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Lübeck Drehbrückenplatz wird fast eine Million teurer
Lokales Lübeck Drehbrückenplatz wird fast eine Million teurer
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22:41 11.07.2018
Die Baustelle bleibt länger, denn der Drehbrückenplatz wird erst Mitte 2019 fertig – nicht wie geplant Ende des Jahres. Quelle: Fotos: König, Roessler
Lübeck

Die Kosten sind nicht mehr zu halten. Insgesamt schlägt der Umbau Untertrave mit 8,53 Millionen Euro zu Buche – statt mit 7,58 Millionen Euro. Davon zahlen den größten Batzen Bund und Land mit 6,6 Millionen Euro. Aber: Jetzt muss die Stadt exakt 1,93 Millionen Euro übernehmen. Das ist fast doppelt so viel wie geplant. Bisher hatte die Stadt mit Kosten von nur 980 000 Euro gerechnet. Aber jetzt sind weitere 950000 Euro dazugekommen. Die gehen zu Lasten der Stadtkasse.

Das wird teuer: Die Frischzellenkur der Untertrave kostet fast eine Million Euro mehr. Zahlen muss die Stadt. Der Grund: Der Drehbrückenplatz ist aufwendiger als gedacht. Der Bauausschuss hat den Extra-Ausgaben zugestimmt. Aber Kritik daran kommt von Grünen und Linken.

Der Grund: Die Neugestaltung des Drehbrückenplatzes mit der Wassertreppe ist wesentlich teurer geworden. Und der Bau der Wassertreppe verzögert sich. Seit Sommer 2017 wird an der Untertrave gearbeitet. Ende 2018 sollte alles fertig werden. Die Treppe wird aber erst Mitte 2019 stehen. Der Bauausschuss hat die Extra-Kosten am Montag abgesegnet – gegen die Stimmen von Grünen und Linken. Am 30. August muss die Bürgerschaft dem endgültig zustimmen.

Massive Kritik kommt von den Grünen. „Wir wollen das Geld lieber in die Schulen stecken – und nicht in die Untertrave“, macht Arne-Matz Ramcke klar. Das Ganze sei ohnehin „ein Prestigeobjekt“. Und Silke Mählenhoff ergänzt: „Die dortige Wildblumenwiese wird einen weiteren Sommer nicht blühen können.“ Da sich der Umbau verzögert. Die Linken sind ebenfalls unzufrieden. „Es muss ein Maß geben bei solchen Projekten“, sagt Sascha Luetkens. Das fehle bei einer Million Euro aber. Denn: „Auf der anderen Seite krachen uns die Schulen zusammen.“

Anders sehen das CDU und SPD. „Es ist zwar absolut bitter“, meint Christopher Lötsch (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses. Aber: „Der Drehbrückenplatz ist der Kern der Umgestaltung.“ Und: „Wenn man den Platz erneuert, dann soll man es richtig machen“, so Andreas Zander (CDU). Gesamtwirtschaftlich betrachtet, sei der Umbau ein Gewinn. „Das war bei der Obertrave genauso.“ An der Neugestaltung der benachbarten Flaniermeile gab es massive Kritik. Sie gilt als Vorbild für den Umbau der Untertrave. Doch dort stiegen die Kosten ebenfalls: von 4,6 Millionen Euro auf 5,2 Millionen Euro. Und die Umgestaltung verzögerte sich um fast zwei Jahre. Außerdem gab es Ärger um die Liebesbrücke. „Heute ist es dort voll – und die Menschen genießen das“, sagt Zander. „Der Platz mit der Wassertreppe ist genau richtig an dieser Stelle“, sagt SPD-Verkehrsexperte Ulrich Pluschkell. Dadurch werde die Untertrave aufgewertet. „Wie auch der Eingang zur Nördlichen Wallhalbinsel.“ Er meint: „Die Investoren von dort könnten sich an den Mehrkosten beteiligen.“ Carl Howe (GAL) sagt: „Ich will, dass die Treppe behindertengerecht gebaut wird.“ Das werde sonst eingespart. Daher habe er den Extra-Ausgaben zugestimmt. Die Stadt verteidigt die Mehrkosten. „Den Umbau des Drehbrückenplatzes oder die Wassertreppe einzusparen ist ein falsches Signal“, sagt Stadtsprecherin Nicole Dorel. Dann müsste die Stadt das Fördergeld vom Bund womöglich zurückgeben.

Hinter verschlossenen Türen des Bauausschusses wird der Grund für die Mehrkosten diskutiert. Dem Vernehmen nach hat sich die Stadt vor allem bei der Wassertreppe verschätzt. Denn sie wird in die Trave hineinragen. Dazu müssen mehr Spundwände gebaut werden als geplant. Die Treppe soll barrierefrei werden – das war nicht einkalkuliert. Zudem wird der Kiosk mit den Toiletten teurer – da hat man sich bei den Leitungen vertan. Und: Die Planung ist schon drei Jahre alt, die Kosten sind gestiegen. Nun soll an anderer Stelle gespart werden: Die Spundwände werden gerüttelt, nicht gerammt. Und: Es wird kein weißer Beton mehr für die Treppe verwendet, sondern normaler Beton.

Von Josephine von Zastrow

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