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Lübeck Drohnen stören Schiffstaufe
Lokales Lübeck Drohnen stören Schiffstaufe
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11:45 20.07.2016
Vor traumhafter Kulisse wurde der Kreuzfahrer „Mein Schiff 5“ am Freitagabend getauft. Die Zeremonie verschob sich allerdings um eine halbe Stunde. Grund dafür waren zwei unangemeldete Drohnen, die trotz eines Verbots am Himmel waren. Quelle: Fotos: Roeßler, Stratenschulte/dpa
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Travemünde

Die Laserstrahlen lassen den Himmel in leuchtendem Blau erstrahlen, die Musik von Sängerin Lena Meyer-Landrut hallt durch die Lautsprecher – und am Himmel blinken unermüdlich zwei kleine rote Punkte. Es sind Drohnen, die nur Minuten nach der Schiffstaufe der „Mein Schiff 5“ in Travemünde die vielleicht schönsten Bilder des Großereignisses liefern könnten. Mit einem Blick auf den Kreuzfahrer, die rund 15 000 Zuschauer, das Maritim und den Priwallstrand.

Doch die Drohnen können auch gefährlich werden. Das Aufsteigenlassen ist deshalb streng verboten. Nur mit einer Erlaubnis wäre es zulässig. Doch die erteilt in einem solchen Fall keine Behörde. „Wir hatten im Vorfeld besprochen, dass dann sofort die Mitarbeiter der Sicherheitsfirma eingreifen müssen“, erzählt Torben Knye, Communication Manager bei Tui Cruises. Denn die Funkverbindung vom Schiff auf die LED-Leinwände an Land kann die Frequenz der Drohnen stören und schlimmstenfalls zum Absturz bringen. „Die Piloten sind durch unser Sicherheitspersonal auf dem Gelände gesucht, gefunden und angesprochen worden. Der Bitte, die Drohne zu landen, kamen sie nach“, erzählt Martin Baumgarten, Bereichsleiter des Securitas-Sicherheitsdienstes Schleswig-Holstein. An Bord und an Land mussten die Gäste und Zuschauer derweil warten. Um eine halbe Stunde hat sich die Taufzeremonie verschoben.

Der Polizei ist das Drohnen-Problem nicht unbekannt. „Noch holen wir wenig Drohnen vom Himmel, aber es ist eine Zunahme zu prognostizieren“, sagt Sprecher Stefan Muhtz. Sogar das Bundeskriminalamt warnt davor, dass mittels der Flugobjekte Anschlagsziele ausgespäht werden und sogar terroristische Attentate verübt werden könnten. Denn die Drohnen sind schon lange kein seltenes Luxusobjekt mehr. Einfache Modelle gibt es bereits ab 100 Euro.

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Unterhalten sich gut: Dieter Hallervorden (l.) und Wolfgang Kubicki.

Das Filmen mit Hilfe einer Drohne ist auch unter anderen Gesichtspunkten problematisch. „Zum einen kann die Drohne abstürzen und Menschen verletzen, zum anderen gibt es Probleme mit dem Datenschutz“, erklärt Muhtz. Denn niemand darf ungefragt auf den Bildern zu erkennen sein. Um diese Gefahren zu meiden, greift auch der Gesetzgeber immer härter durch. „Gerade an Flughäfen kommt es immer wieder zu Problemen. Wir haben bereits an das Bundesverkehrsministerium appelliert, derzeit arbeitet man an einer Lösung“, erzählt Axel Raab, Sprecher der Deutschen Flugsicherung. Denn gerade rund um Flughäfen wurden schon häufiger Drohnen gesichtet, allein in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres wurden 14 Fälle gezählt.

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Tausende schauen zu, wie das Schiff Travemünde wieder verlässt.

Das Problem ist in erster Linie, dass viele die gesetzlichen Vorschriften gar nicht kennen. Denn wer eine Drohne besitzt, die weniger als fünf Kilogramm wiegt und nur privat verwendet wird, braucht grundsätzlich keine Aufstiegsgenehmigung. „Allerdings bedarf es beim Einsatz von Drohnen über einer Menschenansammlung trotzdem einer Erlaubnis“, mahnt die Polizei. „Liegt diese nicht vor, stellt es eine Ordnungswidrigkeit nach dem Luftverkehrsgesetz dar, welche mit bis zu 25 000 Euro geahndet wird.“ Gleiches gilt für das Überfliegen von Unglücksorten, Polizeieinsätzen, Gefängnissen, Kasernen oder Kraftwerken.

Die Drohne muss außerdem immer in Sichtweite ihres Piloten sein, zudem ist eine Haftpflichtversicherung ein Muss. Zehn Unfälle, bei denen eine Person durch eine Drohne oder ein Modellflugzeug verletzt wurde, sind allein im Jahr 2015 bei der Provinzial Nord gemeldet worden. Gefilmt werden darf des Weiteren nur das eigene Haus oder öffentliches Gebiet. Das Grundstück des Nachbarn ist also grundsätzlich tabu.

Unbemannte Flugobjekte

300 000 Drohnen wurden allein im vergangenen Jahr in Deutschland verkauft. Eine Drohne ist ein unbemanntes Flugobjekt, das computergesteuert oder per Fernbedienung gelenkt werden kann.

Die maximal erlaubte Flughöhe liegt bei 100 Metern. Zudem muss ständig Sichtkontakt zur Drohne bestehen.

Das Bundesverkehrsministerium will eine Kennzeichnungspflicht für Drohnen, die mehr als 500 Gramm wiegen, einführen, damit sie bei Unfällen besser zugeordnet werden können.

 Maike Wegner

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