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Lübeck Dräger-Mitarbeiter retten Menschenleben
Lokales Lübeck Dräger-Mitarbeiter retten Menschenleben
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20:18 26.07.2016
Christian Kanis (v. l.), Suzanne Johnson und Philipp Schütze retteten mit einer Knochenmarkspende Leben. Quelle: Elisabeth Riedel

Es war im Sommer vergangenen Jahres, als Philipp Schütze bei einem fröhlichen Abend auf dem Duckstein-Festival kurz innehielt: Während er in Lübeck seinem Alltag nachgeht, wird irgendwo auf der Welt ein Mensch mit einer Chemotherapie auf eine Knochenmarkspende vorbereitet. Am nächsten Tag würde Schütze nach Dresden reisen, um seine Stammzellen an diesen Blutkrebs- Patienten zu spenden. „Plötzlich dachte ich daran, dass einem Menschen am anderen Ende der Welt gerade das ganze Immunsystem zerschossen wird. Ich wusste, jetzt gibt es keinen Weg zurück“, erinnert sich der 29-Jährige.

Die Wahrscheinlichkeit, seinen genetischen Zwilling zu finden, ist wie ein Sechser im Lotto. Manchmal hängt von dieser Suche ein ganzes Menschenleben ab – laut Angaben der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) erhält in Deutschland alle 15 Minuten ein Mensch die Diagnose Blutkrebs. Eine Knochenmarktransplantation ist oft die einzige Rettung. Darum rief die Firma Dräger vor zwei Jahren ihre Mitarbeiter auf, sich bei der DKMS typisieren zu lassen. 532 Menschen nahmen an der Aktion in Lübeck teil, sechs Mitarbeiter konnten mit einer Stammzellenspende tatsächlich Leben retten. Sie wurden kürzlich von der DKMS geehrt. Philipp Schütze, Suzanne Johnson und Christian Kanis sind drei dieser Lebensretter.

„Ich wusste gar nicht, wie einfach es ist“, sagt Schütze. Lediglich eine Speichelprobe reiche für eine Typisierung aus. Bei möglicher Übereinstimmung bekommt der potenzielle Spender einen Anruf von der DKMS. Es folgen Bluttests und ein Ultraschall der inneren Organe. Die Spende selbst sei schnell und unkompliziert über die Bühne gegangen. Nach wenigen Stunden waren seine Stammzellen anhand einer Apherese – eine Art Blutwäsche, bei der die Stammzellen aus dem Blut gefiltert werden – zum Transport bereit. Vor der Tür wartete bereits der Kurier, der die lebensrettenden Zellen nach Australien bringen würde. „Er stieg dann direkt ins Flugzeug. Wahnsinn, die ganze Logistik dahinter.“ Über den Empfänger erhält Schütze kaum Informationen. „Ich wusste nur, dass es eine Australierin mittleren Alters ist.“ Kurz nach seinem rettenden Einsatz dann die Nachricht: Die Patientin lebt, es geht ihr gut.

Als Christian Kanis den entscheidenden Anruf der DKMS bekam, überlegt er keine Sekunde. In seinem Umfeld habe es durchaus Zweifler gegeben, da auch für den Spender ein gewisses Risiko bestehe. Kanis findet es aber selbstverständlich, zu spenden: „Schließlich hoffe ich, dass mir auch geholfen wird, wenn ich krank werden sollte.“ Trotzdem war der 34-Jährige überrascht, als er plötzlich benachrichtigt wurde. „Ich hatte Anrufe auf meinem Handy, dem Festnetz, bekam eine E-Mail und einen Brief. Bis zur Spende verging dann aber noch mal ein halbes Jahr.“ Er sei froh gewesen, als es endlich soweit war. „Spendet man per Apherese, muss man eine Woche vorher täglich Hormone zu sich nehmen, um die Zellen anzuregen, sich zu vermehren. Man fühlt sich, als hätte man Grippe.“ Das habe er allerdings gerne in Kauf genommen. „Ein älterer Herr aus Spanien erhielt die Spende, es geht ihm gut.“

Auch Suzanne Johnson durfte sich über positive Nachrichten freuen. Ihre Spende ging vor fast genau einem Jahr an eine 46-jährige Frau aus den USA. „Ein witziger Zufall, weil ich selbst ursprünglich Amerikanerin bin.“ Auch deshalb wollte sie Kontakt zur Empfängerin aufnehmen, die Regelungen seien von Land zu Land verschieden. „Man darf ein Mal einen Brief anonym austauschen, erst nach zwei Jahren kann man persönlich in Kontakt treten.“ Der Moment, als der Brief bei ihr eintraf, sei rührend gewesen. „Sie erzählt darin von ihren drei Söhnen und dass sie dank der Spende zu der Hochzeit ihres Sohnes gehen konnte.“ Johnson würde jederzeit wieder spenden. „Ein besseres Geschenk kann man nicht geben. Was will man mehr als gesund leben?“

So einfach geht es

Registrieren kann sich jeder Gesunde über 18 Jahre. Die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Spender zu finden liegt bei 1 zu 20000 bis 1 zu mehreren Millionen. Jeder siebte Patient wartet vergeblich.

Alle anfallenden Unkosten wie Zugfahrt oder Hotelübernachtung werden für die Spender komplett von der DKMS übernommen.

Informationen zur Knochenmarkspende und zur Registrierung gibt es unter www.dkms.de im Internet.

Elisabeth Riedel

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