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Lübeck Dreiste Diebe plündern Dönerbude
Lokales Lübeck Dreiste Diebe plündern Dönerbude
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20:38 04.05.2016
Vor dem Sky-Supermarkt und dem Rossmann-Drogeriegeschäft in der Kronsforder Allee ist der Stand von Roj Besfky. Döner und südländische Spezialitäten verkauft er dort seit anderthalb Jahren. Quelle: Holger Kröger

Die Bude, die direkt vor dem Sky-Supermarkt in der Kronsforder Allee 74 steht und in der bisher Döner und südländische Spezialitäten verkauft wurden, ist komplett leergeräumt worden. Für den Besitzer ist der Einbruch ein finanzielles Desaster, denn er hat keine Versicherung.

In der Kronsforder Allee räumen Einbrecher einen kompletten Dönerstand aus — Besitzer fürchtet um Existenz.

„Der Stand ist alles, was ich habe, das ist meine Existenz.“ Roj Besfky, Inhaber des „Kalamata“

„Es ist schon das zweite Mal, dass bei mir eingebrochen worden ist“, sagt Roj Besfky. Das erste Mal passierte es vor vier Monaten. Da nahmen die Diebe nur eine Schneidemaschine für Fleisch mit.

„Jetzt haben sie alles vollkommen ausgeräumt“, sagt der 46-Jährige. Der Einbruch geschah in der Nacht zum vergangenen Freitag, 29. April. „Der Marktleiter hat mich in der Früh angerufen und gesagt, dass die Tür aufgebrochen wurde.“ Als Besfky bei seinem Stand eintraf, war er schockiert. „Alles, was drin war — weg.“

Die Liste der gestohlenen Gegenstände ist lang. Die Täter haben den Grill für die Dönerspieße mitgenommen. „Der passt gar nicht in ein normales Auto und ist richtig schwer“, sagt Besfky. Auch die zwei Dönerspieße aus der Tiefkühltruhe fehlen. „Das waren 15 und zwölf Kilo — etwa 125 Euro im Einkauf hat das Fleisch gekostet.“ Mehr als 20 Kilo Oliven und Krautsalat sowie kiloweise Pommes, Käse, Gemüse, Zwiebeln und Pasteten sind ebenfalls weg. „Ich frage mich, was die damit wollen“, sagt Besfky niedergeschlagen. Auch Becher und Geschirr, Getränke, zwei Fritteusen, ein großer Toaster, eine neue Trittleiter und eine Gasflasche wurden gestohlen. „Sogar das Waschbecken haben die ausgebaut und Kabel abgeschnitten.“ Besonders kurios: „Die haben auch meine Abrechnung für das Finanzamt gestohlen.“

„Ich habe so ein bisschen das Gefühl, dass jemand nicht mehr will, dass ich hier weiter stehe“, sagt Besfky bedrückt. Denn die Einbrecher hätten nicht nur alles mitgenommen, was sie kriegen konnten, sondern auch noch randaliert. Sie hätten das Öl der Fritteusen im Stand verteilt. Woanders mit dem Stand hinzugehen, sei für ihn trotzdem keine Option. „Das wäre ein großes Risiko, ich habe hier viele Stammkunden.“ Und die fühlen mit. An dem Stand hängt ein kleiner Zettel: „Kopf hoch, mein Freund. Das wird schon wieder! Wir freuen uns auf dich!“ Auch viele Anrufe habe Besfky bekommen. „Ich will auch für meine Kunden weitermachen.“ Das sei jedoch gar nicht so einfach.

„Der Schaden kostet mich viel Geld“, sagt Besfky. „Ich muss alles neu kaufen.“ Denn eine Versicherung habe er nicht, keine habe den Stand versichern wollen — das sei zu unsicher. „Freunde leihen mir erstmal Geräte, bis ich mir neue kaufen kann.“ Morgen will Besfky seinen Stand wieder öffnen.

„Das ist wirklich bitter“, sagt Martin Schmidt, Marktleiter des Sky-Supermarkts. Seit anderthalb Jahren vermietet der Markt die Standfläche an Besfky. „Er ist eine Bereicherung für den Markt und das ganze Center“, sagt Schmidt. „Er hat gute, frische Ware zu einem guten Preis. Das ist wirklich schön.“

Nach dem Einbruch überlegt Roj Besfky nun, eine Videoüberwachung einrichten zu lassen. „Aber die kostet sehr viel Geld“, sagt er. „Der Stand ist alles, was ich habe, das ist meine Existenz.“

Wegen des besonders schweren Falls von Diebstahl wurde Strafanzeige gestellt. Die Polizei ermittelt. Hinweise werden unter Telefon 0451/1310 entgegengenommen.

Rechtliches

11 329 Diebstähle nahm die Polizei im Jahr 2014 in Lübeck auf. 2543 davon passierten in Warenhäusern oder Verkaufsräumen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl gestiegen. 2013 kam es zu 2415 Diebstählen.Paragraph 243 im Strafgesetzbuch regelt den besonders schweren Fall des Diebstahls. Dieser liegt unter anderem vor, wenn der Täter dafür in ein Gebäude einbricht oder sich unrechtmäßig Zutritt verschafft. Bezieht sich die Tat allerdings auf geringwertige Gegenstände, liegt kein schwerer Fall vor. Handelt es sich tatsächlich um einen besonders schweren Fall, wird der Diebstahl mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu zehn Jahren bestraft.

Von Kim Meyer

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