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Lübeck Klohäuschen am Drogentreff Krähenteich ist weg
Lokales Lübeck Klohäuschen am Drogentreff Krähenteich ist weg
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18:42 26.07.2018
Das Klohäuschen wurde am Donnerstag um 6 Uhr abgerissen – unter Polizeischutz.  Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Es ist schlechter geworden, viel schlechter. „Wir haben uns entschlossen, das Klohäuschen abzureißen“, erklärt Bürgermeister Jan Lindenau (SPD). Das sei mit der Polizei sowie der Awo-Drogenhilfe besprochen worden – und beide haben dem zugestimmt. Am Mittwochabend hat er selbst Informationsbriefe an die Anwohner verteilt. Der Abriss war für heute früh um 6 Uhr geplant.

Ein radikales Vorgehen. Der Grund: „Drogendealer haben das Klohäuschen übernommen“, bringt es Innensenator Ludger Hinsen (CDU) auf den Punkt. Im März 2017 hatte die Stadt die Toilette aufstellen lassen. Kosten: 80 000 Euro. Es sollte das Wildpinkeln verhindern. Außerdem erhoffte sich die Stadt mehr Sauberkeit in der Umgebung. „Das hat einige Monate funktioniert“, sagt Hinsen. Dann aber sehr schnell nicht mehr. Jetzt kommt der Abriss für 10 000 Euro. Das Klohäuschen wird eingelagert.

Der Drogentreff am Lübecker Krähenteich ist schon lange ein Streitthema.

Der Drogentreff am Krähenteich hat sich zu einem extrem regen Umschlagplatz für Drogen jedweder Art entwickelt. Seit Mai /Juni 2017 haben Dealer aus anderen Städten das Häuschen okkupiert. Sie stammen aus dem arabischen Raum und versorgen ihre Landsleute mit harten Stoffen – gedealt wird im Klohäuschen. Dadurch hat sich die Szene extrem verändert – und ausgeweitet. Statt bisher 20 bis 25 Leute, tummeln sich auf dem Platz vor dem Klohäuschen jetzt 40 bis 45. Außerdem bedienen Prostituierte auch ihre Freier in dem Häuschen.

Hinzu kommen zwei kritische Punkte. Nummer eins: Es gibt Streit unter den Süchtigen – den alten und den neuen. Auf der einen Seite Deutsche mit russischen Wurzeln – zum anderen welche aus dem arabischen Raum. Als „Menschen mit aktuellem Migrationshintergrund“, beschreibt Lübecks Polizeichef Norbert Trabs die neue Klientel. „Diese Gruppen sind sich nicht immer wohlgesonnen“, sagt Karin Mechnich vorsichtig, Leiterin der Awo-Drogenberatung.

Punkt Nummer zwei: Das Areal rund um das Klohäuschen gilt als Drogentreff – illegal, aber toleriert. Doch die Szene hat diesen tolerierten Bereich verlassen. Denn die neue Klientel hält sich nicht an die Spielregeln. Es wird im Umfeld gedealt, es wird auf dem Spielplatz übernachtet, es wird eingebrochen. So massiv, dass die Nachbarn alarmiert sind. Sie haben eine Bürgerinitiative gegründet – und berichten von zunehmender Gewalt und offenem Drogenhandel.

Die Polizei geht mit Strafanzeigen gegen die Dealer vor. Vor einem knappen Jahr waren dort zehn Polizisten vor Ort, haben 68 Leute kontrolliert, Heroin, Marihuana, Amphetamine und CTC- Tabletten gefunden – und sogar Waffen. Der Abriss des Klohäuschens ist nur ein Teil der Maßnahmen, die Stadt, Polizei und Awo sich zusammen überlegt haben. Sie wollen die Situation vor Ort weiter beobachten. Lindenau macht klar: „Zielsetzung ist, dass sich die Szene wieder verkleinert.“ Wenn das durch den Abriss nicht passiere, würden weitere Schritte folgen.

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