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Lübeck Drogentreff Rehderbrücke: Keine Lösung in Sicht
Lokales Lübeck Drogentreff Rehderbrücke: Keine Lösung in Sicht
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21:26 13.08.2016
Gut geschützt: Der Platz an der Rehderbrücke wird laut Stadt regelmäßig gesäubert, verdreckt aber auch schnell wieder. Quelle: Fotos: Olaf Malzahn, Wolfgang Maxwitat

Hohe Büsche und Bäume verdecken den viereckigen Sandplatz vor der Rehderbrücke, Ecke Krähenstraße/An der Mauer. Eine Plastikplane hängt in einem Baum und bietet Schutz vor Regen und Blicken. Es riecht stark nach Urin. Die leere Verpackung eines Spritzbestecks liegt im Gebüsch. Eine Passantin blickt durch die Bäume auf das Karree und die Menschen dort, dann wechselt sie schnell die Straßenseite. Seit Jahren treffen sich hier Alkoholiker und Drogenabhängige.

Beschlossene Umgestaltung und Toiletten lassen weiter auf sich warten – Neuer Innensenator will Arbeitsgruppe gründen.

Der Platz an der Rehderbrücke ist bekannt – und wieder in den Blick der Behörden gerückt. „Die Fotos, die Anwohner von dem Müll dort gemacht haben, liegen uns vor, und wir nehmen sie sehr ernst“, erklärt Innensenator Ludger Hinsen (CDU). Haufenweise leere Verpackungen von Spritzen sind auf den Bildern zu sehen. Man sei im Gespräch mit der Drogenhilfe der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Lübeck. „Im September wird es ein Arbeitskreis-Meeting geben, es müssen dauerhafte Lösungen gefunden werden“, so Hinsen. Die Süchtigen nur zu verscheuchen, würde nichts bringen. Damit verlagere man nur den Drogentreff. „Es geht um nachhaltige Lösungen“, sagt Hinsen. Doch wie diese aussehen, gilt es erst herauszufinden.

Im letzten Jahr war der Treffpunkt der Abhängigen schon einmal Thema. Auf dem Platz hatte sich einiges ändern sollen. Der damalige Innensenator Bernd Möller (Grüne) hatte vor, die Beete und Hecken anders zu gestalten. Die Verwaltung plante gleichzeitig eine vandalismussichere Toilette mit Spritzenbehälter. Passiert ist allerdings wenig. „Der Innensenator hat 50 000 Euro für ein Toilettenhäuschen in den Haushalt eingestellt“, hatte Rüdiger Hinrichs (Freie Wähler) noch Mitte November gesagt und angekündigt, dass man diese „mangelhafte Planung“ nicht unterstützen könne und deshalb beantragen werde, die Investitionsmittel aus dem Haushalt zu streichen. „Einige Zugänge sollten durch Pflanzen versperrt werden, das ist aber nicht passiert“, sagt Karin Mechnich, Leiterin der Awo- Drogenhilfe. Streetworker seien vor Ort, täglich schaue man auch am Spielplatz neben dem Treff nach dem Rechten. „Die Menschen dort sind sehr bedacht, dort bleiben zu dürfen“, so Mechnich. In der Wahmstraße hat die Awo einen Kontaktladen, in dem die Betroffenen ihre Spritzen tauschen können. Im letzten Jahr nahm der Kontaktladen 74594 Spritzen an und gab 78 519 aus – jeweils 20 000 mehr als im Vorjahr. „Würde es die Tauschstelle nicht geben, läge weitaus mehr Müll in der Stadt herum“, sagt Mechnich. Die Menschen am Platz seien bemüht, so unauffällig wie möglich zu sein.

„Die Fläche wird regelmäßig gesäubert“, erklärt Stadtsprecherin Nicole Dorel. Alle zwei Wochen werde außerdem der Platz und das Umfeld auf Spritzen und ähnliches untersucht. Seit 2014 gebe es Arbeitsrunden und Ortsbegehungen von Mitarbeitern der Entsorgungsbetriebe, des Ordnungsdienstes, der Polizei und Streetworkern. „Die Überlegungen sind schön und gut, aber was soll ein Klohäuschen bringen“, fragt sich Robert Räsenhöft vom Fahrradladen „Rückenwind“. Das Geschäft liegt in der Krähenstraße unweit des Drogenumschlagplatzes. „Es ist natürlich unangenehm, wenn hier Prügeleien sind oder gedealt wird. Immerhin versuchen wir hier Fahrräder zu verkaufen“, sagt Räsenhöft, während vor dem Schaufenster des Fahrradladens ein Pärchen streitet. „Das ist noch harmlos“, so Räsenhöft resigniert. „Es war mal ruhiger, aber die Vorfälle häufen sich wieder“, berichtet der Mitarbeiter. Am ehemaligen Spielplatz sei bisher auch nichts passiert. Nicht einmal die Hecke sei gestutzt worden. „Die Sträucher verdecken zwar das ganze Elend, ermöglichen aber auch den Konsum dahinter“, bestätigt Innensenator Hinsen. Deswegen bestehe Handlungsbedarf. „Wir müssen herausfinden, wo wir stehen und wie die Lösung aussieht“, so Hinsen.

Hier gibt es Hilfe

Die Drogenhilfe berät betroffene und gefährdete Jugendliche, Erwachsene und Angehörige und bietet auch eine Therapievermittlung. Erstberatungen finden dienstags von 15 bis 18 Uhr statt. Kontakt aufnehmen kann man per E-Mail an

Drogenhilfe-luebeck@awo-sh.de und unter Telefon 04 51/799 88 00.

Im Kontaktladen Tea&Talk der Awo gibt es Rückzugsmöglichkeiten von der Straße. Neben dem Spritzentausch sind hier Beratung und Gespräche möglich. Auch weiterführende Hilfeangebote werden hier vermittelt. Tea&Talk liegt in der Wahmstraße 76 und ist unter Telefon 04 51/70 48 51 zu erreichen.

 Tomma Petersen

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