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Lübeck Drei Freundinnen in Neuseelands Norden
Lokales Lübeck Drei Freundinnen in Neuseelands Norden
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20:51 28.05.2018
Im Rugby-Stadion treffen Luisa und Dana ihren ehemaligen Kollegen Ingo.
Auckland/Lübeck

Neuseeland. Heimat der Kiwis. Heimat der Hobbits. Mehr oder weniger. Ich halte Dana immer noch fest in meinen Armen. Eine Flut von Bildern läuft vor meinem inneren Auge ab. Kopfkino. Es ist einer dieser Momente, in denen ich aus dem Alltag dieser Reise ausbreche und mir klar wird, was ich erreicht habe.

Weltradlerin Luisa Rische tauscht Fahrrad gegen Camper – Unterwegs mit Dana und Franzi.

LUISA RADELT

Die 28-jährige Lübeckerin

Luisa Rische reist zwei Jahre lang allein mit ihrem Fahrrad „Anton“ um die Welt.

In unregelmäßigen Abständen berichtet sie in den LN von

ihren Erlebnissen.

Ich erinnere mich an die ersten Wochen. Dänemark, Schweden, Norwegen. Es gab keinen Tag, an dem ich nicht an meine Freunde dachte; es gab keinen Tag, an dem ich nicht daran zweifelte, ob eine Reise ins Unbekannte, die mich vielleicht nie wieder nach Hause bringt, das wirklich wert ist. Ich drücke Dana noch einmal an mich, verstecke die Tränen in der Dunkelheit, bevor ich sie wieder frei lasse.

Heute zweifle ich nicht mehr.

Es ist 19 Uhr, die Sonne längst untergegangen. Es ist Herbst auf der Südhalbkugel. Für mich schon der zweite auf meiner elfmonatigen Reise. Wir fahren durch Auckland. Die meisten Geschäfte sind geschlossen, die Straßen leer. Zurück in der Zivilisation. Auf einem Parkplatz mit öffentlicher Toilette halten wir. Camping ist eigentlich nicht erlaubt, doch der vorbeifahrende Sicherheitsdienst erklärt uns, dass sei schon okay. Wir klappen die Sitzbänke um, richten eine Zwischendecke aus Holzplatten ein. Dana und Franzi schlafen unten, ich schlafe unterm Dach.

Zwischen Fahrkabine, Küche und Schlafzimmer bleibt nicht viel Platz für unser Gepäck. Es ist also eine glückliche Fügung, dass die Fluggesellschaft „Anton“ und meine Fahrradtaschen in Sydney vergessen hat. Ich habe alles, was ich brauche. In meinem Handgepäck sind meine Klamotten, Portemonnaie, Kamera und Tablet, von der Fluggesellschaft habe ich Zahnbürste und Zahnpasta bekommen. Dana und Franzi haben Wollsocken, Weihnachtsgebäck, Handwärmer, Rätselspiele und Regenjacke – Geschenke von Freunden aus Deutschland – mitgebracht. Der Urlaub kann beginnen.

Dana wird einstimmig zur Fahrerin erklärt. Franzi kommt mit der Schaltung auf der linken Seite nicht zurecht, ich halte mich lieber vom Gaspedal fern. Wir fahren durch Coromandel zum Heißwasser-Strand, in dessen Sand Urlauber während der Ebbe tiefe Löcher buddeln, um an das heiße Wasser zu kommen; wir fahren vorbei an Kiwi- und Avocado-Farmen nach Omokoroa, weiter nach Hamilton, wo wir mit einem ehemaligen Arbeitskollegen verabredet sind.

Der Treffpunkt ist schnell ausgemacht: das Stadion. Chiefs gegen Highlanders. Internationale Superliga. Die Faszination des Rugby bleibt uns verborgen, fasziniert sind wir von der Tatsache, dass wir drei uns am anderen Ende der Welt wiedersehen. Ingo ist Sportredakteur. Dana und ich haben in der Redaktion volontiert, bevor wir Süddeutschland verlassen haben.

Die Nacht verbringen wir am Moanaroa Parkplatz, an dessen Fluss die Ruderer und Wakeboarder morgens trainieren; die nächste Nacht schlafen wir auf dem Hochplateau eines aktiven Vulkans. Ein Sturm rüttelt uns durch, der Regen klatscht gegen das Autoblech, es ist so kalt, dass meine Füße bald kein Gefühl mehr haben. Mit müden Augen stolpern wir durch den nächsten Tag. Ich renne auf dem Weg zur Toilette einen Neuseeländer um, Franzi lässt die Tür des Campervans offen und „Speedy“ fliegt fast von der Straße, weil Dana die Kurve unterschätzt. Quietschend bleiben wir stehen und brüllen los. Es ist ein wunderbarer Moment, wie in alten Zeiten, als wir nachts die Polizei verfolgten, auf der Jagd nach einer guten Geschichte.

Wir fahren über den vergessenen Highway nach Taupo, weiter nach Rotorua. Eiskalte Seen und heiße Quellen. Fahren, essen, schwimmen, schlafen. Ich genieße es, die Verantwortung los zu sein, mit einem Motor die Berge hochzuknattern. Am Pukehina Strand bleiben wir zwei Tage, bevor wir „Anton“ und mein Gepäck bei Jarno abholen und zur Horahora Domain aufbrechen. Es ist die letzte gemeinsame Nacht.

Während Dana und Franzi am nächsten Tag nach Auckland fahren, klettere ich wieder auf mein zusammengebautes Fahrrad, die Berge hinauf nach Mangakino und immer weiter.

Taupo, Rotorua, Gisborne. Ein Schneesturm überrascht mich in der Nacht. Doch mit meinen zwei Schlafsäcken trotze ich der Kälte. Der alte Daunenschlafsack allein hätte mich nicht mehr warmgehalten, zusammen mit dem synthetischen Sommerschlafsack jedoch, den Dana mir mitgebracht hat, bleibt die Wärme in meinem kuscheligen Kokon. Bei 0 Grad geht es am nächsten Tag weiter. Meine Beine sind Eiszapfen, meine Hände eingeschlafen, die Akkus meiner elektronischen Geräte streiken bei diesen Temperaturen. Ich schlafe 13 Stunden, bevor es weiter nach Napier geht, wo mich eine heiße Dusche erwartet.

Luisa Rische

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