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Lübeck Duell um den Bundestag: Claudia Schmidtke geht für die Lübecker CDU ins Rennen
Lokales Lübeck Duell um den Bundestag: Claudia Schmidtke geht für die Lübecker CDU ins Rennen
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22:24 01.12.2016
Prof. Claudia Schmidtke ist erst seit zwei Jahren in der CDU Quelle: Wolfgang Maxwitat
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Lübeck

Gewonnen: Das Duell um die Bundestagskandidatur entscheidet Claudia Schmidtke (50) für sich. Eine Sensation. Sie hat sich am Donnerstagabend klar gegen Burkhart Eymer (41) durchgesetzt. Von 182 Mitgliedern votierten 105 für Schmidtke – und lediglich 77 Mitglieder geben Eymer ihre Stimme. Damit wird die Herzchirurgin für die lübsche CDU in den Bundestagswahlkampf im Herbst 2017 ziehen. „Ich habe gedacht, es geht knapper aus“, sagt Schmidtke. „Ich freu mich sehr“, so die Frischgekürte. „Natürlich bin ich enttäuscht“, versucht Eymer die Niederlage professionell zu nehmen. „Das ist Demokratie.“

Es ist eine dicke Überraschung. In dieser Deutlichkeit hat niemand das Ergebnis erwartet. Bis kurz vor der Wahl gehen die meisten Mitglieder von einem Kopf-an-Kopf- Rennen aus. Tendenz zu Eymer. Denn Schmidtke ist absoluter Politik-Neuling und erst seit zwei Jahren in der Partei. Eymer hingegen sitzt seit fast neun Jahren in der Lübecker Bürgerschaft und ist mehr als 25 Jahre in der CDU. Emotionslos und nüchtern fallen die Reden der beiden Bewerber aus. Eymer stellt seine Erfahrung und sein politisches Rund-um-Talent heraus. Schmidtke ihr Fachwissen und ihren Fokus auf Gesundheit und Wissenschaft. Auch danach ist unklar, in welche Richtung das Pendel ausschlägt. Das Ergebnis verblüfft alle.

„Es tut der CDU gut“, sagt Lübecks Kreischefin Anette Röttger und überreicht Schmidtke einen Blumenstrauß. Die von ihr dargereichte Weinflasche lehnt Eymer indes ab. Ratzeburgs Kreischef Klaus Schlie macht klar: „Das ist ein gutes Zeichen für die CDU.“ Schmidtke habe seine volle Unterstützung.

Kein Wunder, denn Schlie hat Schmidtke ins Rennen gebracht. Schließlich besteht der Wahlkreis für den Bundestag aus Lübeck und Nord-Lauenburg. Und die Lauenburger haben Schmidtke als ihre Kandidatin aufgestellt. Das gab es noch nie: Nord-Lauenburg mit einer eigenen Kandidatin. Zur Wahl sind sie mit einem Bus und 30 Mitgliedern nach Lübeck angerückt.
Klar ist: Die CDU zerfällt in zwei Lager – seit jeher. Doch die Wahl zum Bundestagkandidaten hat den Riss noch einmal deutlich nachgezeichnet. Auf der einen Seite steht Familie Eymer. Sie prägt seit den 80er-Jahren die Partei. Schon Eymers Eltern saßen jahrelang im Bundestag. Auf der anderen Seite: Fraktionschef Andreas Zander, Kreischefin Röttger – und allen voran Schlie. Da er in der Ratzeburger CDU ist und nicht in Lübeck, kann er sich wesentlich offener positionieren.

Schlie ist ein alter Gegner der Familie Eymer. So hat er verhindert, dass Anke Eymer 2009 ein weiteres Mal in den Bundestag eingezogen ist. Sein damaliger Spruch „Die tut nix“ ist legendär – und war so etwas wie eine Majestätsbeleidigung. Schlicht ein Tabubruch. Anke Eymer landete auf Listenplatz sechs – und raus war sie. Denn sie hatte den Wahlkreis Lübeck nie direkt gewonnen, war immer über einen aussichtsreichen Listenplatz eingezogen. Seit 1990. Nur 2009 fuhr ihr Schlie in die Parade. Nach dem Ende der Ära Eymer überreichte die CDU den Staffelstab an Alexandra Dinges-Dierig. Die Hamburger Ex-Bildungssenatorin war die große Hoffnungsträgerin. Nicht nur für die Lauenburger, sondern auch für die Lübecker. Denn auch die Hälfte der Lübecker CDU gehört ins Anti-Eymer-Lager. Der Riss der Partei geht sogar bis in die Fraktion der Bürgerschaft – in der Burkhart Eymer sitzt.

Zwar gewann auch Dinges-Dierig 2013 nicht direkt den Wahlkreis bei der Bundestagswahl. Aber sie kam dem Ergebnis der SPD-Dauergegnerin Gabriele Hiller-Ohm gefährlich nahe. Dinges-Dierig holte 33,7 Prozent – Hiller-Ohm nur 0,8 Prozentpunkte mehr. Sie kam auf 34,5 Prozent. In der CDU keimte die Hoffung: 2017 könnte Dinges-Dierig es schaffen – und Lübeck direkt holen. Doch sie ließ die Partei im Stich, die sie so willig aufs Schild gehoben hatte. Dinges-Dierig wollte nicht wieder antreten.

Jetzt also Schmidtke. Sie ist zwar die Gewinnerin des Abends. Doch der Kampf um den Platz im Bundestag hat erst begonnen. Denn: Sie könnte Platz neun auf der Landesliste erlangen – nicht sehr aussichtsreich. Röttger verspricht: „Wir werden die Ellenbogen ausfahren, um einen guten Listenplatz zu bekommen.“ Die CDU Schleswig-Holstein stellt Anfang nächsten Jahres die Liste auf. Klar ist, dass acht Plätze bereits vergeben sind – für alle Bundestagsabgeordneten, die wieder antreten und für eine Frau aus dem Kreis cccc. Damit dürfte es schwer werden für mm. Aber manche in der Partei sagen: „Schmidtke hat heute Abend den Wettkampf um die Goldene Ananas gewonnen.“ Heißt: In dem unbedeutenden Spiel eines Turniers siegreich den Pokal errungen.

Von Josephine von Zastrow

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