Kathrin Weiher (parteilos). Dennoch sagt sie: „Es besteht kein Ensembleschutz für den Koberg mit den historischen Gebäuden — leider.“ Heißt konkret: Die Denkmalpflege hat nichts gegen eine asphaltierte Straße am Koberg.

„Sie müssen mich nicht davon überzeugen, dass Pflaster die bessere Optik wäre“, sagt auch Bausenator Franz-Peter Boden (SPD) im Hauptausschuss. Aber: Über die Straße am Koberg rollen täglich 6500 Autos, davon 900 Busse. Zudem werden elf Buslinien darüber geführt. „Angesichts dieser Nutzung lässt das bautechnische Regelwerk kein Kopfsteinpflaster zu“, erklärt der Bereichsleiter Verkehr, Stefan Klotz. Fachlich sei Asphalt die sinnvollere Lösung. Aber: „Wir stellen einen Untergrund her, der auch für Pflastersteine taugt.“ Sprich: Wenn die Debatte über den Verkehr in der Altstadt zu Ende geführt ist, dann kann der Asphalt auch gegen geschnittenes Pflaster ausgetauscht werden.

„Aber man könnte auch das Pflaster gegen Asphalt tauschen“, sagt Bruno Böhm (Freie Wähler). „Aber den Asphalt fräse ich Ihnen mal eben raus“, sagt Boden. Das würde beim geschnittenen Pflaster länger dauern — und zudem würden das nicht alle Steine unbeschadet überleben. Klotz macht den Politikern klar: „Wir verlegen Ihnen auch Kopfsteinpflaster.“ Allerdings: „Die Firma übernimmt dann keine Gewährleistung.“ Das Verlegen dauere 93 Tage und bedeute 60 Tage Vollsperrung, im Gegensatz zu Asphalt mit 40 Tagen und 28 Tagen Vollsperrung.

Von Josephine von Zastrow

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