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Lübeck Drogenszene wächst: FDP schlägt Konsumraum vor
Lokales Lübeck Drogenszene wächst: FDP schlägt Konsumraum vor
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20:32 11.08.2018
Timo Jeguschke schlägt einen Drogenkonsumraum vor.
Lübeck

Der Aufbau eines Toilettenhäuschens im März 2017 habe genauso wenig zur Entspannung der Lage am Krähenteich beigetragen wie der Abriss des Häuschens, stellt Timo Jeguschke, sozialpolitischer Sprecher der FDP, fest. „Ein sinnvoller Ansatz, die angespannte Lage zu bekämpfen, wäre die Einrichtung eines Drogenkonsumraumes.“ Jeguschke: „An einem solchen Ort können Abhängige ihre Drogen unter medizinischer Aufsicht einnehmen, hauptsächlich stellt er aber eine Möglichkeit zur Aufklärung und Beratung zum Beispiel über Entzugsmöglichkeiten dar und dient der Minimierung des Risikos unsauberen Konsums.“ Der Konsumraum solle aber nicht „auf der sowieso schon engen Innenstadtinsel“ eingerichtet werden.

„Ich habe keine ideologischen Bedenken“, erklärt Innensenator Ludger Hinsen (CDU). Er sieht aber praktische Probleme: Ein Drogenkonsumraum dürfe keine zusätzlichen Anreize für eine überregionale Szene schaffen. „Und wir müssten einen Standort finden, kein Quartier wird ,Hier!‘ schreien.“ In Lübeck gibt es seit Jahren den Spritzentausch im Kontaktladen „tea & talk“ der Awo-Drogenhilfe, aber dort werden keine Drogen konsumiert. „Ein Drogenkonsumraum muss professionell organisiert sein und finanziert werden“, erklärt Ingo Schaffenberg (SPD), Vorsitzender des Sozialausschusses. SPD und CDU wollen auf jeden Fall den FDP-Vorschlag im Sozialausschuss diskutieren. Carsten Grohmann (CDU): „Wir werden das wohlwollend prüfen.“ Ein Drogenkonsumraum sei eine geeignete Maßnahme, um die derzeitige Situation zu verbessern, erklärt Wolfgang Neskovic, Sprecher der Unabhängigen. Er verweist auf „Erfahrungen, die andere Kommunen mit einer solchen Einrichtung gemacht haben“. Neskovic fordert aber ein umfassendes Konzept und die Zusammenarbeit der Behörden mit der Bürgerinitiative, die sich am Krähenteich gegründet hat. Auch die Grünen wollen, dass die Initiative eingebunden wird.

Friedemann Ulrich, Vorsitzender der Lübecker Koordination für Suchtfragen, hält einen Drogenkonsumraum für unverhältnismäßig. In diesen Einrichtungen würden vor allem Heroinabhängige konsumieren, deren Zahl in Lübeck rückläufig sei. Ulrich: „Tablettensüchtige brauchen keinen Drogenkonsumraum.“ Das Land hat in der vergangenen Legislaturperiode den Bedarf bei den Kommunen abgefragt. Ein Sprecher des Kieler Sozialministeriums: „Die Rückmeldung war flächendeckend, dass ein Bedarf nicht gesehen wurde.“

dor

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