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Lübeck Dualer Studiengang Hebammenwissenschaft startet
Lokales Lübeck Dualer Studiengang Hebammenwissenschaft startet
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18:56 14.10.2017
Bundesweit ist die Lübecker Uni die einzige, die diesen Studiengang anbietet.  Quelle: Hannes Lintschnig

Lina Isabella Mittelstedt nimmt sich das hölzerne Pinard-Stethoskop und führt es langsam auf den Bauch der Übungspuppe. Dann legt sie vorsichtig ihr Ohr an das Hörrohr und lauscht. Sie grinst, schaut etwas ungläubig. „Das hört sich ja an wie ein richtiges Herz“, sagt die 23-Jährige. „Das ist ja krass. Das hätte ich nicht gedacht.“

Mittelstedt ist eine der 20 neuen Studentinnen des dualen Studiengangs der Hebammenwissenschaft an der Universität zu Lübeck. In der Woche vor Beginn des Studiums lernen die Erstsemester den Campus kennen, haben Einführungsseminare und machen sich mit dem Übungsmaterial vertraut. Bundesweit ist die Lübecker Uni die einzige, die diesen Studiengang anbietet. „Die Uni hat damit Weitblick bewiesen“, sagt Professor Achim Rody, der den Studiengang kommissarisch leitet, bis die Professur besetzt wird. „Andere Professoren von anderen Unis beneiden uns, weil wir diesen Schritt als Erste gegangen sind."

Lina Isabella Mittelstedt (23)

Denn bis 2020 – so sieht es eine EU-Richtlinie vor – soll die Hebammenausbildung europaweit akademisiert werden. Es gibt nur wenige Länder in Europa, in denen der Beruf der Hebamme ein reiner Ausbildungsberuf ist: Estland, Lettland und die Bundesrepublik. „Deutsche Hebammen sind im Ausland benachteiligt. Nach dem Studium können die Hebammen nun in vielen verschiedenen Bereichen, etwa der Forschung, der Lehre oder im Qualitätsmanagement arbeiten. Der Berufsstand, der mit vielen Problemen zu kämpfen hat, wird massiv aufgewertet“, sagt Rody.

Und das wurde Zeit. „Wir hängen in Deutschland sehr hinterher“, sagt Nele Stejskal, Studiengangkoordinatorin des neuen Faches. Die 26-Jährige ist ausgebildete Hebamme, hat allerdings ausbildungsbegleitend an der Fachhochschule Osnabrück „Midwifery“ studiert, die englische Bezeichnung für Hebammenwissenschaft. „Die Basis der Hebammenausbildung stammt aus den 80er Jahren. Seitdem hat sich viel verändert, die Anforderungen an Hebammen sind stark gestiegen“, so Stejskal. „Die Klientel der Frauen hat sich verändert, es gibt heute mehr Spätgebärende. Außerdem gibt es mehr chronische Krankheiten und viel Neues in der Medizintechnik.“

Nach sechs Semestern machen die Studierenden die staatliche Prüfung zur Hebamme, nach dem achten Semester erlangen sie ihren Bachelor-Abschluss. Viele Vorlesungen besuchen die angehenden Hebammen gemeinsam mit Studierenden der Medizin. „Das hat Sinn. Viele Problemstellungen können nur gemeinsam gelöst werden“, sagt Professor Achim Rody. „Wir brauchen gemeinsames Verständnis. Denn wenn die Hebamme weiß, welcher medizinische Schritt als nächster kommt, dann stärkt das auch das Vertrauen der angehenden Mutter.“ Besonders in ländlichen Bereichen, wo nicht immer ein Kreißsaal in der Nähe ist, sei dieses Wissen immens wichtig.

Lina Isabella Mittelstedt steht mittlerweile vor einem Wickeltisch, auf dem eine Babypuppe liegt. „Ich habe noch nie ein Baby angezogen. Oh, das ist aber schwer, und es fühlt sich so echt an“, sagt sie, als sie die Puppe hochhebt, um ihr ein Hemdchen überzuziehen. Mittelstedt wollte nicht immer Hebamme werden, bis März dieses Jahres hat sie noch Sprachwissenschaft und Deutsch in Kiel studiert – bis sie ein besonders Erlebnis hatte. „Ich habe meine eigene Hebamme getroffen. Sie konnte sich sogar noch an mich erinnern“, sagt Mittelstedt, die ihre erste Puppe „Wolke“ genannt hat – der Nachname ihrer Hebamme. „Sie war so eine starke Frau, total selbstreflektiert. Ich habe sofort mein Studium abgebrochen und wusste, dass ich Hebamme werden will.“

 Von Hannes Lintschnig

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