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Lübeck Drei Nobelpreisträger, ein gemeinsames Denkmal
Lokales Lübeck Drei Nobelpreisträger, ein gemeinsames Denkmal
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00:06 01.07.2018
Lübeck

Der in Lübeck geborene Freiesleben ist seit 25 Jahren Porträtbildhauer. Er hat Staatsoberhäupter wie Richard von Weizsäcker oder Christian Wulff in Ton modelliert und in Bronze gegossen. Auch Sternekoch Eckart Witzigmann, Schauspieler Dieter Hallervorden und Sänger Johannes Heesters saßen ihm Modell. Jetzt will Freiesleben „in der Stadt meiner Kindheit und Jugend“ ein Denkmal schaffen, das die drei Nobelpreisträger würdigt. „Dass es Brandt, Grass und Mann noch nicht als Köpfe in Lübeck gibt, ist fast schon verwunderlich“, sagt der Berliner Bildhauer.

Sie haben jeder ein eigenes Haus, das ihr Leben und Wirken dokumentiert. Aber als klassisches Denkmal gibt es sie nicht. Bertrand Freiesleben, Künstler aus Berlin, will das ändern – mit einem bronzenen Büstenzyklus von Willy Brandt, Thomas Mann und Günter Grass.

Die drei Persönlichkeiten seien identitätsstiftend für Lübeck. „Ich denke, wir könnten die öffentliche Auseinandersetzung mit diesen in Lübeck stärker anregen“, sagt der Künstler. Sein Büstenzyklus solle an zentraler Stelle dauerhaft präsentiert werden. Freiesleben schätzt die Kosten auf rund 250000 Euro.

„Ich will kein Geld von der Stadt“, stellt er sofort klar. Sobald Verwaltung und Politik ihm grünes Licht geben, würde er losgehen und das Geld bei Stiftungen und privaten Förderern sammeln. Freiesleben will das Werk öffentlich modellieren, will mit Bürgern und Schulklassen ins Gespräch kommen. „Das soll auch ein nachhaltiges, pädagogisches Projekt werden“, sagt der Bildhauer.

„Die Idee finde ich unheimlich gut“, erklärt Kultursenatorin Kathrin Weiher (parteilos), „die drei Nobelpreisträger werden in Lübeck viel zu wenig vermarktet.“ Aber Weiher erhofft sich durch ein solches Werk auch eine intensivere Auseinandersetzung mit politischer Haltung. In Lübeck werde viel über Einzelinteressen diskutiert, aber wenig über das große Ganze.

Die Kulturstiftung, die das Buddenbrookhaus und das Grass- Haus betreibt, begrüßt die Idee. Prof. Hans Wißkirchen, Chef der Stiftung: „Die drei Nobelpreisträgerhäuser könnten dadurch in der öffentlichen Wahrnehmung gestärkt werden. Dies deckt sich zudem mit unseren Bemühungen, die Arbeit der drei Häuser noch besser zu vernetzen.“

Vor Kurzem hat der Kulturausschuss der Bürgerschaft über das Vorhaben diskutiert. Es gab viel Zustimmung, aber auch Bedenken. Monika Schedel (Grüne) hält „die klassische Bronzebüste für nicht mehr zeitgemäß“. Die drei Nobelpreisträger seien durch ihre Häuser in Lübeck ausreichend gewürdigt, findet die Kulturpolitikerin.

Thomas Schröder-Berkentien, Architekt, SPD-Mitglied und Vorsitzender des Freundeskreises des Grass-Hauses: „Zu Recht werden die Nobelpreisträger noch nicht so vermarktet, denn es gibt noch keine inhaltliche Grundlage.“ Kluge Menschen sollten sich zunächst den Kopf darüber zerbrechen, „was es bedeutet, drei Nobelpreisträger auf einen Sockel zu stellen.“

Große Probleme hat Schröder- Berkentien mit dem Ort, den Freiesleben sich für den Bronzezyklus wünscht. Der Künstler ist mit der Denkmalpflege die Altstadt abgelaufen. „Die Rathausarkaden sind der selbst erklärende Ort“, sagt der Künstler, der aber „offen ist für andere Ideen“ist. Schröder-Berkentien sieht an den Arkaden und am Rathaus ein „inflationäres Unterbringen von Denkmalen“. Auch Prof.

Wißkirchen von der Kulturstiftung fordert ein transparentes Verfahren bei der Auswahl des Platzes“. Und Wißkirchen geht noch weiter: „Bei so einem zentralen Thema halte ich einen Wettbewerb über die Wahl des Künstlers und des Kunstwerkes für unabdingbar.“ Genau das aber will Freiesleben nicht. Wie es mit der Idee weitergeht, soll der neue Kulturausschuss der Bürgerschaft diskutieren. Nach der politischen Sommerpause, im Spätsommer. Der Bildhauer würde gerne zügig loslegen.

Dass der Büstenzyklus der Nobelpreisträger zum Touristenmagnet wird, bezweifelt Christian Martin Lukas von der Tourismusgesellschaft LTM. Lukas: „Ein Kunstwerk als Denkmal wäre eine begrüßenswerte Hommage an Leben und Wirken der drei Nobelpreisträger Mann, Brandt und Grass, aber kein neuer Reiseanlass."

Von Kai Dordowsky

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